Wahlkampf in MV : Duell der Rechtsausleger: NPD gegen AfD

Neuer Kurs der NPD
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Neuer Kurs der NPD

Rechtsextreme mit neuer Strategie gegen eine übermächtige Konkurrenz

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09. August 2016, 21:00 Uhr

Die rechtsextreme NPD und die rechtspopulistische AfD – zwei Schwesterparteien im Geiste? Der AfD-Landesvorsitzende Leif-Erik Holm bestreitet dies vehement. Und auch die NPD geht nach verschiedenen missglückten Anbiederungsversuchen auf Konfrontationskurs zur AfD. Offenbar haben die Kameraden um Landtagsfraktionschef Udo Pastörs inzwischen gemerkt, dass ihnen der Höhenflug der Alternative mehr schaden als nützen kann, wenn am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern gewählt wird.

„Spießer wählen AfD – Echte Kerle NPD!“ Ein Plakat mit dieser Wahlwerbung postet der NPD-Kreisverband Westmecklenburg, dem auch Landeschef Stefan Köster angehört, auf seiner Facebook-Seite. Daneben ätzt die NPD-Jugendorganisation: „Wenn jedoch ehemalige Systemlinge wie Alexander Gauland oder Leif-Erik Holm auf Stimmenfang gehen und somit die Schlagkraft der volkstreuen Bewegung schwächen, ist es Zeit, Stellung zu beziehen.“ Die AfD sei „vom BRD-System initiiert“, Nato-freundlich, multikulturell und liberal-kapitalistisch, heißt es weiter. An anderer Stelle zeigt die NPD ein offenbar gestelltes Foto, auf dem eine Frau in schwarzer Burka ein AfD-Plakat aufhängt.

Vor Wochen sah die Welt am rechten Rand noch anders aus. Die NPD biederte sich mit ihrem Verzicht auf eigene Direktkandidaten an. „So können wir der AfD zu mehr Direktmandaten verhelfen“, hatte dazu der frühere NPD-Chef Udo Voigt erklärt, der als Europa-Abgeordneter ein Büro in Wismar hat. Erststimme AfD, Zweitstimme NPD – das war die Idee, mit der die Rechtsextremen vom momentanen Aufstieg der AfD partizipieren wollten. Doch die Strategie ging schon bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht auf. Die Rechtsextremisten bekamen mit ihrer Landesliste nur 1,9 Prozent. Im Gegenzug fuhr die AfD mit 24,2 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis ein und holte zudem 15 Direktmandate.

Ein Kurswechsel schien also dringend geboten. Der Schweriner Landtag ist das letzte Landesparlament, in dem die Rechtsextremen noch vertreten sind. Fällt am 4. September die Bastion, gehen der NPD nicht nur jährlich fast 1,5 Millionen Euro an Fraktionsgeldern durch die Lappen, sie wandert weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit. Die letzte Wahlumfrage unserer Zeitung sieht die NPD bei vier Prozent. Das reicht nicht für die Fünf-Prozent-Hürde, doch abgeschlagen ist die Partei damit keineswegs.

Die AfD liegt laut Prognose bei 19 Prozent und braucht die NPD nicht. Im Gegenteil, zu viel Nähe zu den braunen Kameraden könnte Protestwähler aus anderen politischen Lagern abschrecken und Stimmen kosten. Auch wenn sich einige Parolen beider Parteien ähneln und in Kreistagen auch schon gemeinsam mit der NPD gestimmt wurde, hält die AfD deshalb Abstand. „Wir wollen keinen Nationalismus. Wir sind bürgerliche Patrioten“, feilt der Landesvorsitzende Holm bei jeder sich bietenden Gelegenheit am Image seiner Partei.

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