Schullandschaft MV : Durch Verbeamtung wettbewerbsfähig

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Generalsekretär der Kultusministerkonferenz: MV kann bei Lehrerwerbung mithalten

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24. Juni 2016, 21:00 Uhr

Udo Michallik ist seit fünf Jahren Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK) der 16 Bundesländer. Vorher war er Staatssekretär im Schweriner Bildungsministerium. Andreas Frost sprach mit ihm über Lehrermangel, Bildungsgefälle und Privatschulen.

Herr Michallik, viele Bundesländer suchen Lehrer. Muss unseres fürchten, dass die reicheren Bundesländer ihm Lehrer mit besseren Angeboten abspenstig macht?
Michallik: Es ist nicht mehr so wie 2009, als Baden-Württemberg versucht hat, im Nordosten offensiv um Lehrer zu werben. Alle Bundesländer kümmern sich neben der regulären Ausbildung des Lehrernachwuchses auch um Seiteneinsteiger oder die Reaktivierung pensionierter Kollegen. Entscheidend ist, was ein Land seinen Lehrerstudenten bietet. Dabei spielt die Verbeamtung mit die wichtigste Rolle. In dieser Hinsicht hat Mecklenburg-Vorpommern einen klaren Schritt gemacht, um mit den anderen Ländern mitzuhalten.

Der aktuelle Bildungsbericht der KMK diagnostiziert ein Bildungsgefälle zwischen Nord und Süd in Deutschland. Müssen die Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern weiterhin fürchten, dass sie nach einem Umzug eine Klasse wiederholen müssen oder ihre Abschlüsse anderenorts nicht so viel wert sind?
Die Bundesländer arbeiten daran, diese Lücken zu schließen. Man muss sehen, dass sie unterschiedliche Voraussetzungen haben. Bremen hat einen sehr viel höheren Anteil an Migranten als Mecklenburg-Vorpommern. Auch die KMK will die Schere weiter schließen. Es gibt bereits verschiedene Modelle für länderübergreifende Abiturprüfungen. Die Prüfung aber macht nur ein Drittel der Abi-Note aus. Ziel ist es, auch die Voraussetzungen für die anderen Noten anzugleichen, die in die Abi-Note einbezogen werden. Wie viele Fächer müssen belegt und wie viele am Ende auch angerechnet werden? Wie viele Fächer müssen auf erhöhtem Leistungsniveau absolviert werden? Wie viele Wochenstunden muss ein „Grundkurs“ haben?

Bundesweit sehr unterschiedlich wird mit dem Thema Computer an den Schulen umgegangen. Wann ändert sich das?
Die KMK arbeitet an einer Strategie „Bildung in der digitalen Welt“, die voraussichtlich Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Viele Computer in einer Schule bedeuten nicht, dass die Schule auch für die digitale Welt gerüstet ist. Inzwischen bringen viele Schüler zudem ihre Smartphones mit. Es geht also um die Fortbildung der Lehrer, um die Möglichkeiten, die sich bieten, richtig zu nutzen und auch die pädagogischen Grenzen zu erkennen. Es geht um den kritischen Blick, wie viel und was die Schüler und die Lehrer nutzen.

Kein anderes Bundesland hat so viele private Schulen wie Mecklenburg-Vorpommern. Woran liegt das?
Vor allem am demographischen Wandel. Als auf dem Land Grundschulen geschlossen wurden und Eltern trotzdem für ihre Kinder eine wohnortnahe Schule wollten, sprangen private Anbieter in diese Lücke. In anderen Bundesländern herrscht eher die Tendenz, dass Eltern mit dem Schulsystem an sich unzufrieden sind und ihre Kinder auf eine Privatschule schicken. Das sehe ich in Mecklenburg-Vorpommern nicht. Hier sind die Privatschulen eine sinnvolle Ergänzung des staatlichen Schulsystems.

Warum beklagen sich die Privatschulen dann über eine mangelnde Förderung?
Ich glaube nicht, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern benachteiligt werden.

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