Ein Filmland auf großer Fahrt

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Hannelore Jürgens Onkel fuhr auf der 1925 gebauten "Emden", die nach dem ersten Schiff dieses Namens benannt war.

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30. Januar 2013, 09:57 Uhr

Schwerin | Berengar Pfahl legt Wert da rauf, dass er keinen Seekriegsschinken gedreht hat. "Der Kreuzer Emden wird gleich sehr schnell verschwinden. Es geht um die Menschen", sagte der Regisseur und Autor gestern Abend vor der Premiere seines zum Teil in MV gedrehten Films "Die Männer der Emden" im Schweriner Capitol. Die FilmLand MV gGmbH und das medienhaus:nord hatten die Preview - eigentlicher Kinostart des Films ist erst heute - exklusiv für die Leser dieser Zeitung organisiert. 700 Gratis-Tickets gab es. Anlässlich der Premiere vor ausverkauftem Haus konnten unsere Zeitung und die FilmLand-Gesellschaft auch das Ergebnis der Spendenaktion für die Digitalisierung alter Defa-Dokumentarfilme aus MV präsentieren: 7000 Euro, ein großer Erfolg. "Wir werden demnächst eine Tournee mit den geretteten Filmen durch das Land machen", kündigten FilmLand-Geschäftsführer Torsten Jahn und Stefan Koslik, stellvertretender Chefredakteur, an. Der Film "Die Männer der Emden" sei ein weiteres Beispiel für die Attraktivität des Filmlandes MV, so Jahn.

Er habe die Geschichte der "Emden" bis vor rund zehn Jahren gar nicht gekannt, verriet Regisseur Pfahl vor der Premiere: "Aber dann wurde mir bei einem Dreh in Sri Lanka ein Mitarbeiter als ,a real emden empfohlen - als schlauer Bursche". Emden? Dann hätten ihm seine asiatischen Mitarbeiter die Geschichte erzählt: Wie 1914 die Besatzung des Kleinen Kreuzers "SMS Emden" durch das Kapern und Versenken von Dutzenden alliierter Handelsschiffe, aber auch für Fairness bekannt geworden war - bis das Schiff im Indischen Ozean versenkt wurde. Für Pfahls 144-Minuten-Film ist das aber nur die Einleitung. Er erzählt von rund 50 Besatzungsmitgliedern, die sich nach der Versenkung ihres Schiffes um die halbe Welt in die Heimat durchschlagen und so erst recht zur Legende werden. Diese Gruppe sei ein Sinnbild für Deutschland am Epochen-Wendepunkt Erster Weltkrieg, sagt Pfahl: "Das war eine Zeit der globalen Umwälzung." Viele Stars der deutschen Film- und Fernsehbranche stehen auf der Besetzungsliste. Auch Wolfgang Winkler, bekannt als "Polizeiruf 110"-Kommissar in Halle. "Man kann diese Menschen damals verstehen - ich kannte die Geschichte schon", sagte der 69-Jährige. Kollege Robert Glatzeder ist fast drei Jahrzehnte jünger, ihm war die "Emden" kein Begriff. "Aber als ich bei einem türkischen Taxifahrer in Berlin den Film erwähnte, ratterte der die ganze Geschichte runter", erzählte er. Für Glatzeder sind die 50 "Männer der Emden" ein Mikrokosmos, in dem schon die künftige deutsche Geschichte angelegt ist, im Guten wie im Bösen: "Meine Figur zum Beispiel, Matrose Norget, ist ein werdender Nazi."

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