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„Ziemlich dämliche Aktion“ : Dümmster Bankräuber in MV verurteilt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

35-Jähriger erhält nach Überfall im eigenen Dorf Bewährungsstrafe. Der Richter sprach von einer „ziemlich dämlichen Aktion“.

svz.de von
erstellt am 28.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Bewährungsstrafe für einen Amateur: Das Amtsgericht Waren (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) hat den Bankräuber von Möllenhagen wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der 35-Jährige, der den dilettantischen Überfall vor Gericht gestand, erhielt gestern eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wurde. „Das war eine ziemlich dämliche Aktion“, erklärte Richter Michael Kasberg. Der Fall war innerhalb von 45 Minuten aufgeklärt gewesen.

Der Täter ist ein gelernter Verkäufer, der seit 2001 arbeitslos ist und mit Frau und zwei Kindern von Harz IV-Leistungen in dem Dorf lebt. Durch Altschulden aus Handy-Verträgen und eine seit Mitte 2013 aufgeflammte Spielleidenschaft hatte er mehrere Tausend Euro an Schulden angehäuft, erklärte er vor Gericht. Drei- bis viermal pro Woche habe er Automaten in der Orts-Tankstelle gespielt. „An Tankstellen wird wohl nur noch ab und zu mal getankt“, sinnierte der Richter.

Um aus der Misere rauszukommen, beschloss der Mann, einen Bankraub zu verüben. Am 25. September gegen Mittag war es so weit: Mit einem Kapuzenpullover maskiert und einer Spielzeugpistole überfiel der Amateurräuber seine Hausbank in dem kleinen Ort. „Ich erzählte vor der Tür noch mit Leuten und wartete, bis kein Kunde mehr drin war“, sagte er. Der Bankangestellte erschrak, ließ einen Teil der Scheine sogar fallen. Beim Aufheben konnte er aber auch die Knöpfe für Kamera und Alarm drücken. Mit 1600 Euro Beute flüchtete der Täter. Im Ort erkannten ihn aber gleich Anwohner und wiesen der Polizei den Weg zur Wohnung, so dass die Tat schon nach 45 Minuten aufgeklärt war. Der Ertappte gestand sofort und suchte das in Schränken verstaute Geld heraus.

Der damals bedrohte 26-jährige Angestellte leidet noch immer an den psychischen Folgen der Tat. Gericht und Staatsanwaltschaft stuften den Überfall aber trotzdem als „minderschweren Fall“ ein, weil die Tat spontan sowie die Beute gering war. Der Täter hatte in der Bank „nur“ 1000 Euro gefordert, was Richter Kasberg sichtlich in Erstaunen versetzte.

Zudem sei der Täter bisher strafrechtlich nie aufgefallen. Der Verurteilte, der auf eigenen Wunsch inzwischen eine Glücksspiel-Suchttherapie begonnen hat, muss zudem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite und verschärfte Meldeauflagen. Die Verteidigerin Petra Seimer akzeptierte mit ihrem Mandanten noch im Gerichtssaal das Urteil.

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