Aus unserer Region : Drogen: Immer und überall

Erschreckend viele Jugendliche unserer Region machen schon früh ihre  Erfahrungen mit  Alkohol. Dass aber Mädchen und Jungen so um die 14 Jahre  auch in Sachen Drogen  zumindest mitreden können, ist in der Brisanz neu.
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Erschreckend viele Jugendliche unserer Region machen schon früh ihre Erfahrungen mit Alkohol. Dass aber Mädchen und Jungen so um die 14 Jahre auch in Sachen Drogen zumindest mitreden können, ist in der Brisanz neu.

Es ist auch bei uns verführerisch leicht, an Drogen zu kommen / Gedealt wird nicht nur auf öffentlichen Plätzen

svz.de von
08. Juli 2014, 21:08 Uhr

Dass die Jugendlichen unserer Region schon früh ihre Erfahrungen mit dem Thema Alkohol machen, überrascht sicher niemanden mehr. Dass aber Mädchen und Jungen so um die 14 Jahre auch in Sachen Drogen zumindest mitreden können, ist in der Brisanz neu. Unsere Mitarbeiterin Meike Behm hat sich unter Mitschülern und Freunden umgehört und kommt zu einem ziemlich erschreckenden Bild: Drogen sind auch bei uns immer und überall in allen Varianten verfügbar, sie sind vergleichsweise billig und nicht wenige Mädchen und Jungen haben schon zugegriffen. (Alle Aussagen in dem Beitrag beziehen sich ausdrücklich nicht auf eine Stadt oder Schule. Sie beruhen aber auf realen Aussagen von Schülern, die der Redaktion namentlich bekannt sind.)

Nahezu jeder in meinem Alter (ich bin 15) hat heutzutage schon mindestens einmal an einer Zigarette gezogen, und alle haben bereits ein paar Mal Alkohol probiert. Dabei sind auch Mädchen und Jungen ab 12 Jahren gemeint.  „Das ist normal“, denken viele sich, „in dem Alter muss man sich eben ausprobieren.“ Doch wer von den Erwachsenen weiß, dass schon mehr als die Hälfte aller 16-Jährigen an einem Joint gezogen oder eine Nase Speed geschnupft hat?

Wovor viele Erwachsene die Augen verschließen, ist, dass jeder, egal welchen Alters, mit den richtigen Kontakten und ausreichend Geld an alle möglichen Drogen heran kommen kann. Hier bei uns, in jeder kleinen Stadt, in jedem Dorf, unauffällig und ohne Risiko. Das ist die Realität. „Mit 20 Euro in der Tasche und ein bisschen Unauffälligkeit bekommt man bei dem richtigen Dealer jeweils zwei Gramm Speed, vier Gramm Gras oder ein Gramm LSD. Ein Gramm gutes Koks bekommt man bereits für 70 bis 90 Euro, ein Gramm Heroin ist für 20 bis 50 Euro drin“ , berichtet z. B. ein 16-jähriges Mädchen aus der Nähe von Wittenburg. Bedenkt man, dass die Konsum-Menge für eine Portion von beispielsweise Kokain 50 mg oder von Speed circa 30 mg beträgt, dann kann man sich denken, dass die Preise für einen Schüler mit regelmäßigem Taschengeld keine wirkliche Schwierigkeit darstellen. Es ist verführerisch leicht, an Rauschmittel zu gelangen. So leicht, dass viele der Versuchung mitunter nicht widerstehen können.

Und warum? Bei einigen ist es vermutlich ein gewisses Dazu-Gehören, denn wer heutzutage Drogen nimmt, ist kein Außenseiter mehr. Der „Konsument“ steckt vielmehr in einer Art Szene, hat viele Kontakte und ist anerkannt, weil er sich traut. Etliche glauben, dass man sich mit Drogen von der Masse abheben kann. Diejenigen, die „Sachen“ genommen haben, berichten: „Es ist aufregend, das Leben ganz anders zu erleben. Es ist spannend, zu spüren, wie man ganz langsam die Kontrolle verliert.“ Von den Gefahren der Sucht berichten sie jedoch nichts. Nicht wenige wollen mit der Flucht in den Rausch Probleme lösen, fast alle wollen damit aber auch „cool“ wirken.

Die meisten Jugendlichen bei uns haben ihren ersten Kontakt mit Drogen bereits im Alter von zehn bis 14 Jahren. So erzählen jedenfalls alle, offen zugeben würde das natürlich niemand. Der erste Zug an einer Zigarette, nachdem einem ziemlich schlecht geworden ist und der Hals gekratzt hat, oder der erste Schluck von Papas bitterem Bier. Das alles hat noch gar keinen Reiz, man hat überhaupt kein Interesse, es nochmal zu tun.

Doch oft fühlen sich Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren wieder dort hingezogen, oft nur weil die Freunde es tun und man nicht als einziger gegen den Strom schwimmen möchte. In manchen Fällen folgt daraufhin der „Einstieg“ in die Drogenszene, den manche mit dem ersten Joint definieren.

Der Umgang mit Suchtmitteln scheint inzwischen in der Gesellschaft akzeptiert zu sein. Es ist nichts Besonderes, 16-Jährige rauchen zu sehen, obwohl dies eigentlich erst ab 18 erlaubt ist. Trifft man sich als Jugendlicher mit seinen Freunden zu einem gemütlichen Fußball-Abend, steht meistens auch ein kühles Bier auf dem Tisch.

Dass man sich relativ einfach Drogen beschaffen kann, ist bei der Gesellschaft offenbar noch nicht angekommen. Eltern hoffen hier auf die Schule. Wenigstens dort müssten die Schüler doch vor allen möglichen schädlichen Einflüssen geschützt sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das eine hoffnungslose Illusion in den Köpfen Erwachsener ist.

Angenommen, man bekäme in der Schule Lust, einen Joint hinter der Hausecke zu rauchen, wäre es ein Leichtes das nötige Material dafür zu besorgen , ohne den Schulhof zu verlassen. Jeder einzelne Schüler an vermutlich jeder einzelnen Schule kann sich, mit dem nötigen Kleingeld, immer etwas beschaffen.

Doch nach meinen Erfahrungen sind sich viele in meinem Alter auch der Gefahren bewusst, geschätzt 70 Prozent sagen klar Nein zu Drogen. Beim Alkohol sieht es ein wenig anders aus.

Auch wenn die heutige Generation damit ein wenig in Verruf geraten sein mag, gibt es immer noch Jugendliche, die am Wochenende mit Freunden Filmabende machen, die keine Absturzpartys feiern und die keine synthetischen Drogen nehmen müssen, nur um in guter Stimmung zu sein.

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