Fritz-Reuter-Bühne : Een Breif von’n Nurdpol

Weihnachten mit Tolkien und mit Tina Landgraf, Christiane Möckel, Andreas Auer, Elfie Schrodt und Christoph Reiche
Weihnachten mit Tolkien und mit Tina Landgraf, Christiane Möckel, Andreas Auer, Elfie Schrodt und Christoph Reiche

Für ihr Weihnachtsprogramm hat die Fritz-Reuter-Bühne einen Schatz gehoben – die Briefe von J.R.R.Tolkien vom Nordpol

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02. Dezember 2014, 11:57 Uhr

Ulrike Stern hat einen Schatz gehoben. Die Dramaturgin der Fritz-Reuter-Bühne hat die „Briefe vom Weihnachtsmann“ des englischen Philologen und „Mittelerde“-Schöpfers John Ronald Reuel Tolkien wiederentdeckt. Jenseits der mythischen Welt um den „Herrn der Ringe“ hatte Tolkien von 1920 bis 1939 jedes Jahr einen mit eigenen Zeichnungen illustrierten Brief an seine Kinder geschrieben – Absender der Weihnachtsmann mit Postadresse Nordpol.

Mit viel Humor schildern diese Briefe den vier Tolkien-Kindern die Abenteuer des Weihnachtsmannes, dessen geordnete Nordpolarwelt dauernd von dem tapsigen Polarbären gestört und zuweilen gar ins Chaos gestürzt wird.

Nun, Ulrike Stern hat aus diesen Briefen neun herausgepickt, sie ins Niederdeutsche übertragen und sie ins Zentrum des Weihnachtsprogramms 2014 gestellt, das unter dem Titel „Wi hebben Post von’n Wiehnachtsmann“ Premiere im Schweriner Staatstheater hatte.

Fünf Akteure auf der Bühne, die Schauspieler Tina Landgraf, Elfie Schrodt, Andreas Auer und Christoph Reiche sowie die erstmals auch singende Pianistin Christiane Möckel hatten es übernommen, das Publikum an diesem ersten Advent vorweihnachtlich einzustimmen. Viele der winterlich-weihnachtlichen Lieder, die die einzelnen Lesungen einrahmten, erwiesen sich als „Eigengewächse“: Ulrike Stern und ihr Vorgänger im Dramaturgenamt Manfred Brümmer bestritten den Löwenanteil der Liedtexte – von „De olle Wiehnachtsmann“ und „Gah ik so dörch de Straaten“ bis zu „Dat wier ein Winter för lange Tied“ (Landgraf). Letzteres und „Himmel, du büst blag un schön“ ließen auf besinnliche Weise auch den christlichen Kern des Weihnachtsfestes aufscheinen.

Andreas Auer war die Aufgabe zugefallen, den Tolkien-Texten Stimme und Stimmung zu geben. Und er machte das ganz vorzüglich, man hörte es förmlich knallen und ballern, wenn zum Beispiel der Polarbär mit einem Haufen Geschenke die Treppe herunterpurzelt, der Nordpolturm abbricht, das große Feuerwerk losgeht oder der Nordsturm durchs Büro des Weihnachtsmannes braust. Auer macht aus jedem der Briefe eine kleine Szene für sich. Und wenn im Brief aus dem Jahr 1932 bösartige Kobolde den Nordpol unterhöhlen und die Geschenke klauen, schimmern wohl doch schon mal die Orks von Mittelerde durch. Eine gute Idee war es in jedem Fall auch, dass dem Publikum via Projektion auch die phantasievollen Zeichnungen aus den einzelnen Briefen zugänglich gemacht wurden.

Die Frage, ob Tolkien überhaupt auf Plattdeutsch geht, hatte sich so mancher Besucher, dem dieser Autor gar kein Begriff ist, wohl gar nicht erst gestellt. Aber sie hat sich mit „Wi hebben Post von’n Wiehnachtsmann“ von allein positiv beantwortet: Es geht! Selbst der ehemalige Oxford-Professor für germanische Philologie hätte wohl kaum Einwände. Eher wird er vom literarischen Olymp mit Interesse betrachtet haben, wie sich seine Texte im Niederdeutschen ausnehmen, immerhin in einer Sprache, die – wie das Englische auch – im Altsächsischen wurzelt. Da muss sein Philologenherz doch gelächelt haben...


Die nächsten Vorstellungen im Konzertfoyer: 7. 12 , 18 Uhr; 15., 18. und 22. 12. jeweils 19.30 Uhr




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