Dutzende Kadaver einfach verbuddelt

Kadaver von Kühen und Kälbern  wurden auf dem Hofgelände mit einem Bagger aus der Erde geholt.M.-G. Bölsche
1 von 3
Kadaver von Kühen und Kälbern wurden auf dem Hofgelände mit einem Bagger aus der Erde geholt.M.-G. Bölsche

von
13. Mai 2011, 06:05 Uhr

Damm Ausbau | Eine illegale Tierkörperbeseitigung großen Stils ist auf einem Bauernhof in Damm Ausbau aufgeflogen. Kadaver von rund 35 Kühen und Kälbern wurden dort in einer riesigen Grube verscharrt. Die genaue Zahl der Tiere kann aufgrund des Verwesungszustandes nicht mehr bestimmt werden.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt in diesem skandalösen Fall gegen die Betreiber des Bauernhofes. "Wir hatten schon länger einen Verdacht, konnten aufgrund fehlender Beweise zunächst nichts unternehmen", so Dr. Cornelia Brüggemann, Parchimer Amtstierärztin. Auch dem Dammer Bürgermeister Werner Grandt waren die Zustände auf dem Hof der niederländischen Familie B. schon lange nicht geheuer. Gemunkelt wurde im Dorf seit Jahren, dass hier womöglich tote Tiere illegal entsorgt wurden, um Kosten für die Abdeckerei zu sparen. "Aber Verdachtsmomente reichen eben nicht aus, damit eingegriffen werden kann", gibt der Bürgermeister zu bedenken.

Hinweis brachte Ermittlungen ins Laufen

Unvermittelt kam die Sache nun aber doch ins Rollen. Beim kreislichen Veterinäramt soll ein Hinweis eingegangen sein. Die Behörde hat daraufhin Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Schwerin eingereicht. Der Landkreis verhängte gestern eine Nachrichtensperre mit der Begründung: "Es handelt sich um ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Das Veterinär-und Lebensmittelüberwachungsamt ist in laufenden Strafverfahren zu Aussagen nicht berechtigt." Der Pressesprecher der zuständigen Staatsanwalt Stephan Hagemann bestätigt: "Auf Grund konkreter Verdachtsmomente wurde beim Amtsgericht Schwerin ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt und die Polizei eingeschaltet".

Beamte von Kriminal- und Schutzpolizei rückten in Damm Ausbau mit einem Bagger sowie einer Abdeckerfirma aus Malchin an. Nachdem der Kiesboden an einer vermuteten Stelle abgetragen worden war, wurden die Einsatzkräfte fündig. Über dem Hof breitete sich ein furchtbarer Gestank aus. Nach und nach kamen die Kadaver zum Vorschein. Sie wurden in einen bereitstehenden Container verladen.

Auf dem Gelände wurden auch Kälber in einem Stall gehalten. Sie sollen inzwischen aufgrund einer bevorstehenden Zwangsversteigerung von Amts wegen beschlagnahmt worden sein. Eines der Tiere war ebenfalls bereits verendet.

Gegen die Betreiber des Hofes ist ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Tierkörperbeseitigung und anderer Verstöße eingeleitet worden. Offen blieb zunächst die Frage, wie und warum die Tiere verendet sind. Auch eine Gefährdung des Grundwassers ist nicht auszuschließen. "Das wird noch umfangreich zu ermitteln sein", so Staatsanwalt Hagemann.

Im Dorf hat sich die Nachricht schnell herumgesprochen. Niemand kann verstehen, warum trotz der Verdachtsmomente lange Zeit nicht gehandelt wurde. Gefunden wurden auch Ohrmarken der Tiere, die doch eigentlich lückenlose Auskunft über den Verbleib geben sollen.

Der niederländische Betreiber des Hofes hat bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt. So hat es dort mehrfach gebrannt. Familienstreitigkeiten führten erst 2010 zu einem spektakulären Polizeieinsatz, bei dem sogar Schusswaffen zum Einsatz kamen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen