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Sprachferien : Ein Chicken Nugget, das nicht schwimmt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sprachferien vor der Haustür: Am Schweriner See und anderswo können Mädchen und Jungen von Muttersprachlern Englisch, Französisch oder Spanisch lernen

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Am Schweriner See gleich unterhalb von Schloss Wiligrad gackert, bellt und miaut es ohrenbetäubend. 18 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren versuchen in dem Lärm ausfindig zu machen, wer offenbar ein Los mit dem gleichen Tier gezogen hat und nun dessen Geräusch von sich gibt. Schließlich formieren sich drei Gruppen, die aus Reifen, Brettern und Seilen je ein tragfähiges Floß bauen sollen.

Für Radfahrer, die vorbeikommen, wirkt das alles wie ein normales Ferienlager. Wer allerdings stehenbleibt und den Kindern nicht nur zuschaut, sondern auch zuhört, merkt schnell: Dieses Feriencamp ist anders. Denn hier wird in erster Linie englisch gesprochen. Die Bretter sind also wood planks, die Reifen der Einfachheit halber Ringe, also rings, die Seile ropes, die Rettungswesten life jackets…

Sprachferien vor der Haustür – mit diesem Konzept begeistern die Schwerinerin Sabine Görner und ihre bayerische Geschäftspartnerin Andrea Bär schon seit 13 Jahren Kinder, Jugendliche und Eltern. Seit elf Jahren bieten sie unter der Marke Leolingo allein in Norddeutschland für 400 Mädchen und Jungen pro Jahr Ferienspaß in englisch, französisch oder spanisch an – gekoppelt mit ausgefallenen Freizeitaktivitäten: Reiten in Lübz, Klettern in Schwerin, Surfen oder Sport in Beckerwitz an der Ostsee, Abenteuer in Wiligrad oder Flessenow am Schweriner See…

„Kinder sollen mit einer Sprache freudvoll umgehen und sie mögen“, erklärt Sabine Görner die Idee, die hinter den jeweils eine Woche dauernden Camps steckt. „Sie sollen ganz frei sein und auf ihre Art in die Sprache einsteigen.“ Frontalunterricht und strenge Benotung seien dabei kontraproduktiv, meint die Schwerinerin, die von Haus aus Lehrerin für Französisch und Sport ist. Auch Hannah Elaine Peters aus Crivitz sieht das so. „In der Schule wird man gleich ausgelacht, wenn man Fehler macht. Hier ist das ganz anders.“

In den Sprachcamps wird vormittags in kleinen, nach dem Alter zusammengestellten Gruppen gespielt und dabei quasi nebenbei die Sprache gelernt, erklärt Sabine Görner. Nachmittags stehen dann die Freizeitaktivitäten im Mittelpunkt, und auch hier dominiert die Fremdsprache. Das geht schon deshalb nicht anders, weil die Campbetreuer Muttersprachler sind, die in aller Regel überhaupt kein Deutsch beherrschen. Auch bei Maria Salinas und William Hartenberger ist das der Fall. Die beiden jungen US-Amerikaner hatten sich über die Internetplattform „Go abroad“ bei Leolingo beworben. Dort haben sie jetzt einen achtwöchigen Vertrag, der ihnen für die Dauer ihres Aufenthalts in Deutschlands Kost und Logis und für die Zeit in den Feriencamps zudem ein Gehalt garantiert. Anschließend schauen sie sich noch zwei Wochen lang das Land an – eine perfekte Mischung, meint William. Die Arbeit bei Leolingo sei aber auch eine Anwendung dessen, was er gerade im Studium Frühkindliche Bildung lernt.

Flöße zu bauen, Kanu zu fahren oder im Hochseilgarten bzw. in der Halle zu klettern, gehört nicht dazu. Ein Problem ist das nicht, denn für den Freizeitspaß zeichnen in Wiligrad die „Erlebnistage Schweriner See“ verantwortlich, die geschulte Betreuer für die einzelnen Aktivitäten stellen. „Dabei versuchen wir, dass auch unsere Team-Mitglieder möglichst nur englisch sprechen“, erklärt Erlebnistage-Chef Tobias Eckstein. Beim Floßbau müssen Jasmin Dalcomo und Sebastian Borda dann aber doch manchmal ins Deutsche wechseln, schließlich müssen die Kinder die Sicherheitshinweise vollständig verstehen.

Einige wie Bruno Streichert aus Berlin beherrschen das Englische allerdings schon so gut, dass sie übersetzen können. Andere wie Max Schöwe können zudem mit Erfahrung punkten. Der Schweriner ist schon zum dritten Mal in einem Leolingo-Sprachcamp. „Es macht einfach ganz viel Spaß mit den anderen Kindern“, meint er. Im letzten Jahr hätte seine Gruppe übrigens beim Floßbau mehr gestritten… Diesmal sind „seine“ Katzen als erste fertig. Bei den Hühnern, den chicken, läuft es dagegen nicht so rund. Weil Katzen und Hunde ein dreieckiges Floß gebaut haben, wollten sie es mit einer anderen Form versuchen – doch ihr „Floating Chicken Nugget“ wird einfach nicht seetüchtig. Sauer ist darüber aber keiner. Dann wird eben gebadet. „ Ich glaub ja sowieso, dass die meisten nur hier sind, um Spaß zu haben“, meint Hannah Elaine. „Ich bin hier, um zu lernen.“

Lotti Brockhof aus Banzkow findet, Spaß und Lernen passen in Wiligrad perfekt zusammen: „Ich möchte nächstes Jahr deshalb unbedingt wieder hierher.“

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