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Zwischen den Stühlen : Druck auf 27 Callcenter-Mitarbeiter

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Die Diskussionen über die Schließung der Arvato Service Schwerin GmbH Ende Februar 2013 verunsichert die noch verbliebenen 27 Callcenter-Mitarbeiter. Es drohen entweder eine betriebsbedingte Kündigung oder Lohnsenkung.

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2012 | 07:32 Uhr

Schwerin | Die anhaltenden Diskussionen über die Schließung der Arvato Service Schwerin GmbH Ende Februar 2013 verunsichert die noch verbliebenen 27 Callcenter-Mitarbeiter. Während die Callcenter-Gewerkschaft um die Jobs bangt, arbeitet die Bertelsmann-Tochter "trotz intensiver Anstrengungen des Managements mit Verlust", teilt Unternehmenssprecher Gernot Wolf mit. Unterdessen sitzen die betroffenen Callcenter-Mitarbeiter zwischen den Stühlen.

Zum einen droht ihnen die betriebsbedingte Kündigung, wie Werner Gutknecht, Regionalvorsitzender Nord der Gewerkschaft, erklärt. Zum anderen müssen sie im Falle einer Weiterbeschäftigung mit einer Lohnsenkung rechnen. "Zurzeit bekommen einige ein Bruttojahresgehalt jenseits der 35 000-Euro-Marke", sagt Wolf. Das Unternehmen peile seit Jahren Löhne zwischen 25 000 und 29 000 Euro an. Unter dem Strich sei aber noch alles offen - auch die endgültige Schließung. "Arbeitnehmervertreter und Arbeitgeberseite treten in den kommenden Wochen in Verhandlungen", sagt er.

Die Aussicht für die Mitarbeiter schätzt Gutknecht allerdings gering ein. Seinen Angaben nach bemüht sich Arvato bereits seit Jahren, die Mitarbeiter "gefügig" zu machen. Rückblick: Im Jahr 2008 hatte Bertelsmann das Callcenter von der Telekom gekauft und die zu diesem Zeitpunkt etwa 100 Mitarbeiter übernommen. "Die Löhne lagen bei mehr als 30 000 Euro pro Jahr und deutlich über denen, die Arvato im Schnitt zahlt", so Gutknecht. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen angekündigt, die Gehälter langfristig senken zu müssen, wie Wolf sagt. Die Beschäftigten wurden laut Gewerkschaft ziemlich bald angehalten, neue Arbeitsverträge mit geringerem Einkommen zu unterschreiben. Vor etwa einem Jahr wurde dann ein zweites Unternehmen, die Arvato Direct Services Schwerin GmbH, gegründet. "Viele Mitarbeiter gaben dem Druck nach und wechselten zu für sie ungünstigeren Konditionen in das neue Callcenter", sagt der Regionalvorsitzende. Die heute übrigen 27 Mitarbeiter des älteren Unternehmens in den Schweriner Höfen können ihren ehemaligen Kollegen in der gegenüberliegenden Marienplatz-Galerie quasi ins Fenster gucken. Mittlerweile telefonieren dort 330 Angestellte. Während das ältere Unternehmen aufgrund "zu hoher Kostenstrukturen" mit "erheblichen Verlusten" arbeite, sei das neue Callcenter von der Schließung "nicht betroffen", teilt die Arvato AG mit. Die 27 Mitarbeiter hoffen nun auf Hilfe der Gewerkschaft. Diese wiederum kämpft seit Längerem für einen bundesweiten Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde. Vor allem die etwa 16 000 in MV angestellten Callcenter-Mitarbeiter verdienen laut Gewerkschaft im Schnitt deutlich weniger. "Stundenlöhne von sechs Euro sind keine Seltenheit", schätzt Gutknecht. In den alten Bundesländern würden auch 16 Euro gezahlt.

Bereits vor zwei Jahren soll Arvato im Zuge einer Betriebsübernahme in Stralsund ehemalige Telekom-Mitarbeiter vor die Entscheidung gestellt haben, einen schlechter bezahlten Vertrag zu unterschreiben oder zu gehen.

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