NDR-„Wahlarena“ : Duell mit Samthandschuhen

Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD, l) und der stellvertretende Regierungschef Lorenz Caffier (CDU), in Wismar
Die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD, l) und der stellvertretende Regierungschef Lorenz Caffier (CDU), in Wismar

Die Spitzenkandidaten Sellering und Caffier stellten sich Wählern in Wismar

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23. August 2016, 23:28 Uhr


Der Auftritt der beiden Spitzenkandidaten in der Wahlarena am Hafen von Wismar hat gemischte Gefühle hinterlassen. Eine Stunde lang haben Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und sein Herausforderer, Innenminister Lorenz Caffier (CDU), gestern Abend den 120 repräsentativ ausgewählten Gästen in der Markthalle vor laufenden Kameras Rede und Antwort gestanden.

„Das war schon interessant“, sagt ein Unternehmer aus Boltenhagen. Die Antworten von Sellering und Caffier allerdings haben ihn nicht zufriedengestellt. „Das war mir zu viel Einheitsbrei. Ich hatte klare Aussagen erwartet. Aber die beiden haben mehr oder weniger ihr Wahlprogramm wiederholt.“ Wirkliche unterschiedliche politische Auffassungen habe er nicht erkennen können. Ein klarer Sieger sei nicht auszumachen.

Kritik am Fernseh-Duell zur Landtagswahl zwischen Sellering und Caffier hatte es bereits im Vorfeld der Sendung von der führenden Oppositionspartei im Landtag gegeben. Der Spitzenkandidat der Linken, Helmut Holter, hätte in Wismar offenbar gerne selber mitgemischt. Er bemängelte, dass keine Kandidaten der anderen demokratischen Parteien zu dem Schlagabtausch eingeladen wurden. Für den Linken war die Entscheidung, nur Caffier und Sellering antreten zu lassen, ein Akt der Ausgrenzung.

Es stelle sich die Frage, ob der NDR in ausreichendem Maße seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht werde, hatte Holter moniert. Der NDR konterte: Zur „Wahlarena“ habe man nur den SPD- und CDU-Vertreter eingeladen, weil nach allen Umfragen einer von beiden als Ministerpräsident an der Spitze der künftigen Landesregierung stehen werde. Holter akzeptierte diese Begründung nicht. „Die Argumentation scheint mir an den Haaren herbeigezogen“, schoss er zurück. Mit Chancengleichheit habe dies nichts zu tun. Die Wähler sollten Gelegenheit haben, sich gerade auch mit den Argumenten und Alternativen der demokratischen Parteien auseinanderzusetzen, die zurzeit nicht in Regierungsverantwortung stehen, argumentierte der Oppositionsführer im Schweriner Landtag.

In Wismar standen zwei Vertreter der amtierenden Koalition hinter den Stehpulten aus Plexiglas. Ein echtes Duell hatten viele Besucher ohnehin nicht erwartet. „Angriffe wird es nicht geben. Die beiden müssen nach der Wahl wahrscheinlich wieder zusammenarbeiten“, war sich Tino Höfert aus Greifswald bereits vor dem 60-minütigem Schlagabtausch sicher.

Für die Würze im Rededuell sorgten vor allem die Zuschauer mit teilweise kritischen Fragen. „Welche Fehler haben sie gemacht, dass es die AfD soweit geschafft hat“, wollte ein Gast aus Parchim wissen. Die AfD fische deutlich am Rand und habe vor allem von der Flüchtlingsdebatte profitiert, antwortete Erwin Sellering. „Sie konzentriert sich ausschließlich auf Bundesthemen“, ergänzte Caffier. Selbstkritik Fehlanzeige.

Die Antworten fand der Mann aus Parchim dann auch nur „so lala“. Ein anderer Fragesteller quittierte die Antworten der Politiker, indem er resigniert abwinkte.

Vielleicht waren die Erwartungen an die Wahlarena mit begrenzter Redezeit und abschließenden Statement von 45 Sekunden auch einfach zu groß. Die wichtigsten Themen wie Flüchtlingsdebatte, Wirtschaftsentwicklung und Bildung wurden zwar angesprochen, „aber das war keine ehrliche Diskussion. Sellering und Caffier waren sich häufig zu einig“, fand eine Besucherin.

Udo Roll

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