Mecklenburg-Vorpommern : Ein Drittel weniger Lohn für Leiharbeiter

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Firmen in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen 10 000 Arbeiter auf Zeit

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09. März 2015, 07:44 Uhr

Deutliche Verdienstnachteile für Arbeiter auf Zeit: Leiharbeiter verdienen in Mecklenburg-Vorpommern rund 30 Prozent weniger als Festangestellte. Lag der Monatsverdienst eines Vollzeitbeschäftigten Ende 2013 im Mittel bei 2138 Euro, waren es bei ebenfalls vollzeitbeschäftigten Leiharbeitern nur 1474 Euro. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag hervor. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, kritisierte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster, am Wochenende. Leiharbeiter hätten in der Regel unsichere Perspektiven und ein erhöhtes Risiko arbeitslos zu werden. Sie würden bei Krisen als erste entlassen. „Vor diesem Hintergrund stünde ihnen statt der niedrigeren Bezahlung ein Aufschlag zu“, meinte der Oppositionspolitiker. Stattdessen haben Leiharbeiter in MV in den vergangenen zehn Jahren weniger von der Lohnentwicklung profitieren als ihre festangestellten Kollegen. Den Angaben zufolge stieg ihr Durchschnittslohn absolut um 212 Euro, der für Festangestellte um 286 Euro.

Mitte 2014 arbeiteten gut 10 000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern als Leiharbeitnehmer. Die Zahl stagniert seit 2010 auf dem hohen Niveau, wie aus den Angaben der Landesregierung hervorgeht. 2003 hatten Verleihfirmen lediglich 4313 Beschäftigte angestellt. Leiharbeit ist demnach vor allem im verarbeitenden Gewerbe zu finden. Der größte Teil der Leiharbeiter sind Männer – Mitte 2014 waren es knapp 8000.

Für dieses Jahr hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Neuregelung von Leiharbeit und Werkverträgen angekündigt. Die Landesregierung fordert, dass Zeitarbeit so ausgestaltet werden muss, dass sie gute Arbeit für die Beschäftigten ermöglicht. „Dabei muss jedoch auch darauf geachtet werden, dass strengere Regulierung der Zeitarbeit diese nicht so unattraktiv macht, dass die Flucht von Unternehmen in Werkvertragskonstruktionen befördert wird“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Foerster forderte, auch Werkarbeitsverträge in Mecklenburg-Vorpommern künftig zu erfassen und zu kontrollieren.

Änderungen scheinen notwendig: In Deutschland ist die Zahl der Verleihfirmen in den vergangenen zehn Jahren explodiert – von 7278 im Jahr 2003 auf inzwischen 12 382 Unternehmen im vergangenen Jahr. In Mecklenburg-Vorpommern sind der Landesregierung zufolge 206 Firmen angemeldet – 71 mehr als 2003. Anfangs zugelassen, um in den Unternehmen auf Auftragsspitze flexibler reagieren zu können, setzt die Bestellung von Leiharbeiter inzwischen oftmals auch die Stammbelegschaft unter Druck, kritisieren Gewerkschaften. Die Zeitarbeit bringe auch normale Arbeitsplätze in Bedrängnis. Leiharbeit werde zur Lohndrückerei genutzt.

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