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Ex-Umweltminister kämpft um seinen Lebenstraum : Ein Besessener will den Neuanfang

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Der Ex-Umweltminister Berndt Heydemann (82) kämpft um den Erhalt seines Lebenstraums - Das Zukunftszentrum Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft in Nieklitz. Jetzt droht diese Mission zu scheitern - endgültig.

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erstellt am 15.Feb.2013 | 07:05 Uhr

Wittenburg | Wenn andere den Kopf einziehen, schaut Berndt Heydemann nach oben. Es regnet an diesem trüben Tag in Nieklitz in Mecklenburg-Vorpommern, wo der ehemalige erste schleswig-holsteinische Umweltminister auf 185 000 Quadratmetern sein Zukunftszentrum Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft aufgebaut hat. Hier will er Menschen die Schönheiten der Umwelt vermitteln, zeigen, was sie von der Natur lernen können. Das ist Heydemanns Mission seit Jahren. Und jetzt droht sie zu scheitern - endgültig.

Heydemann hört das ungern, er redet lieber davon, wie das Zentrum, das er mit mehr als fünf Millionen Euro öffentlichen Mitteln und mindestens noch mal so viel eigenem Geld über Jahre aufgebaut hat, zu einer Bio-Informenta in Schleswig-Holstein ausgebaut werden kann. Nachdem die Regierung in Mecklenburg-Vorpommern ihm 2006 nach Jahren der Unterstützung den Geldhahn zugedreht hat, fehlen ihm 500 000 Euro pro Jahr. 200 000 Besucher hatte Heydemann für seinen Zukunftspark kalkuliert. Gerade einmal 12 000 kamen, berichtete unsere Zeitung damals.

Nun sucht Heydemann also in Schleswig-Holstein Unterstützung für einen Neuanfang jenseites der Landesgrenze. Um so mehr haben ihn die Vorwürfe getroffen, mit denen die Oppositionspolitiker im Kieler Landtag sein Projekt verhindern wollen. Sie haben von "rotem Filz" geredet, weil SPD-Fraktionschef Ralf Stegner ihn gestützt hat. Sie haben das Projekt "Irrsinn" genannt, wie CDU-Fraktionschef Johannes Callsen oder wie der FDP-Abgeordnete Heiner Garg von einem "höchst fragwürdigen Projekt" gesprochen. Die Regierungskoalition von SPD, Grünen und SSW in Kiel wäre bereit bis zu 380 000 Euro für ein Öko-Projekt des früheren Kieler Umweltministers locker machen.

Sein europaweit einzigartiges Zentrum habe laut einem Gutachten, das er erstellen ließ, einen Wert von über 24 Millionen Euro, der Verkehrswert liege bei acht bis 14 Millionen Euro. Er habe einzigartige Modelle, an denen gezeigt werden könne, wie der Mensch von der Natur lernen könne. "Ich fühle mich verpflichtet, die meinem Heimatland anzubieten."

Heydemann will keine Hilfe, und er will sich nicht rechtfertigen. Er verweist darauf, dass in Nürnberg ein Bionicum aufgebaut wird - gefördert mit 3,4 Millionen Euro Staatsmitteln. Er sagt, dass sein Zentrum durch auswärtige Ausstellungen mehr als 170 000 Besucher im Jahr angelockt habe, mit den zusätzlichen 17 000, die jährlich nach Nieklitz kamen, habe er den Zielwert von 200 000 fast erreicht. Und er erklärt, dass er Gäste der diesjährigen Internationalen Gartenschau in Hamburg bei einem Umzug nach Mölln nach Schleswig-Holstein locken könnte. "Eine Vervierfachung der Besucherzahlen ist möglich. Man sollte mir vertrauen."

Heydemann weiß, dass noch viel fehlt, um aus seinem Zentrum ein Science Center zu machen, deswegen will er mit seinen Objekten zurück nach Schleswig-Holstein. Und dafür braucht er Geld.

Dass das vom Staat kommen muss, daran lässt Heydemann keinen Zweifel. Zunächst brauche er 350 000 Euro, später zwei Millionen. Wie andere Institute an Unis habe er einen Bildungsauftrag, der gefördert werden müsse. Doch den Landespolitikern fällt es schon schwer, hunderttausend Euro für eine Machbarkeitsstudie zu bewilligen.

Heydemann hat Zeit seines Lebens von dem gelebt, was ein Sozialhilfeempfänger bekommt. Das so Ersparte, seine Pension, sein Erbe, alles was er hatte, hat er in das Zentrum gesteckt, erzählt er. Seit Jahren arbeitet er kostenlos bis zu 16 Stunden. Die Bionik den Menschen näher zu bringen ist sein Leben - und das manifestiert sich in Nieklitz. In etwas über zwei Jahren wird er 85. "Dann werden in Nieklitz und Mölln Zentren für Bionik stehen." Heydemann glaubt daran.

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