Bericht des LKA : Drogenkriminalität auf Höchststand

Plakataktion gegen illegale Drogen und Alkoholmissbrauch: LKA-Pressesprecherin Dr. Anna Herrmann (l.) und Dezernatsleiterin Dr. Xenia Schmidt-Esse zeigen Kalenderposter, die für Schulen entworfen wurden.
Plakataktion gegen illegale Drogen und Alkoholmissbrauch: LKA-Pressesprecherin Dr. Anna Herrmann (l.) und Dezernatsleiterin Dr. Xenia Schmidt-Esse zeigen Kalenderposter, die für Schulen entworfen wurden.

Fast 6000 Fälle und fünf Tote im vergangenen Jahr. Die Möglichkeit der Beschaffung über das Internet senkt die Hemmschwelle.

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04. Juli 2018, 20:45 Uhr

Die Drogenkriminalität hat in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Höchststand erreicht. 5973 Delikte wurden im vergangenen Jahr landesweit registriert – die höchste Zahl seit dem Jahr 2000. Wie aus dem Lagebericht „Rauschgiftkriminalität“, der gestern im Landeskriminalamt (LKA) vorgestellt wurde, weiter hervorgeht, stieg die Zahl der Drogendelikte 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent.

Die Gründe für den Anstieg seien vielfältig, hieß es im LKA. „Das Internet macht die Beschaffung von illegalen Betäubungsmitteln zunehmend einfacher und senkt die Hemmschwelle bei Neukonsumenten“, sagte Michael Simoni, zuständiger Dezernatsleiter im LKA. Außerdem würden Polizisten bei Verkehrskontrollen noch genauer als in der Vergangenheit auf möglichen Drogeneinfluss achten.

Die Folgen des Rauschgiftkonsums sind verheerend: Fünf Tote gab es im vergangenen Jahr im Alter zwischen 19 und 44 Jahren. Zwei von ihnen starben am Missbrauch des Schmerzmittels Fentanyl, „das in der Szene zunehmend als Heroinersatz gehandelt wird“, wie Drogenexperte Simoni erklärte. Ein weiteres Opfer starb in Schwerin an einer Überdosis Kokain. In einem anderen Fall war die Todesursache eine Mischung verschiedener synthetischer Drogen. Außerdem verunglückte ein Autofahrer, der unter dem Einfluss von Amfetaminen und Marihuana stand, bei einem Verkehrsunfall tödlich.

Fentanyl in MV besonders beliebt

Im Gegensatz zu deutschen Großstädten spielt die harte Droge Heroin in Mecklenburg-Vorpommern keine Rolle. „Dagegen ist nach wie vor ein erhöhter Missbrauch des Opioids Fentanyl zu verzeichnen“, sagte Simoni. In einigen US-Bundesstaaten sterben mittlerweile mehr Menschen an Fentanyl als im Straßenverkehr.

Die gefährliche Modedroge Chrystal Meth ist nach Angaben des LKA seit 2013 nicht mehr in Mecklenburg-Vorpommern aufgetaucht. Dieses synthetische Rauschmittel, das auch in illegalen Laboren in Tschechien hergestellt wird, ist vor allem in Bayern und Sachsen ein Problem.

Im vergangenen Jahr ermittelte die Polizei 5037 Tatverdächtige im Bereich der Rauschgiftkriminalität. 830 von ihnen waren jünger als 18 Jahre und 69 sogar jünger als 14 Jahre. Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen war mit Cannabisprodukten erwischt worden. Der Anteil der Beschuldigten ohne deutschen Pass betrug 7,9 Prozent.

Einen Rückgang beobachtet die Polizei beim Cannabisanbau. 21 Plantagen wurden 2017 entdeckt. „Der Aufwand ist enorm und das Entdeckungsrisiko hoch“, meinte der LKA-Drogenexperte. Der Schmuggel über die holländische Grenze könnte für Dealer da lukrativer sein.

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