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Flüchtlinge in MV : Drehkreuz Stern Buchholz

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ehemaliges Kasernengelände im Süden Schwerins wird zum Zentrum für die Flüchtlingsaufnahme in Mecklenburg-Vorpommern

von
erstellt am 24.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Mohammed Gazi ist 21 Jahre alt und seit fünf Tagen in Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört zu den ersten Flüchtlingen, die von der landesweit zweiten so genannten Bearbeitungstrecke für Asylanträge in Stern Buchholz bei Schwerin profitieren können.

Zu Wochenbeginn war die neue Registrierungsstelle auf dem ehemaligen Kasernengelände in Betrieb genommen worden. Damit können täglich bis zu 200 Flüchtlinge mehr in Mecklenburg-Vorpommern registriert werden und ihre Asylanträge einreichen. Bislang waren Registrierung und Antragstellung allein in der Erstaufnahme in Horst bei Boizenburg möglich. Die schafft nur 100 Flüchtlinge pro Tag und war damit zum Nadelöhr bei der Aufnahme der etwa 300 Schutzsuchenden geworden, die täglich in Mecklenburg-Vorpommern ankommen.

Jetzt ist Stern Buchholz mit aktuell 750 Plätzen zum großen Drehkreuz für die Flüchtlingsaufnahme geworden. Allein gestern kamen 180 Asylsuchende an und die gleiche Anzahl Registrierter verließ die Einrichtung wieder.

Mit der zusätzlichen Registrierungsstelle soll auch der Aufenthalt der aktuell 3600 Flüchtlinge in den 20 Notunterkünften des Landes deutlich verkürzt werden. „Einige dieser Provisorien können wir vielleicht sogar schließen“, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der sich die neue Bearbeitungstrecke gestern anschaute.

Mohammed Gazi saß im Wartezimmer. „Ich komme aus Hama“, berichtete er auf Arabisch. Der Dolmetscher übersetzte. Der Bürgerkrieg in Syrien hat ihn aus seiner Heimatstadt über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Österreich nach München vertrieben. Von dort wurde er dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zugeteilt. Er will zur Ruhe kommen, „die Flucht hinter mir lassen“, wie er sagte.

Am Morgen hatte ein Bus Gazi und 80 andere Flüchtlinge aus der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtung in Horst bei Boizenburg nach Stern Buchholz gebracht. Erst wenn er registriert ist, bekommt er nicht nur einen Ausweis, ihm steht dann auch ein Taschengeld zu: 143 Euro im Monat – bis zur Aufnahme in einer Kommune, dann gibt es etwas mehr.

Gazi wurde ins erste Zimmer gerufen. Zwei Polizeibeamte aus dem Schweriner Kriminalkommissariat führten die so genannte „erkennungsdienstliche Behandlung“ durch. Gazi musste seinen Pass vorlegen und Fragen zu seiner Person beantworten, die der Dolmetscher wieder übersetzte. Anschließend wurden Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen und diese mit bundesweiten Datenbanken verglichen. „Damit können wir sicherstellen, dass der Betroffene nicht bereits an einem anderen Ort registriert worden ist“, erklärt Michael Teich vom Innenministerium. Dritte Station ist die medizinische Untersuchung. Trotz der Strapazen auf der Flucht, sind die meisten Schutzsuchenden fit. „Zwei Erkältungen und eine Nasennebenhöhlenentzündung – mehr hatten wir heute nicht“, sagt Dr. Martin von der Heyden, Polizeiarzt.

Fehlende Impfungen etwa gegen Wundstarrkrampf sind Pflicht. Röntgen ist Vorschrift, damit Tuberkulose-Fälle erkannt und die Krankheit nicht nach Deutschland eingeschleppt wird. Nachdem Mohammed Gazi die Erstaufnahme durch das Land überstanden hatte, bekam er eine Karte, auf der seine Daten gespeichert sind.

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten am Ende der Baracke wird Gazi später seinen Asylantrag stellen. Zuvor muss er aber noch einmal seine Daten und Fingerabdrücke abgeben. „Die Länder können nicht auf alle Daten des Bundes zurückgreifen und umgekehrt“, sagte bedauernd Innenminister Caffier.

Als syrischer Flüchtling sind Gazis Aussichten auf Anerkennung gut, und er wird nach drei Wochen in die Obhut einer Kommune weitergeleitet. Flüchtlinge mit wenig Asylaussichten, etwa aus den Ländern des Westbalkans, kommen dagegen zur zentralen Unterbringung nach Basepohl (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Von dort sollen sie so schnell wie möglich in ihre Heimatländer abgeschoben werden, so der Innenminister.

 

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