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Mecklenburg-Vorpommern

21. September 2017 | 21:37 Uhr

Ein Drogenkurier packt aus

vom

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2010 | 07:51 Uhr

Schwerin | Der Drogenkurier ist im besten Großvater-Alter. Er ist 71 Jahre alt und hat nur einen Wunsch: Er will nicht ins Gefängnis. Doch genau das droht ihm. Peter Walter T. aus der Nähe von Berlin sitzt seit gestern wegen Drogenhandels im Schweriner Landgericht auf der Anklagebank.

Dabei geht es nicht um ein paar Tütchen - mehr als 30 Kilogramm Marihuana und Haschisch gingen mit seiner Hilfe über den imaginären Ladentisch, der Marktwert dürfte weit über 100 000 Euro liegen. Mit dem Stoff sollten vor allem Konsumenten in Mecklenburg bedacht werden. Der große, stattliche Mann, dem man seine Vergangenheit als Leistungssportler noch ansieht, hat die heiße Ware taschenweise im Auto transportiert. Nördlich von Berlin hat er sie in Empfang genommen und das meiste davon an einen Großdealer bei Sternberg geliefert. Für 200 Euro plus Spritgeld pro Fahrt. "Für n Appel und n Ei", sagt der gebürtige Berliner. "Jemacht" habe er das alles nur, weil seine 680 Euro-Rente vorne und hinten nicht reiche. 400 Euro verdiene er sich noch dazu, bei einer Firma, für die er bis heute als Wachschutz und als Geldeintreiber arbeitet.

Als er sich mal Geld borgen musste für eine Autoreparatur, machte er ein folgenschweres Angebot: Er wolle die Schulden abarbeiten. Sein "Gläubiger" war nicht nur sein Ziehsohn aus einer früheren Beziehung, er war auch ganz groß im Drogengeschäft. So sei es etwa im Juni 2009 zu seinem ersten Einsatz gekommen. "Ick selber halte ja nischt von dem Zeug", erklärt er. Als Judoka habe er zu DDR-Zeiten mehrere Meistertitel errungen und sei überzeugter Nichtraucher. Jedenfalls folgte bereits im Oktober die letzte Fahrt. Die Ermittler waren dem Dealer-Ring längst auf der Spur. Sie observierten und hörten mit am Telefon. In Eberswalde bemerkt T. die Verfolger. Er lässt das Auto stehen und macht sich aus dem Staub. Im Kofferraum bleiben zwei Kilo von dem begehrten Stoff zurück.

Noch in der gleichen Nacht schreckt er auf, als alle Fenster seines Häuschens gleichzeitig zu Bruch gehen. Eine Spezialeinheit der Polizei dringt ein und nimmt ihn fest. Der fünffache Vater galt als gefährlich. Hatte er doch beim Geldeintreiben mal eine Waffe benutzt. Es muss damals zu einer wilden Schießerei gekommen sein, bei der auch er verletzt wurde. Er wurde wegen versuchten Totschlags zu sechseinhalb Jahren verurteilt, von denen er fünf absitzen musste. Der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die war noch nicht abgelaufen, als er festgenommen wurde.

In der U-Haft fasst er einen Entschluss: Er packt aus, nennt Ross und Reiter. Das wird bei Drogendelikten gewöhnlich mit deutlicher Strafmilderung belohnt. Und hat Folgen: Sein Ziehsohn wurde zu sechseinhalb Jahren verurteilt, der Sternberger Dealer zu fünfeinhalb. T. aber wurde nach wenigen Wochen aus der Untersuchungshaft entlassen. Er sei aus der Szene bedroht worden, wolle aber keinen Polizeischutz, sagte er gestern. Er habe keine Angst.

Er will vor allem eines nicht: Seine letzten Jahre hinter Gitter verbringen. Verteidiger Ralph-Oliver Schürmann hat gestern Bewährung gefordert, Staatsanwalt Thomas Bardenhagen zwei Jahre und neun Monate. Das Urteil soll Dienstag gesprochen werden.

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