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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 15:09 Uhr

Ein Amerikaner als Mahner

vom

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2013 | 06:59 Uhr

Kneese Dorf | Fast hundert Männer und Frauen tummeln sich auf der Festwiese in Kneese Dorf. Die Wolken am Himmel sind dunkel und der Wind weht kräftig.

Gerade einmal 1000 Meter von diesem Ort entfernt, steht eine Gedenkstätte für die Grenzopfer der DDR. "Wir dürfen nicht vergessen, was passiert ist. Aus diesem Grund weihen wir heute das Denkmal für Harry Weltzin und andere Grenzopfer ein", sagt Hans-Jürgen Hoffmann, Bürgermeister von Kneese. Das Ehrenmal entstand auf Initiative der Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG), der Gemeinde und weiterer Unterstützer.

Um dem Vergessen entgegenzuwirken, ist auch Ron Williams, ein amerikanischer Schauspieler, Sänger und Moderator, an diesen denkwürdigen Ort gekommen. "Es ist schade, dass so wenig Leute hier sind, dabei ist die Geschichte eines Landes und seiner Menschen wertvoll und sollte bewahrt werden, um Fehler nicht wieder zu begehen", sagt der 71-jährige. Er selbst engagiere sich seit 2002 mit seiner "Tour für Toleranz" für die Opfer von Ausgrenzung in Schulen. "Oftmals kommt bei den Gesprächen mit den Jugendlichen heraus, dass diese hier in Deutschland gar nicht mehr wissen, welche Bedeutung etwa der ,Tag der Deutschen Einheit hat. Es ist als würde es sie nichts mehr angehen", so Williams.

Aus diesem Grund sind auch Gisela und Horst Bernauer nach Kneese gefahren. "Wir haben das Haus der Familie Weltzin in Wismar gekauft", erzählt die 69-jährige Gisela. Sie selbst kannte Harry Weltzin nicht sonderlich gut, dafür aber seine Eltern. "Wir wollen Harry heute ein bisschen ehren."

Deshalb ist auch Wolfgang May hier. "Ich habe 1983 auf der anderen Seite gearbeitet, beim Bundesgrenzschutz - und wusste nicht, dass es hier einen Grenztoten gab!" Auch für ihn sei das Gedenken an diese Zeit sehr emotional.

Wenn auch nicht selbst betroffen, so empfindet doch auch die 14-jährige Nadine Roese diesen Gedenktag als bedeutend. "Wenn man sich mal vorstellt, was die alles durchgemacht haben müssen, nur um frei zu sein. Dabei hat doch jeder Mensch ein Recht auf Freiheit."

Gescheiterter Deutungsversuch

Ron Williams war 1961 als Soldat in Stuttgart stationiert, hatte da seine ersten Kontakte mit Deutschen. „Auch wenn es nach dem Zweiten Weltkrieg hieß ,Die Deutschen sind die Bösen‘ - ich wurde hier mit offenen Armen empfangen“, erzählt Williams. Im Jahr 1965 wirkte er in einem kabarettistischen Ensemble mit. In einem Sketch über den „17. Juni“ spielte er einen Amerikaner, der sich von einem Deutschen erklären lässt, warum der 17. Juni gefeiert wird. Der Deutsche aber erging sich in Phrasen und konnte dem interessierten Ami keine Antwort geben. „Genau das ist es, was ich verhindern möchte. Dass ein Land seiner Geschichte davon läuft und sich nicht mehr mit ihr beschäftigt“, so der 71-Jährige. Jetzt plant er ein Schauspiel mit Musik: „I Have a Dream – Die Martin Luther King Story“, in der er den Bürgerrechtler spielt. „King ist ein großes Vorbild für mich , er hatte eine wunderbare Vision.“

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