Gesundheitsamt will Überblick : Eichenschädling auf dem Vormarsch

Bei dieser Häufung fressen die Raupen des  Eichenprozessionsspinners reihenweise Bäume kahl. Die feinen Brennhaare können auch für Menschen gefährlich werden. Foto: dpa
Bei dieser Häufung fressen die Raupen des Eichenprozessionsspinners reihenweise Bäume kahl. Die feinen Brennhaare können auch für Menschen gefährlich werden. Foto: dpa

Der einzige Schutz vor dem Eichenprozessionsspinner besteht darin, sich von den Raupen und deren Nestern fern zu halten. Das sagt Dr. Ute Greitens vom Fachdienst Gesundheit im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

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12. Juni 2012, 10:32 Uhr

Sternberg | Der einzige Schutz vor dem Eichenprozessionsspinner besteht darin, sich von den Raupen und deren Nestern fern zu halten. Das sagt Dr. Ute Greitens vom Fachdienst Gesundheit im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Besonders die winzigen Brennhaare, die Widerhaken haben, können für den Menschen gefährlich werden, Hautreaktionen, Entzündungen von Augenbindehaut und Auge sowie in den oberen Luftwegen auslösen.

Haus- und Kinderärzte, Dermatologen, Augenärzte und Krankenhäuser im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurden angeschrieben, um solche Anzeichen, die der Forstschädling verursacht haben könnte, dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Um meldepflichtige Krankheiten wie etwa Borreliose-Infektionen durch Zeckenstiche handelt es sich aber keineswegs. "Es gibt auch gar keinen Grund zur Panik", beruhigt die Ärztin. "Wir wollen uns jedoch zum ersten Mal einen Gesamtüberblick verschaffen, welche Symptome auftreten und wo." Der Landkreis habe als erster in MV damit richtig Probleme. 2007 hätten die begonnen.

Das bestätigt Ingo Nadler, Leiter des Forstamtes Gädebehn. "Der Eichenprozessionsspinner tritt in unseren Wäldern noch nicht akut auf, dass wir von einer Gefährdung sprechen. Er ist aber im Raum Ludwigslust schon länger präsent und rutscht näher an Schwerin heran. Deshalb haben wir Probefänge gemacht, um die Verbreitung des Schädlings zu kennen." Dazu würden Fallen aufgestellt und die Schmetterlinge, die sich dort verfangen haben, ausgezählt. Im Bereich des Forstamtes Gädebehn bislang mit negativem Ergebnis. "Aber wir behalten ein Auge darauf und führen die Probefänge weiter.

Sobald mehr Schmetterlinge in den Fallen sind, werden wir reagieren", so Nadler.

Von Ärzten seien bereits erste Meldungen über Hauterscheinungen eingegangen, die sich in Zusammenhang mit dem Eichenschädling bringen ließen. "Unser Anliegen stößt auf Resonanz bei den Ärzten, sie nehmen das sehr ernst. Das ist gut so", sagt Dr. Ute Greitens. Eine Konzentration oder gar besondere Gefährdung in einer Region lasse sich daraus allerdings bisher nicht ableiten.

Der Schädling kommt in lichten Eichenwäldern, -alleen und an einzelnen Bäumen vor, demnach auch in Wohngebieten und Parks. Die Raupen schlüpfen Anfang Mai und häuten sich bis zur Verpuppung fünf bis sechs Mal, beschreibt das Gesundheitsamt die Entwicklung. Ab der dritten Häutung bilden die Raupen die gefähr lichen Brennhaare aus, die Nesselgift enthalten. Diese brechen leicht ab und werden vom Wind bis zu 100 Meter weit getragen. Die Tücke dabei: Die Brennhaare, ob im Unterholz oder Bodenbewuchs festgesetzt, behalten ihre giftige Wirkung über Jahre. Bei Kontakt kann es zu starkem Juckreiz, Papeln wie von Insektenstichen, Quaddeln, roten Flecken oder Entzündungen im Augenbereich kommen. Werden die Haare eingeatmet, sind Entzündungen im Rachenbereich, Schwellungen der Nasenschleimhaut, Bronchitis, mitunter auch asthmaartige Symptome oder gar allergische Schockreaktionen möglich. Als Allgemeinerscheinungen nennen die Mediziner Schwindelgefühl, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl.

Besonders groß ist das Risiko für Menschen, die häufig in befallenen Wäldern Erholung suchen, für Mitarbeiter von Forst- und Landschaftspflegebetrieben sowie Straßenmeistereien, aber auch für Anwohner nahe betroffener Waldgebiete, Kinder, die unter Eichen spielen, Besucher von Freizeitanlagen mit Eichen beständen, Gartenbesitzer mit Eichen und Abnehmer von Brennholz. In den genannten Gebieten empfiehlt sich, empfindliche Bereiche wie Nacken, Hals und Unterarme zu bedecken. Wer beim Spaziergang Raupen und deren Nester entdeckt, sollte einen Bogen darum machen und auf keinen Fall versuchen, sie zu entfernen. Das ist Sache von Fachleuten. Kommt jemand bei aller Vorsicht dennoch mit den Brennhaaren in Berührung, sollte umgehend die Kleidung gewechselt und geduscht werden samt Haarwäsche.

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