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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 10:34 Uhr

Drohung an Komatrinker

vom

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2013 | 06:40 Uhr

Schwerin | Betrunkene Kinder könnten Eltern demnächst 100 Euro Strafe kosten. Dieser Vorschlag aus der CDU-Bundestagsfraktion hat gestern Krankenkassen und Suchthilfeeinrichtungen aufgeschreckt. Sie stehen dem Vorstoß der Union überwiegend ablehnend gegenüber. Die Behandlung von betrunkenen Kinder und Jugendlichen kostet nach Auskunft von Krankenhäuser rund 780 Euro pro Fall. Daran sollten die Eltern der Betroffenen mit einem Betrag von 100 Euro beteiligt werden, wie Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfrakion im Bundestag, fordert. "Um sie an ihre Verantwortung zu erinnern", argumentiert er und verweist auf Zahlen aus dem Jahr 2011: Nach Alkholmissbrauch waren 26 349 Mädchen und Jungen zwischen 10 und 19 Jahren stationär behandelt worden, 354 mehr als 2010.

In Mecklenburg-Vorpommern hingegen nehmen die Zahlen im Vergleichszeitraum ab, wie die Deutsche Angestellen Krankenkasse (DAK) erklärte. "Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes kamen 2011 insgesamt 286 Jugendliche nach Alkoholmissbrauch in eine Klinik", teilte die Kasse mit. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Betroffenen damit um 27,5 Prozent zurückgegangen. Dennoch bleiben Alkoholexzesse unter Heranwachsenden ein Problem. Erst in der vergangenen Woche wurden zwei Extremfälle bekannt. In Teterow (Landkreis Rostock) kamen zwei 13-jährige Jungen mit Verdacht auf eine Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Sie hatten 1,16 und 1,23 Promille Alkholl im Blut. In Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) ermittelt die Polizei derzeit gegen einen 18-Jährigen und seinen Vater wegen Körperverletzung und Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. Auf der Geburtstagsparty des Sohnes war den minderjährigen Gästen hochprozentiger Alkohol verabreicht worden. Nachdem eine Mutter ihren 12-jährigen Sohn von der Feier abgeholt hatte, brachte sie ihn auf direktem Weg nach Wismar ins Krankenhaus. Polizisten stellten einen Atemalkoholwert von 0,7 Promille bei dem Jungen fest.

Der 100-Euro-Vorschlag der CDU wäre vom Sozialgesetzbuch zwar gedeckt, wonach Krankenkassen ihre Versichten zur Mitfinanzierung einer Behandlung, die durch Vorsatz notwendig wurden, heranziehen können. Doch warnen die Kassen, Ärzten die Rolle des Hilfssheriffs aufzuhalsen. Suchtexperten bezweifeln, dass eine solche Maßnahme das Übel zurückdrängen könnte.

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