Drogendealer mit später Einsicht

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22. Mai 2013, 07:37 Uhr

Schwerin | Am Ende wirkten die drei Drogendealer auf der Anklagebank fast erleichtert. Das Landgericht Schwerin verurteilte die Männer im Alter von 38, 39 und 50 Jahren gestern zu mehrjährigen Haftstrafen. Die blieben in dem Rahmen, der zuvor ausgehandelt worden war. Sieben Jahre für den 39-jährigen gebürtigen Rostocker, laut Urteil der "Organisator" des kriminellen Geschäfts. Fünf Jahre und elf Monate für einen Mann, der einst in Malchin zur Welt kam. Die beiden Männer sollen allein durch den Verkauf von Kokain und Marihuana fast 250 000 Euro Gewinn gemacht haben. Fünf Jahre und acht Monate schließlich für einen Demminer (50), der die Drogen in Vorpommern verkaufte. Alle drei haben Geständnisse abgelegt, die das Gericht für glaubhaft hält. Der schwerwiegende Vorwurf, als Bande gehandelt zu haben, wurde fallengelassen. Mehr als 20 Fälle des illegalen Rauschmittel-Handels blieben übrig. Für die beiden Jüngeren schlägt auch der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu Buche. Die Polizei hatte 2012 bei einer Durchsuchung in einem Gartenhaus in Krassow bei Wismar 13 Schusswaffen gefunden, darunter Maschinenpistolen und ein Sturmgewehr.

Zwei Monate zuvor, im Februar, gab es eine Großrazzia mit 250 Beamten. Damals gingen die drei Männer der Staatsanwaltschaft ins Netz - und mit ihnen größere Mengen Rauschgift, 210 000 Euro Bargeld und fünf teure Autos. Ganz am Anfang wiederum standen die Aussagen eines Angeklagten in einem anderen Schweriner Drogenprozess. Der Mann hatte sich Strafmilderung verschafft, indem er als eine Art Kronzeuge die Beamten auf die Spur des Trios führte. Das wurde daraufhin monatelang observiert und schließlich bei der Razzia festgenommen. Seitdem sitzen die drei in Untersuchungshaft. Zu dem Geständnis haben sie sich laut Gericht "in einer schweren Geburt" durchgerungen. Dabei haben sie vor allem ihre eigene Tatbeteiligung gestanden, aber auch den Mitarbeiter einer Hamburger Behörde als Waffenlieferanten benannt. Die "Quelle" ihrer Drogen haben sie laut Gericht jedoch nicht preisgegeben.

Alle drei sind nicht oder kaum vorbestraft. Familienväter, Geschäftsleute, die sich eigenen Angaben nach heute kaum noch erklären können, wieso sie sich auf das kriminelle Geschäft eingelassen haben. "Ich bin froh, dass alles rauskam und freue mich auf meine Zukunft mit meiner Familie", sagte der 39-Jährige im letzten Wort, das jedem Angeklagten zusteht. Und sein 38-jähriger Komplize gab an, er habe erst im Gefängnis begriffen, welche Auswirkungen Drogen haben und dass er sich zum Teil eines kriminellen Systems gemacht hatte. Er selbst habe nie Drogen genommen. Die schlimmste Strafe wäre für ihn, sagte er mit Tränen in den Augen, später seine Tochter als "Teil" jenes Systems wiederzufinden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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