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Nach der Landtagswahl MV : Drei neue Damen für das Schloss

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Diese Frauen wollen neuen Wind in MVs Parlament bringen: Eva-Maria Kröger (Linke), Nadine Julitz (SPD) und Christel Weißig (AfD)

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erstellt am 07.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Obwohl sie nun Landtagsabgeordnete ist, möchte Eva-Maria Kröger in der Rostocker Bürgerschaft aktiv bleiben. Foto: joro
Obwohl sie nun Landtagsabgeordnete ist, möchte Eva-Maria Kröger in der Rostocker Bürgerschaft aktiv bleiben. Foto: joro

Mit linken Zielen in den Landtag

Fraktionsvorsitzende der Linken in Rostock, Aufsichtsratsvorsitzende des Volkstheaters, ehrenamtliches Mitglied der Bürgerschaft – seit sieben Jahren mischt Eva-Maria Kröger im kommunalpolitischen Geschehen der Hansestadt mit. Nun  wartet der Schweriner Landtag auf  die studierte Politikwissenschaftlerin.   Natürlich freue sie sich auf die neue Aufgabe, auch wenn der  Schock über das schlechte Abschneiden ihrer Partei noch tief sitzt:  „Auf der einen Seite sind wir enttäuscht. Auf der anderen Seite ist das Ergebnis in Rostock in Ordnung.  Einen so großen Stimmenverlust muss man aber generell  erst einmal verarbeiten.“ Zur Erinnerung: Die Linken haben mit 13,2 Prozent 5,2 Prozent   ihrer Wähler  im Vergleich zu 2011 verloren.  „Jetzt sind wir nur noch elf Abgeordnete, nicht mehr 14. Das heißt, es werden mehr Aufgaben auf weniger Schultern verteilt.“  Kröger hofft den Bereich von Regine Lück übernehmen zu können, sich künftig um die  Aspekte  Wohnen und Bauen zu kümmern – auch in Hinblick auf Rostock. „Die Stadt hat kaum noch bezahlbaren Wohnraum.  Der Wohnraum ist knapp und die Gruppen derjenigen, die dringend günstige  Mietwohnungen brauchen, die wachsen. Das möchte ich gerne machen als Landtagsabgeordnete, angefangen mit einem Beschluss zur Mietpreisbremse, weitergemacht mit der Förderung sozialen Wohnraums“, erklärt Kröger.

 

Nadine Julitz auf dem Weg  zur SPD-Fraktion. Foto: thvo
Nadine Julitz auf dem Weg zur SPD-Fraktion. Foto: thvo
 

Eine Frau will nach oben

Schwerin Für Nadine Julitz geht ein Traum in Erfüllung. Mit erst 26 Jahren ist die SPD-Frau aus Waren an der Müritz jüngste Volksvertreterin im neu gewählten Schweriner Landtag. Ihr Mandat holte sie im Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte III direkt. Mit 30,2 Prozent ließ die junge Politikerin die Mitbewerber von CDU, Linke, Grüne, FDP und AfD alt aussehen. „Ich war selbst total überrascht“, erzählt sie. Mit so einem Wahlergebnis habe sie nicht gerechnet.

Gestern hatte sie ihren ersten Arbeitstag an neuer Wirkungsstätte. Pünktlich 14.30 Uhr begann die erste Fraktionssitzung der SPD. Parteivorsitzender Erwin Sellering schlug den 26 Abgeordneten Mathias Brodkorb als neuen Fraktionsvorsitzenden vor. Danach ging es auf einen Kaffee ins Seglerheim.

 Seit 2011 ist Nadine Julitz in der Kommunalpolitik aktiv. „Ich bin Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Waren, Mitglied im Kreisvorstand, Stadtvertreterin und Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung“, zählt sie auf. Ihr Geld verdiente die Politikwissenschaftlerin bisher als Mitarbeiterin der Bundestagsabgeordneten Jeannine Pflugradt (SPD) in deren Wahlkreisbüro in Neustrelitz.

 Auf die Frage nach ihren herausragenden Eigenschaften zögert die Warenerin. „Ehrgeiz und Mut“, sagt sie dann. Schon als Kind und Jugendliche war sie Schülersprecherin an ihrer Schule in Waren. Immer habe sie sich neue Aufgaben zugetraut. „Und es hat immer funktioniert.“ Sie lächelt.

Zur Politik kam sie 2011, als sie ein Praktikum im Wahlkampfteam des SPD-Landtagsabgeordneten Rudolf Borchert absolviert hat. Danach schlug ihr Herz für die Sozialdemokratie. Ein Vorbild ist Willy Brandt.

Privat bleibt derzeit wenig Zeit für ihren Lebenspartner und für Hobbys, berichtet sie. Die Politik bestimmt ihr Leben. Kinder hat sie noch nicht.

Nadine Julitz ist in der neuen SPD-Fraktion nicht die einzige Nachwuchspolitikerin. Wie sie wurde auch Elisabeth Aßmann im Jahr der deutschen Einheit geboren, allerdings ein paar Monate früher. Die 26-Jährige gewann für die SPD den Wahlkreis Ludwigslust-Parchim II. Patrick Dahlemann, der schon in der vergangenen Legislaturperiode im Parlament saß, ist nur zwei Jahre älter als Julitz und Aßmann.

Wohin die Karriereleiter sie noch führen wird, weiß Nadine Julitz nicht. „Ich habe mein Ziel erst einmal erreicht“, sagt sie. Erst einmal.

 

Seit 2013 vertritt Christel Weißig die Interessen der AfD in Rostock. Foto: Josefine Rosse
Seit 2013 vertritt Christel Weißig die Interessen der AfD in Rostock. Foto: Josefine Rosse

Oma Christel allein unter Männern

„Ich glaube die Herren haben mich unterschätzt.“ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht tritt Christel Weißig an das Panoramafenster ihrer 76 Quadratmeter Wohnung in Rostock-Evershagen. Seit dem Morgen weiß sie, dass sie eine von 18 ist – und die einzige Frau, die für die Alternative für Deutschland (AfD) in den Landtag geht. „Hier, in meinem Wahlkreis, wurde ich am zweithäufigsten gewählt“, sagt sie stolz. Das Telefon klingelt, reißt die 70-Jährige aus ihrer Schwärmerei. Glückwünsche – zum Start der neuen Polit-Karriere. „Bis vor Kurzem dachte ich noch, ich bleibe einfach nur Rentnerin.“ Doch es käme immer anders als man denkt. Mit Listenplatz 16 hat sie es geschafft, den Einzug ins Schweriner Schloss – und hat auch direkt ganz große Pläne: Weißig sieht ihre künftige Verantwortung in der Sozialpolitik. Ihr ganzes Leben hätte sie mit jungen und alten Menschen zusammengearbeitet. Obwohl sie fünf Enkel hat, sei sie nie einfach nur Oma gewesen. Gelähmte Senioren fuhr sie im Rollstuhl durch Graal-Müritz spazieren, zuvor arbeitete sie als wirtschaftliche Leiterin eines Jugendgästehauses in Berlin. Zuletzt engagierte sich die Rentnerin im Seniorenbeirat der Hansestadt Rostock und vertrat die AfD im Ortsbeirat Rostock-Evershagen. Ein ganzes Jahr lang hätte ihr Mann nicht gewusst, dass Weißig in der Partei aktiv sei. Doch nun unterstütze er sie „ganz toll“.

2013 trat die gebürtige Hamburgerin in die AfD ein – mit 68 Jahren. Den Vorwurf, dass die AfD rechtspopulistisch sei, weist Weißig nur stückweise zurück. „Man kann nicht für jeden Menschen die Hand ins Feuer legen“, sagt sie. Überall gäbe es schwarze Schafe. Und eine Partei, die so jung sei, sei sowieso ein „Sammelbecken von allem Möglichen.“ Das hätte man schon bei den Piraten beobachten können. Rassistin sei sie nicht – ihre Aussage, dass Muslime, die sich integrieren wollen, auch Schweinefleisch essen sollen, sei zu drastisch gewesen – und auch gar nicht so gemeint. „Jeder soll nach seiner Fasson leben“, rudert sie zurück. Aber dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren, gehöre sich nicht. „Die Familie – das sind Vater, Mutter und Kind und nichts anderes“, betont Weißig. Dass ihre Parteikollegen Holger Arppe und Thomas de Jesus Fernandes bekennend mit Männern „verpartnert“ sind, darüber schaue sie erst einmal hinweg. Schließlich möchte sie ihre Energie darauf verwenden, dass „Sozialwohnungen wieder an Personen mit geringem Einkommen und nicht an Asylanten vermietet werden.“ Generell sei es notwendig, MV vor „Scheinasylanten“ zu schützen. „Hier möchte niemand ein Multi-Kulti-Berlin oder ein Multi-Kulti-Köln“, erklärt Weißig. „Asyl ist Asyl auf Zeit. Niemand sagt über die Kriegsflüchtlinge, dass sie bei ihren Bomben bleiben sollen, aber die Wirtschaftsflüchtlinge können wir nicht auch noch ernähren.“ Und in Großstädten wie Rostock sei generell kein Platz für Migranten.

Eine zweite Merkel will Christel Weißig nicht werden. Schließlich plant ihre Partei, der Kanzlerin „das Handwerk zu legen“. „Mit ihrem , Wir schaffen das‘ hat sie sich ins Aus katapultiert. Viele wollen das gar nicht schaffen.“ Christel Weißig möchte beweisen, dass es „auch gute Frauen in der Politik gibt“. Bei den Sitzungen im Landtag will sie „nicht abseits sitzen und nur zuhören“, sie will „etwas bewegen, die Interessen ihres Wahlkreises vertreten, den Mund aufmachen.“ Das wird sie auch gleich in der ersten Sitzung tun müssen. Als Alterspräsidentin könnte sie die erste Rede im neuen Landtag halten – eine AfD-Populistin. Welches Signal aus Mecklenburg -Vorpommern?

Dass die NPD den Einzug in den Landtag nicht erneut geschafft hat, freut die 70-Jährige. Dass die Grünen es auch nicht geschafft haben ebenfalls: „Die haben so stark gegen uns gewettert.“ Sie hätten es nicht anders verdient. Sympathien hegt sie für CDU-Mann Lorenz Caffier. „Der hat viele Parteithemen von uns übernommen.“

Wie die AfD ihr politisches Programm umsetzen möchte, weiß Weißig auch noch nicht. „Wir haben viele Politik-Neulinge in der Partei, die keine Ahnung von den politischen Abläufen im Landtag haben.“ Die Rentnerin zählt sich selbst dazu.

>> Alles rund um die Landtagswahl finden Sie in unserem Dossier.

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