Diskussion im Medienhaus Nord : Ein ausgeprägtes Heimatgefühl

Auswertung der Studie im medienhaus:nord: Chefredakteur Michael Seidel, Ministerpräsident Erwin Sellering, Ralf Sippel, Chef von Zebra Cosult und Pastor Tilman Baier, Chefredakteur der Kirchenzeitung (v.l.).
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Auswertung der Studie im medienhaus:nord: Chefredakteur Michael Seidel, Ministerpräsident Erwin Sellering, Ralf Sippel, Chef von Zebra Cosult und Pastor Tilman Baier, Chefredakteur der Kirchenzeitung (v.l.).

Mecklenburger und Vorpommern ticken anders – Studie zu Veränderungen von Werten und Ängsten der Deutschen / Anregende Diskussion im Medienhaus Nord

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12. November 2014, 07:45 Uhr

Ostdeutsche und Westdeutsche sind sich 25 Jahre nach dem Mauerfall viel näher als häufig angenommen.  Doch in Mecklenburg-Vorpommern ticken die Uhren etwas anders.

Das Ergebnis der großen Studie  „Wertewandel Ost“, die unsere Zeitung am 2. Oktober als Beilage veröffentlichte, wurde gestern im medienhaus:nord in Schwerin zur Diskussion gestellt. Sie war von den ostdeutschen Zeitungsverlagen und der Marketing-Firma Zebra Consult in Auftrag gegeben worden. „Egal ob es um Wertevorstellungen, Prioritäten oder auch Ängste geht: Ost und West waren sich nie so nah. Unterschiede finden sich eher in den Generationen“, sagte Ralf Sippel, Chef von Zebra Consult, vor den etwa 100 Besuchern der Veranstaltung. 

So sind für Ost wie West gleichermaßen soziale Beziehungen wie  Freundschaft und die Familie am wichtigsten. Gleichstand herrscht auch bei den Ängsten;Kriminalität steht in neuen und alten Bundesländern an erster Stelle, gefolgt von wachsenden Unterschieden zwischen arm und reich und der Sorge um Rente und Pflege. Doch das Problem Abwanderung bleibt für Ostdeutschland akut – Lichtblick ist da laut Studie allerdings Mecklenburg-Vorpommern. Während insgesamt 30 Prozent der Ostdeutschen in den Westen  ziehen würden, weil dort Löhne, Chancen auf eine Karriere und Wohlstand höher wären, sind es in MV weniger als halb so viele: nur 12 Prozent.   Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der   an der Diskussionsrunde im Verlagshaus unserer Zeitung teilnahm, schien das  zu freuen: „Wir sind zum Wohlfühlland geworden.“ Er verwies darauf, dass nach einer Emnid-Studie im Auftrag der Staatskanzlei sogar 90 Prozent meinten, im Nordosten könne man „gut und sehr gut leben“. „Hier gibt es ein ausgeprägtes Heimatgefühl“, so der Regierungschef.

Gefragt, warum er die  seit Monaten anhaltende Unrechtsstaats-Debatte   so beharrlich führe, drehte Sellering den Spieß um:   Er werde sich nicht „unter das Joch derer begeben“, die ihm beständig abverlangten, die DDR in Bausch un Bogen als Unrechtsstaat zu bezeichnen.   Weil es  unstrittig sei, dass in der DDR massiv Unrecht geschah und viele aufrechte Bürgerrechtler darunter zu leiden hatten. Richtig sei aber auch, dass die Mehrheit der Ostdeutschen   sich jenseits der Politik ein anständiges  Leben eingerichtet hätten, das sie von niemandem entwertet sehen wollten.  

Nach der Wende habe das Land  Riesenprobleme zu bewältigen gehabt. Die meisten Menschen hätten die schwierigen Zeiten „gut durchgestanden“. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich entspannt. Einige Branchen suchten dringend Fachkräfte. Dennoch sehen Mecklenburger und Vorpommern die wirtschaftliche Situation weniger rosig. Wenn in Ostdeutschland bereits 36 Prozent der Einwohner laut Studie die sprichwörtlichen „blühende Landschaften“ sehen, sind es im Nordosten lediglich 31 Prozent.

Auffallende Unterschiede  bestehen offenbar im Demokratieverständnis. Lediglich 40 Prozent der Ostdeutschen finden, dass  Demokratie die beste Staatsform ist –  das meinen dagegen 74 Prozent der Westdeutschen. Alternativen zur Demokratie benennen aber auch die  Ostdeutschen  nicht. Parteienforscher Christian Nestler von der Universität Rostock sah darin zwar ein gewisses Akzeptanzproblem, das man aber nicht überbewerten dürfe.

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