zur Navigation springen

Klink an der Müritz : Ein Dorf will den Bücherbus zurück

vom

Seit die rollende Bücherei des Müritz-Bibliotheksvereins durchrollt statt anzuhalten, regt sich Unmut in Klink an der Müritz. Denn die Kinder mochten ihn richtig gern und wollen ihn unbedingt zurück.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 11:17 Uhr

Waren | Im größten Landkreis Deutschlands sind die Wege lang - Schulwege, Arbeitswege, Wege zum Arzt, Sportverein, Freizeitvergnügen. Da kann jede Abkürzung wertvoll sein. Wie wertvoll, das wissen die Bewohner der Gemeinde Klink an der Müritz, seit sie ihren Bücherbus verloren haben. Die rollende Bücherei des Müritz-Bibliotheksvereins hatte über viele Jahre in den Ortsteilen Grabenitz, Sembzin, Klink und Klink-Urlauberdorf Halt gemacht - jeweils dienstags ab 17 Uhr in ungeraden Kalenderwochen.

Damit war Ende 2012 Schluss und seither wird allenthalben gehörig gemeckert, vor allem auf die Gemeindevertreter und den Bürgermeister. Die hätten, so heißt es, den Bücherbus abbestellt, um einer drohenden Preiserhöhung aus dem Weg zu gehen. Dem Vernehmen nach ging es dabei um 20 Cent pro Kopf der rund 1100 Frauen, Männer und Kinder in Klink. "Ihr werdet doch wohl mal ein Buch kaufen können" wurde denjenigen entgegnet, die besonders laut um den Bücherbus barmten. Ein Spruch, der wie Öl im Feuer wirkte. Oder der: "Fahrt doch zur Bibliothek nach Waren." Das sind rund zehn Kilometer.

Fazit der Aufregung: Sie kam zwar erst auf, als das Kind schon im Brunnen lag, dafür fällt sie nun aber umso heftiger aus. Von Grabenitz aus geht eine Unterschriftensammlung durch die Gemeinde. Sie soll die gewählten Volksvertreter bewegen, ihren Standpunkt zu überdenken. "Für die vielen Kinder imOrt und die vielen älteren Leute war der Bücherbus ganz wichtig", sagt Karina Ihde. Sie könnten sich nicht mir nichts dir nichts auf den Weg nach Waren machen und waren dankbare Stammkunden bei der Ausleihe. "Der Tag, an dem der Bücherbus kam, das war doch etwas Besonderes", sagt sie. "Irgendwie ja auch ein Zeichen: Mensch, auf dem Dorf passiert was." Zumal der Fahrer und Bibliothekar immer für einen netten Schwatz und einen guten Lesetipp zu haben war. "Die Kinder mochten ihn richtig gern."

Gemeint ist Jörn Bitterlich, der seit mittlerweile 20 Jahren im Dienste des Müritz Bibliotheksvereins über Land kurvt, monatlich bis zu 4000 Kilometer. Mehr als 50 Haltestellen steuert er an, rund 5000 Bücher, Kassetten, CD und DVD hat er an Bord. Der Kostenpunkt für die Gemeinden hat sich in all der Zeit nicht verändert, wie Jörn Bitterlich betont: "Die Gemeinden zahlen 1,28 Euro pro Einwohner im Jahr", sagt er. "Nix mit Preiserhöhung." Hin und wieder sei es vorgekommen, dass kleinere Gemeinden aus Geldnot ausgestiegen sind, manche kehrten zurück, andere kamen neu hinzu. Wie der Bücherbus aus dem früheren Müritz- im neuen Großkreis über die Runden komme, sei noch nicht ganz sicher, so der Bibliothekar. Noch aber steht das Angebot wie bisher beziehungsweise könnte sogar noch um weitere Stationen erweitert werden.

Im Fall von Klink geht es also bei zirka 1100 Einwohnern und 1,28 um 1408 Euro. "Vor einem dreiviertel Jahr hätten wir darüber diskutieren können und müssen", sagt Bürgermeister Ulrich Hohls an die Adresse der aufmüpfigen Einwohner. Da das Geld in der Gemeinde knapper geworden sei, müsse bei den freiwilligen Leistungen gespart werden. Zum Beispiel beim Bücherbus, der nur einem Teil der Einwohner zugute komme - so ein Argument der Gemeindevertretung. Die sei allerdings sehr wohl zum Gespräch bereit. "Man kann ja einem Kind auch wieder aus dem Brunnen heraushelfen, wenn es hineingefallen ist", so Ulrich Hohls. Das macht Hoffnung für die Freunde von Bücherbus und Bildung auf dem Lande.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen