Bundesverdienstorden : Ehrung für einen „harten Knochen“

<p>Ministerpräsident Erwin  Sellering  (SPD, links verleiht Dr. Wolfgang Eckert den Bundesverdienstorden.</p>
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Ministerpräsident Erwin  Sellering  (SPD, links verleiht Dr. Wolfgang Eckert den Bundesverdienstorden.

Der langjährige Ärztefunktionär Dr. Wolfgang Eckert wurde gestern mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet

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13. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Warnung war durchaus ernst gemeint: Dieser Dr. Wolfgang Eckert sei ein „ganz schön harter Knochen“, erklärte der damalige AOK-Chef Friedrich Wilhelm Bluschke dem gerade neu ins Amt gekommenen Sozialminister Erwin Sellering (SPD). Der habe ihm später selbst davon erzählt, verrät der langjährige Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Land (KVMV). 

Gestern überreichte Sellering als Ministerpräsident das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an drei engagierte Landeskinder: Renate Holznagel, Dr. Johannes Werhahn – und Dr. Wolfgang Eckert. Bei Letzterem sollen damit die Verdienste um den Aufbau der KVMV und seine Bemühungen um die Patienten und Patientinnen sowie um die Ärzteschaft gewürdigt werden.

Dabei war der mittlerweile 72-jährige Eckert, der in Kessin bei Rostock zu Hause ist, als Ärztefunktionär gerade für die Politik oft kein bequemer Partner.  Selbstverwaltung, diesen Begriff hat der Hausarzt, der die KVMV  mit aufgebaut hat und ihr von 1997 bis 2014  vorstand, sehr  wörtlich genommen – was auch mit seiner Herkunft zu tun hatte. Schon als junger Mann in der DDR hatte er gegen staatlichen Dirigismus und Bevormundung  aufbegehrt. Weil er gegen den Mauerbau protestiert hatte, wurde er nicht zum Abitur zugelassen. In der Autoschlosser-Lehre, die er daraufhin begann, schloss Wolfgang Eckert sich  einer Gruppe an, die Flugblätter gegen den Staat herausgab. Wegen staatsgefährdender Propaganda landete er daraufhin für ein Jahr und vier Monate im Zuchthaus. Anschließend begann er als Hilfskrankenpfleger an der Rostocker Uni zu arbeiten, machte das Abi an der Abendschule nach und klagte schließlich  seinen Medizinstudienplatz ein. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums arbeitete Wolfgang Eckert in verschiedenen Positionen als angestellter Arzt, zuletzt bis zur Wende als Leiter der Rostocker Poliklinik.

„Wir hier im Osten  wussten es  nach der Wende zu schätzen, dass  wir die Dinge selbst in die Hand nehmen konnten und nicht mehr länger  verwaltet wurden“, sagt der Mediziner. Überhaupt sei ihm aufgefallen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen in den neuen Ländern sich sehr viel mehr als Gestalter und weniger als Verwalter gesehen hätten – im Gegensatz zu ihren Pendants in der alten Bundesrepublik. „Wir haben mit der Politik in den 90er-Jahren erhebliche Konflikte ausgefochten“, erinnert sich Eckert. So habe 1997  Sozialminister Hinrich Kuessner einmal  nachts um halb zwei damit gedroht, einen Staatskommissar zu schicken, wenn die Selbstverwaltung  der Ärzte seine  Arzneimittelvorgaben nicht umsetzen würde. Er habe ihn dann überzeugen können, das sein zu lassen, erzählt Eckert heute ganz gelassen. Früher allerdings ist er auch gern einmal laut geworden – legendär sind seine Wortgefechte mit dem einstigen Staatssekretär im Sozialministerium, Axel Azzola. Auch mit der heutigen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD)  habe er, als sie Sozialministerin  im Land war,  so manchen Strauß  ausgefochten, erinnert sich Eckert. „Sie hatte so  einen starken Hang zum Stationären.“ Er sei dann mit ihr durch die Praxen  gezogen, habe ihr gezeigt, was ambulantes Operieren bedeutet – das habe dann auch bei ihr  zum Umdenken geführt.

Die Etablierung der A- und B-Überweisungen, die heute als bundesweites Modell für die  Verringerung von Wartezeiten bei Facharzt-Überweisungen gelten, gehört  ebenso zu Eckerts Bilanz in der KVMV wie der Umstand, dass die Honorarumverteilung hier – bundesweit einmalig – immer noch in den Händen der Kassenärztlichen Vereinigung liegt. „Wir haben gesetzliche  Gestaltungsspielräume genutzt“, sagt Eckert rückblickend. 

Dabei  kam dem Ärztefunktionär zugute, dass er immer auch praktisch tätig  war: Die eigene  Hausarztpraxis gab er auch dann nicht auf, als der KV-Vorstand  2005 hauptamtlich wurde. Zwar durfte er dann nur noch an einem Tag in der Woche praktizieren, doch den nutzte er „als Praxistest für das, was wir in der  KV ,verbrochen‘ hatten“. Und überhaupt: „Wie die Stimmung am Praxistresen ist, weiß man nur, wenn man selbst dahinter steht“, meint Wolfgang Eckert. Erst 2014, mit dem Rückzug aus dem KV-Vorstand, gab er auch die Arbeit  in der Praxis auf. Heute ist er immer noch in der Gesundheitspolitik vernetzt, fährt zu Kongressen und Konferenzen „wozu man früher im Vorstand kaum Zeit hatte“. Aber er lasse das jetzt „langsam ausklingen“, sagt Wolfgang Eckert, schließlich werde er im September 73 Jahre alt.

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