Debütnovelle : Ein Emirati schreibt über Rostock

Hansestadt spielt in der Debütnovelle von Mohamed Al Serkal entscheidende Rolle

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20. September 2017, 12:00 Uhr

Tausendundeine Nacht, Sindbad, Alibaba oder Aladin – die Märchen aus dem weit entfernten Orient faszinieren seit jeher die Menschen. Doch in welchen Orten spielen eigentlich die Geschichten, die man sich im Morgenland erzählt?

In Rostock zum Beispiel. Die Hansestadt spielt zumindest in der Novelle „Shallow“ des Emiratis Mohamed Al Serkal eine entscheidende Rolle. „Es war kalt an diesem Abend. Mutter erzählte uns, dass es der vielleicht härteste Winter war, den sie in Rostock je erlebt hatte. Ich liebte unsere Stadt.“ Es sind die Gedanken und die Gefühlswelt von Chloe, von denen der Autor Al Serkal in seiner Debütnovelle erzählt. Das junge Mädchen versucht in den Wirren der Nachkriegszeit zu sich selbst zu finden. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder wächst sie in Rostock auf.

Al Serkal selbst stammt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen auch Dubai und Abu Dhabi gehören. Genau genommen kommt er aus Sharjah. Die Wüstenstadt am Arabischen Golf könnte selbst Spielstätte unzähliger orientalischer Märchen sein. Sandfarbene Häuser, leuchtende Moscheen, Teppich- und Stoffhändler und der Geruch von exotischen Gewürzen in der Luft. Hier ist Al Serkal aufgewachsen.

Dass ausgerechnet Rostock der zentrale Ort seines ersten Buches ist, war Zufall, erzählt Mohamed Al Serkal. „Es ist einfach passiert. Die Idee von der Hauptfigur Chloe hatte ich bereits, bevor ich wusste, wo die Geschichte spielen wird“. Ein schöner, beschaulicher Ort sollte es sein, sagt der 28-Jährige. „Ich brauchte eine Stadt, die in den Zweiten Weltkrieg involviert war. Bei meinen Recherchen stieß ich auf Rostock“. Die Hansestadt hätte ihn sofort in den Bann gezogen. Die Kultur, die Geschichte, die Nähe zur Ostsee. Dabei war er selbst noch nie da.

„Ich war schon in Hamburg, Berlin und München. Rostock konnte ich leider noch nicht besuchen.“ So kommt es auch, dass nicht alle Fakten über die Hansestadt ganz richtig sind. So schreibt Al Serkal in seiner Geschichte zum Beispiel von der „ältesten Universität in der Welt“. Doch ein bisschen Fiktion kann ja auch dabei sein.

An Deutschland beeindrucken ihn vor allem die Kultur und die Tradition, sagt er. „Es gibt so viel, was ich an dem Land liebe. Die Menschen, die ich auf meinen Reisen getroffen habe, waren immer sehr freundlich und hilfsbereit. Ich fühle den Stolz und sehe die Lebensfreunde in ihnen.“

Al Serkal begann schon in frühen Kindheitsjahren zu schreiben. Besonders beeinflusst hätte ihn seine Mutter. „Immer wenn sie uns eine Geschichte vorlas, leuchteten ihre Augen. Ihre Hände bewegten sich so, als würde sie das Erzählte selbst erleben.“

„Shallow“, was übersetzt so viel wie „seicht“ heißt, wird nicht sein letztes Werk sein, sagt Al Serkal. Derzeit arbeitet der Autor an einer Sammlung von Kurzgeschichten. Ob einige von diesen wieder in Deutschland spielen, verrät er noch nicht. Doch Rostock möchte er auf jeden Fall besuchen, sagt er. „Wenn ich das nächste Mal in Deutschland bin.“

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Leseprobe: „Shallo“ von Mohamed Al Serkal
„Nervös vor Schuldgefühlen ging ich in den Raum und fragte mich, ob ich das Richtige getan hatte. Ich war allein und brauchte Hilfe. Schnell atmend sah ich nach unten. Mein Fenster gab den Blick auf die eingezäunten grünen Felder frei. Kinder spielten, lachten und verströmten Fröhlichkeit. Warum konnte ich nicht bei ihnen sein? Warum konnte ich nicht ein Teil dieses Glücks sein?“ Während ich die Kinder sehnsüchtig beobachtete, ging plötzlich die Tür auf. Da war sie. Die schönste Person in meiner Welt. Eine Person zum Aufsehen. Ein Heiland. Meine Mutter.“
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