Drohne im Ackeranflug

Hightech auf dem Feld: Landwirt Wilfried Littmann zeigt auf einem Touchscreen, dem Herzstück einer selbstfahrenden Pflanzenspritze (hinten), auf ein per GPS vermessenes Feld. Mit der Computertechnik lassen sich die Düngerkosten deutlich senken. ddp
Hightech auf dem Feld: Landwirt Wilfried Littmann zeigt auf einem Touchscreen, dem Herzstück einer selbstfahrenden Pflanzenspritze (hinten), auf ein per GPS vermessenes Feld. Mit der Computertechnik lassen sich die Düngerkosten deutlich senken. ddp

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22. März 2010, 08:03 Uhr

Anklam | Die wärmende Märzsonne ruft die Landwirte auf den Plan. Sie bringen in diesen Tagen Dünger und Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern aus. Bei der Neetzower Agrarhof Peenetal GmbH im Landkreis Ostvorpommern kommt dabei eine Technologie zum Einsatz, die Geschäftsführer Wilfried Littmann zusammen mit einem Rostocker Software-Unternehmen entwickelte: die punktgenaue Düngung dank Bordcomputer.

"Bevor die Maschine übers Feld geschickt wird, wird der Bordcomputer mit den Daten des Feldes gefüttert", sagt der 52-jährige Landwirt. Darin enthalten seien zum Beispiel Angaben zu wasserführenden Söllen, zu denen beim Düngen ein Abstand von bis zu drei Metern eingehalten werden müsse. "Die Spritze schaltet bei Erreichen der Sölle automatisch ab, so dass Dünger nur im gesetzlich zulässigen Abstand verspritzt wird", erläutert Littmann. Seit 1998 experimentiert Littmann mit der auf dem satellitengestützten Navigationssystem GPS basierenden so genannten Teilschlagbewirtschaftung. Durch dieses Verfahren wird auf dem Ackerschlag nicht mehr eine pauschale Menge von teurem Dünger oder Pflanzenschutzmitteln ausgebracht, sondern nur so viel wie nötig. Das spart Kosten, und es schont die Umwelt.

"Auf ein und demselben Schlag gibt es Flächen, wo mal weniger, mal mehr Pflanzen wachsen können. Die Düngermenge muss entsprechend diesem tatsächlichen Bedarf gestreut werden", sagt Littmann. Denn alles, was von der Pflanze nicht verwertet werde, sickere irgendwann ins Grundwasser, von da in die Peene und gelange dann in die Ostsee.

Littmann rechnete für 2009 aus, dass auf den Feldern des Neetzower Agrarhofes je Hektar sieben Kilogramm mehr Dünger ausgebracht wurden, als die Pflanzen gemessen am Ernteertrag wirklich brauchten. Laut Untersuchungen der Uni Rostock liegt diese Zahl im Landesdurchschnitt bei 104 Kilogramm. Landwirte wie Littmann lassen Umweltminister Till Backhaus (SPD) hoffen, dass das umweltpolitische Ziel der Landesregierung von landesweit durchschnittlich 50 bis 60 Kilogramm mehr Dünger als nötig je Hektar bis 2015 erreicht werden könnte.

Littmann bekennt, dass ökonomische Gesichtspunkte für ihn der Anlass waren, in die innovative Düngetechnik zu investieren. In den vergangenen zehn Jahren gab er mehr als eine halbe Million Euro dafür aus. Mithilfe der computergestützten Feldbewirtschaftung habe er zugleich allein 2009 rund 100 000 Euro an Ausgaben für Dünger und Pflanzenschutzmittel gespart.

Für seine Vorreiterrolle wurde Littmann im November 2009 vom Bundeslandwirtschaftsministerium für den erstmals ausgetragenen Wettbewerb "Baltic Farmer of the Year" nominiert. Die Umweltschutzorganisation WWF hatte alle Ostseeanrainerländer eingeladen, sich mit Beiträgen zur Verringerung des Nährstoffeintrags in das Meer um den Titel zu bewerben. Sieger wurden zwei Öko-Bauern aus Finnland.

Doch: Man müsse nicht unbedingt ökologisch wirtschaften, um umweltbewusst zu handeln. Auch die "normale" Landwirtschaft habe ihre Möglichkeiten, meint Littmann. Aufgrund der Genauigkeit der Technik manchmal sogar bessere.

Hätte Littmann den mit 10 000 Euro dotierten Wettbewerbspreis gewonnen, wäre das Geld zusätzlich in den Bau eines unbemannten Kleinflugzeugs investiert worden. Der Agrarhof hat die Bundeswehr-Uni München mit der Entwicklung einer so genannten Drohne beauftragt, die beim Überflug noch genauere Daten für die Feldarbeit liefern soll. Ende April soll der Prototyp an der Peene erstmals zum Einsatz kommen.

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