Triathlon in 10:56 Stunden : Dreifache Tort(o)ur am Main

Chris Martin beim Ausstieg aus dem Langener Waldsee, auf der 180 Kilometer langen Regenfahrt und zuletzt glücklich nach dem Marathon im Zielkanal. Fotos: Privat
Chris Martin beim Ausstieg aus dem Langener Waldsee, auf der 180 Kilometer langen Regenfahrt und zuletzt glücklich nach dem Marathon im Zielkanal. Fotos: Privat

Zum zweiten Mal hatte sich der Parchimer Ausdauersportler Chris Martin auf einen Ironman vorbereitet. Woche für Woche hieß es ein straffes Trainingsprogramm zu bewältigen, auf die Ernährung zu achten und gesund zu leben.

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17. Juli 2012, 10:30 Uhr

Parchim | Zum zweiten Mal hatte sich der Parchimer Ausdauersportler Chris Martin auf einen Ironman vorbereitet. Zum zweiten Mal hieß es Woche für Woche ein straffes Trainingsprogramm zu bewältigen, auf die Ernährung zu achten und dennoch gesund zu leben und einen Job hat der Athlet auch noch… Der Start zur Ironman Europameisterschaft 2012 in Frankfurt am Main war am vergangenen Sonntag auf 7 Uhr festgelegt.

Die Sport-Reise des Parchimers begann schon zwei Tage vorher, denn am Freitag Nachmittag fand die Wettkampfbesprechung in deutsch statt ein Pflichttermin für die fast 2600 Athleten aus 55 Nationen. Am frühen Abend füllten die Sportler bei der obligatorischen Pasta-Party den Kohlenhydratspeicher auf. Der Sonnabend stand unter dem Motto: Die Ruhe vor dem Sturm Ausruhen war angesagt. "Wir haben am Vortag nur noch die Wechselsachen und das Rad in die Wechselzone gebracht, dann noch ein paar Kohlenhydrate gebunkert, dass heißt Nudeln gegessen und sind früh zu Bett gegangen", erinnert sich Chris Martin.

Das war auch bitter nötig, denn am Sonntag klingelte um 3 Uhr der Wecker. Eine halbe Stunde später gab es Frühstück. "Mit vollem Magen geht man nicht ins Wasser", lautet eine alte Weisheit und die gilt besonders für die Iron-Männer, die bekanntlich auf der ersten Etappe 3,8 Kilometer schwimmen müssen, ehe sie sich in den Sattel schwingen und 180 Kilometer in die Pedale treten. Zwei Stunden nach dem Morgen-Snack saßen die Teilnehmer im Shuttlebus auf dem Weg zum Langener Waldsee und der Adrenalin-Pegel schnellt in die Höhe. Das galt übrigens auch für die vielen Angehörigen und Fans, die die Teilnehmer begleiteten. Um 6.45 Uhr starteten die ca. 200 Profis, punkt 7 Uhr das riesige Starterfeld der Amateure.

Der Start: "Tritte und Schläge von überall…"

"Das Wasser kocht" und schon ist der Parchimer mitten im Getümmel. "Bis zum ersten Wendepunkt ist das Gedränge im Wasser so groß, dass man immer wieder Tritte und Schläge von allen Seiten bekommt", beschreibt Martin die ersten Meter. Nach einer Stunde und 12 Minuten steigt der Mecklenburger aus dem Wasser und ist überrascht, dass es schon leicht angefangen hat zu regnen. Aber egal - Rauf aufs Rad und es geht mit etwa 40 km/h in Richtung Frankfurt. "Der Regen wurde stärker, die 16 Grad Lufttemperatur fühlten sich kälter an und ich fühlte nach 60 Kilometern deutlich eine Unterkühlung", erinnert sich der Parchimer an einen ersten Tiefpunkt. Noch mehr trinken und essen sollten dem Körper wieder Energie zuführen, die er durch die Kälte verloren hatte. Es funktioniert nicht, denn nach rund 100 km auf dem Rad denkt Chris Martin ans Aufgeben. Ein zusätzliches Rad-Shirt und ein Aufhellen am Himmel vertrieben auf der zweiten Rad-Runde die Gedanken: "Jetzt lief es vom Gefühl her etwas besser". Nach etwas mehr als fünfeinhalb Stunden war diese Tortour zu Ende, ab in die Wechselzone, Laufschuhe an und rauf auf den Kurs zum abschließenden Marathon über 42,296 Kilometer. Chris Martin hatte ungefähr ein Viertel der Strecke hinter sich, da wurde eine leichte Sehnenentzündung, die er sich zugezogen hatte, deutlich spürbar: "Ich konnte nicht mehr mit Druck laufen und wollte einfach nur durchkommen". Beim Zieleinlauf am Römerberg sprintete der Parchimer noch einmal gegen zwei spanische Läufer um eine besser Platzierung und durchlief nach 10:56 Stunden überglücklich das Ziel-Tor. Schnell noch die Fotos mit der Finisher-Medaille und dann ging es ab unter die Dusche.

"Ich hatte mir das Ziel gesetzt, bei zehneinhalb Stunden das Ziel zu erreichen, das habe ich verpasst", ist Martin nicht ganz zufrieden. Aber er ist bei diesem zweiten Anlauf beim Ironman unter 11 Minuten geblieben, das war übrigens im Vorjahr sein Ziel, das er damals mit 11:08 Stunden knapp verfehlte. Währen für den Parchimer der "längste Tag des Jahres" am frühen Abend zu Ende ging, erreichten einige Athleten erst gegen 22 Uhr das Ziel. "Die Sportler, die danach ankamen, haben ihr persönlichen Ziel, das Durchkommen, erreicht, gehen aber nicht mehr in die Wertung. Umso mehr Respekt zolle ich diesen Athleten", so Chris Martin, der weiß, wovon er redet. Mit dem Gesamtplatz 882 und dem 207. In der Altersklasse 35 bis 40 Jahre kann er zufrieden sein. Da haben sich die in der Vorbereitung absolvierten 155 km Schwimmen, 6100 km Rad fahren und 1150 km Laufen gelohnt.

Stolz und zufrieden sind auch Ehefrau Andrea sowie die Eltern von Chris Martin, die ihren Athleten bei der Vorbereitung und während des Wettkampfes rundum unterstützt haben: "Ihnen danke ich ganz besonders, genauso wie meinem Coach Peter Holy, meinen Trainingspartnern und Freunden".


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