Nährstoffe werden über Flüsse ins Meer geleitet : Düngen Gärtner Bäche und Ostsee?

Krautige  Wasserpflanzen in der Radegast gedeihen so prächtig, dass sie regelmäßig entfernt werden müssen. Vielleicht auch eine Folge des Düngens.
Krautige Wasserpflanzen in der Radegast gedeihen so prächtig, dass sie regelmäßig entfernt werden müssen. Vielleicht auch eine Folge des Düngens.

Gewässerschützer sehen einen Zusammenhang zwischen der Überdüngung privater Gärten, die sich in der Qualität des Grundwassers zeige, und dem sommerlichen Algenwachstum der Ostsee.

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08. Februar 2011, 07:39 Uhr

Nordwestmecklenburg | Gemüse aus dem eigenen Garten soll ja gesund sein. Sofern man selber nichts Derartiges benutzt, ist es frei von Pestiziden und anderen Chemikalien. Doch kaum ein Hobbygärtner verzichtet auf Dünger. Auch das wäre kein Problem, wenn sich jeder Gärtner an die Dosierungsvorschriften halten würde. Das scheint zumindest das Ergebnis einer Untersuchung des VSR-Gewässerschutz. Im vergangenen Sommer hatten die Umweltschützer im Raum Gadebusch Proben aus privaten Brunnen gesammelt und untersucht. Bei mehr als einem Drittel der Proben stellten sie eine Nitratbelastung fest, die oberhalb des von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzwertes für Trinkwasser von 50 Milligramm pro Liter lag. Ein Brunnen in Renzow wies sogar eine Konzentration von 131 Milligramm Nitrat pro Liter auf. Die Gewässerschützer sehen einen Zusammenhang zwischen der Überdüngung privater Gärten, die sich in der Qualität des Grundwassers zeige und dem sommerlichen Algenwachstum der Ostsee.

Matthias Wiegand, Bürgermeister der Gemeinde Schildetal, ist selber Landwirt und kennt die strengen Vorschriften für die Nutzung von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln. "Das gilt für private Haushalte leider nicht und es gibt keine Kontrollen", sagt er. Als Privatperson könne man einfach in den Baumarkt gehen und wenn der Liter Dünger am Jahresende leer ist, würde sich keiner drum kümmern, sagt Wiegand vereinfacht.

Auch Claudia Westphal vom Zweckverband Radegast würde sich eine bessere Kontrolle wünschen, wenn es um die Einleitungen von Nährstoffen in den Wasserkreislauf geht. Tatsächlich zur Trinkwasserentnahme gibt es im Gebiet des Zweckverbandes Radegast nur etwa zehn Brunnen. "Die Haushalte liegen weit ab vom Netz", sagt Westphal. "Aber diese Brunnen werden streng kontrolliert."

Das gilt für die vielen privaten Brunnen mit denen Gärten bewässert werden offenbar nicht. Sie müssen lediglich beim Landkreis gemeldet werden. Wer also sicher gehen will, im eigenen garten kein Gemüse mit Nitratbelastung zu züchten, sollte laut VSR-Gewässerschutz alle drei Jahre eine Bodenuntersuchung mit Düngeempfehlung vornehmen lassen. "Da auch viele Gemüsesorten durch eine zu hohe Stickstoffgabe zu viel Nitrat aufnehmen, ist eine angepasste Düngung wichtig, um gesunde Lebensmittel zu ernten", so Susanne Bareiß-Gülzow vom VSR-Gewässerschutz.

Auch der Rostocker Wissenschaftler Ronny Marquardt stellte im vergangenen Jahr fest, dass viele Nährstoffe aus dem Binnenland in die Ostsee eingetragen werden. Seine Forschung ergab, dass die Nährstoffbelastung deutlich höher ist, als vor 150 Jahren. Das habe zu einem deutlichen Rückgang der Wasserpflanzen in Küstengewässern geführt und die Algenbildung dort gefördert. Die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union schreibt vor, dass sich bis 2015 alle Gewässer in einem guten zustand befinden sollen. Dabei handelt es sich nicht um die Badewasserqualität, sondern um den allgemeinen Zustand des Gewässers.

Während Marquardt in Rostock den Einsatz von Armleuchteralgen zum Nährstoffabbau erforscht, rät der VSR-Gewässerschutz zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Grundwasser.


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