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Premiere Theater Schwerin : Ein extremer Genieblitz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im Mecklenburgischen Staatstheater steht die Oper „Salome“ von Richard Strauss vor der Premiere

Der Stoff ist uralt. Seit Markus und Matthäus ist die Tragödie um Johannes den Täufer, den Herodes Antipas im Jahre 29 unserer Zeit in Palästina enthaupten ließ, in Abwandlungen durch Bücher und über Bühnen gegangen bis zur „Salome“ von Oscar Wilde. Bei ihm will Herodes seine Stieftochter tanzen sehen, Prinzessin Salome verlangt dafür, weil Jochanaan sich ihrer Zuneigung verweigert, dessen Haupt, bekommt es und küsst es. Worauf Herodes befiehlt: „Tötet dieses Weib!“

Dieses Schauspiel, das in England bis 1931 auf dem Index stand, sah Richard Strauss 1903 in einer Inszenierung von Max Reinhardt in Berlin. „Das Stück schrie nach Musik", notierte der Komponist, und das führte zum Genieblitz seiner „Salome“-Oper, seinerzeit ein „Tor zur neuen Musik“. Uraufgeführt 1905 in Dresden, erlebte das „Skandalstück“ um Begierde und Leidenschaft auch Verbote. Längst gehört es zum Repertoire. In Schwerin gab es Aufführungen 1964 unter Klaus Tennstedt mit Irene Tzschoppe, 1977 unter Hartmut Haenchen mit Birgit Jastram und 1996 unter Ivan Törzs mit Zehra Yildiz. Jetzt hat die Oper wieder Premiere in der Inszenierung von Kornelia Repschläger. Daniel Huppert dirigiert, Karen Leiber singt als Gast die Titelpartie. Damit ist sie vertraut, hat sie bereits in Würzburg gesungen. Die gefragte Solistin ist in großen Partien erfahren, von der „Fidelio“-Leonore über Tosca, Lady Macbeth bis zur „Walküre“-Sieglinde.

„Salome“ ist eine kurze, aber extreme Oper. Das Motiv für seinen Zugriff erklärt Generalmusikdirektor Daniel Huppert so: „Es ist ein enorm expressives, fast explosionsartiges Werk. Es ist ein Meisterstück, das ins Repertoire unseres Hauses gehört, Solisten, Orchester und auch den Dirigenten herausfordert, die Leistungsfähigkeit des Ensembles demonstrieren soll.“ Die Expressivität der Oper, die sehr dicht komponiert sei, kompliziert in der Partitur und den Stimmen, verlange außerordentliche Intensität, erklärt der Orchesterchef. Huppert meint: „Wenn wir auch heute natürlich längst neue Klangwelten kennen, die Salome hat ungewöhnliche, krasse Wendungen, mit denen sie musikalischen Ausdruck ausreizt, ähnlich wie es damals auch in Literatur und bildender Kunst des Expressionismus geschah. Solche Musik spielt man nicht alle Tage.“

Bei der „Salome“-Uraufführung wollte die Wagner-Heroine Marie Wittich die Rolle zurückgeben: „Das tue ich nicht, ich bin eine anständige Frau.“ Darüber kann man heute nur schmunzeln. Dennoch, wie nähert man sich dieser exzentrischen Figur, die eigentlich ein Fall für den Psychiater ist? „Natürlich habe ich das Stück von Wilde gelesen, aber die Anregung für die Darstellung kommt von der Musik, sie ist für mich der Impuls für Emotion und Spannung", sagt die Sopranistin und bekennt, dass die Partie fast pausenlos „volle Pulle“ verlangt. „Sie wechselt rasch in der Dynamik, und sie hat besonders im langen Schlussmonolog außerordentlichen Stimmumfang über zwei Oktaven, sie ist auch sprunghaft, da muss man sich ausgeben. Es ist keine Partie zum Schonen, aber diese Anstrengung macht Spaß.“ Eine Salome-Sängerin muss auch tanzen: sieben Schleier fallen. Karen Leiber lobt die Choreografie von Nicola Mascia. „Der Tanz soll Salomes Entdeckung der Lust zeigen, den Wandel vom Mädchen zur Frau.“ Ein erregender Abend ist zu erwarten.  

 

Premiere am 22. 4., 19.30 Uhr, Großes Haus. Karten: (0385) 5300123; E-Mail: kasse@theater-schwerin.de



 

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