Prozess in Schwerin : Drogenhandel mit „Arbeitshandy“

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Dealer-Trio aus Grabow ging professionell vor. Fast sechs Jahre Haft für Bandenkopf

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14. September 2017, 21:00 Uhr

Offenbar wähnten sich etwa zehn Männer und Frauen aus der Gegend um Ludwigslust in Sicherheit, als sie sich an einem Aprilabend 2015 zum Elde-Hafen in Grabow aufmachten. Dort kaufte einer nach dem anderen von einem inzwischen 30-jährigen arbeitslosen Maler eine Packung voll Marihuana. Einige rauchten die Droge selbst, andere verkauften sie in kleinen Portionen weiter. Allerdings war die Polizei im Hintergrund mit versteckten Kameras und Mikrofonen „live dabei“, wie der zuständige Staatsanwalt berichtete. Zehn weitere Wochen observierten die Ermittler den Maler und zwei Komplizen, dann griffen sie ein.

Den Kopf im Hintergrund des Trios, einen 26-jährigen Industriearbeiter, traf es gestern vor dem Landgericht Schwerin besonders hart. Er soll wegen illegalen Drogenhandels in 30 Fällen für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Außerdem soll er eine halbe Million Euro an die Staatskasse zahlen. So viel illegales Geld hat er nach Schätzung der Ermittler von den Zwischenhändlern zwischen 2012 und 2015 abkassiert. Laut Gesetz ist es neuerdings egal, dass er selbst mutmaßlich etwa 250 000 Euro an seine Lieferanten zahlte, bei denen er 30-mal in Hamburg die Drogen einkaufte – und die er nicht verriet.

„Wir ruinieren Sie wirtschaftlich“, stellte der Vorsitzende Richter nüchtern fest.

Abwechselnd spannte der 26-jährige den Maler und einen 30-jährigen Kumpel für den Weiterverkauf der Drogen ein. In wenigen Fällen agierten sie jedoch zu dritt. Diese Vorgänge wurden vom Gericht als Taten einer Bande bewertet, was das Strafmaß in die Höhe trieb. Der vorbestrafte Kumpel wurde zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Maler bekam zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung aufgebrummt. Anders als seine Komplizen hatte er gleich nach seiner Festnahme ausgepackt.

Die drei gingen durchaus professionell vor. Sie hatten ein „Arbeitshandy“, dass sie nur für die Drogen-Deals nutzten. Mit den kleinen Straßendealern kommunizierten sie konspirativ. Wer per SMS ein Ausrufungszeichen an das Handy schickte, wollte 100 Gramm Marihuana bestellen. Häufig konnte die Ware beim Maler in einem Kleingarten abgeholt werden. Er gehörte dem Großvater des Dealers.

Die drei Angeklagten waren nicht zimperlich. Eine Fünf-Kilo-Lieferung versteckte der Maler in einem Erdbunker im Wald. Dort wurde sie von der Polizei entdeckt und mitgenommen.

Das Trio verdächtigte indes einen angeblichen konkurrierenden Dealer, die Drogen gestohlen zu haben, und verprügelte den nichtsahnenden Mann.

Auch die zehn Männer und Frauen, die im April 2015 in Grabow bei dem Trio Drogen kauften, kamen nicht ungeschoren davon. Mehrere wurden längst zu mehreren Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Ein Zwischenhändler indes bekam drei Jahre Haft.

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