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Todesfahrer von Möllin : Ein Extremist auf der Anklagebank?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mutmaßlicher Todesfahrer schreibt in einem Brief: „Es ist Chaos in Syrien und wir müssen hin und Krieg führen“

Mit einem Paukenschlag endete der erste Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen Todesfahrer von Möllin. Denn auf der Anklagebank des Grevesmühlener Amtsgerichts könnte ein mutmaßlicher Extremist sitzen. Darauf deutet ein Brief des Angeklagten hin, den er in der Untersuchungshaft geschrieben und nach Schweden senden wollte. Der Brief wurde abgefangen – und der Inhalt ist brisant. Denn der angeklagte schwedische Staatsbürger mit türkischen Wurzeln schrieb darin: „Es ist Chaos in Syrien und wir müssen hin und Krieg führen.“

Von der Existenz eines solchen Briefes wurde Mohammed Ahmed H.s Anwalt, Michael Hayn, gestern überrascht. Er und ein weiterer Jurist sollen Mohammed Ahmed H. eigentlich wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Betrugs und Missbrauchs von Ausweispapieren und von Kennzeichen verteidigen. Nach Bekanntwerden des abgefangenen Briefes sagte Michael Hayn: „Ich gebe zu bedenken, dass ein schwedischer Staatsbürger, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, sich in der JVA Bützow befindet. Er hat dort erschwerte Haftbedingungen aufgrund seiner ausländischen Staatsangehörigkeit und keine Kommunikationsmöglichkeit zu andern Insassen, die Englisch bzw. Schwedisch sprechen.“ Unter solchen Umständen könne es durchaus sein, dass jemand Dinge schreibe, die aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Unstrittig ist bislang, dass Mohammed Ahmed H. am 2. September vergangenen Jahres am Steuer eines Audi A4 saß und auf der B104 am Abzweig Möllin auf einen VW Golf III aufgefahren ist. Die Kollisionsgeschwindigkeit betrug nach Angaben eines Gutachters der Dekra etwa 96 bis 115 km/h. Kurz zuvor war er bereits mit dem Audi in Lützow mit 118 km/h geblitzt worden, Tempo 50 ist dort erlaubt.

Bei dem Unfall am Abzweig Möllin erlitt die 60-jährige Golf-Fahrerin so schwere Verletzungen, dass sie noch in ihrem Auto binnen weniger Sekunden starb. Der Wagen war bei dem Unfall um 1,10 Meter geschrumpft, also verkürzt worden. „Auch wenn die Frau angeschnallt gewesen wäre, wäre sie verstorben“, betonte ein Rechtsmediziner. Er sprach von massiven, stumpfen Gewalteinwirkungen.

Vorgeworfen wird dem Angeklagten zudem, unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden zu haben. Es habe eine akute Beeinflussung durch Tetrahydrocannabinol (THC) gegeben. THC ist der hauptsächlich rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze. Laut Gutachten wurde ein THC-Wert von 2,58 Nanogramm pro Milliliter Blut nachgewiesen. Der THC-Grenzwert für Autofahrer liegt bei 1,0 Nanogramm.

Seit dem schweren Verkehrsunfall sitzt der mutmaßliche Todesfahrer in Untersuchungshaft – und wird dort vorläufig auch bleiben. Denn der Versuch der Verteidigung, den Haftbefehl aufzuheben, scheiterte. Sowohl Staatsanwalt Michael Nitschke als auch Richter Dr. Hinrich Dimpker gehen von einer weiterhin bestehenden Fluchtgefahr aus. Zumal dem Angeklagten auch in Schweden ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung droht.

Nach einem Bericht der schwedischen Zeitung „Vestmanlands Läns Tidning“ soll Mohammed Ahmed H. bereits am 2. März 2014 im schwedischen Vesteras an einem Unfall mit tödlichem Ausgang beteiligt gewesen sein. Damals ist ein 19-jähriger Amerikaner ums Leben gekommen. Der Mann aus dem US-Bundesstaat Utah missionierte dort für die Mormonen. Wegen des gefundenen Briefes könnten nun weitere Ermittlungen gegen Mohammed Ahmed H. folgen.

 

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