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Finanzminister Schäuble in Griechenland : Drama ohne Ende

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Schäubles Gastgeber hatten sich von dem Besuch des Ministers Antworten auf ihre drängendsten Fragen erhofft. Die blieb er jedoch schuldig. Wann das Drama ein Ende finden wird, darauf hat auch Schäuble keine Antwort.

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erstellt am 19.Jul.2013 | 12:07 Uhr

Athen | Ausgerechnet ein Olivenzweig: Wolfgang Schäuble nimmt das traditionelle Friedenszeichen dankend entgegen. Bei vielen Griechen als Sparkommissar gescholten, verspricht der CDU-Politiker während seines Kurzbesuchs in Athen, "Hand in Hand" mit ihnen das Land aus der Krise zu führen. Aber von seiner Haltung, die massive Proteste im ganzen Land hervorgerufen hatte, weicht der Deutsche keinen Deut ab: Athen muss weiter hart sparen, alle Auflagen der Geldgeber erfüllen.

Schäubles Gastgeber hatten sich von dem Besuch des Finanzministers Antworten auf ihre drängendsten Fragen erhofft. Die blieb er jedoch schuldig. Wann das Drama ein Ende finden wird, darauf hat auch Schäuble keine Antwort. Er sagt aber weiteren Beistand in den schwierigen Zeiten zu. "Das ist alles gut und schön, nur ich bin seit zwei Jahren arbeitslos", klagt Filippos Sideras, ein Hafenarbeiter aus Piräus. "Ich hab den Eindruck, ich sei eine Zahl und kein Mensch für den deutschen Finanzministers", meinte er.

Teile der griechischen Medien nahmen den Besuch abermals zum Anlass, Schäuble für die Probleme des Landes verantwortlich zu machen. Auf dem Titelblatt des Parteiblattes der stärksten Oppositionspartei "Avgi" prangte in Anspielung auf die hohe Arbeitslosigkeit ein großes Foto des deutschen Finanzministers mit dem Titel: "Heil dir, Caesar, die Todgeweihten grüßen Dich". Die satirische Wochenzeitung "Pontiki" erlaubte sich auf der Titelseite gar Makaberes: Schäuble überfährt drei an einer Behindertenrampe angebundene Arbeitslose mit seinem Rollstuhl. "Der Vernichter", titelte das Blatt.

Andere Zeitungen erinnerten Schäuble daran, dass die griechische Wirtschaft wegen des Spardiktats am Boden ist. "Das ist ihr Werk, Herr Schäuble", titelte die linke Zeitung "Eleftherotypia". Die konservative Presse berichtete dagegen neutral und sachlich.

Ganz anders das Bild beim Treffen Schäubles mit Vertretern der deutsch-griechischen Handelskammer, wo er den zum Kranz gebundenen Olivenzweig bekam: Die Unternehmer-Prominenz hatte das Treffen in einem Luxushotel im Zentrum Athens wohl organisiert. "Wir hoffen auf mehr Investitionen und Kooperationen mit Deutschland", sagten ein ums andere Mal griechische Unternehmer. Auch der Wachstumsfonds, um mittleren und kleineren Unternehmen zinsgünstige Kredite zu ermöglichen, findet Anklang.

Schäuble selbst findet lobende Worte für die Griechen, scheut aber klare Aussagen nicht: Ja, die Griechen hätten große Schritte gemacht. Ja, das Volk leide, das wisse er. Die Sparpolitik sei aber der einzige Weg aus der Krise. Heftig reagiert er auf das Wort: "Schuldenschnitt". Die Griechen sollten nicht darüber reden, es schade ihnen.

Ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministeriums kommentiert seinen Auftritt mit den Worten: "Naja, er muss ja Wahlkampf machen. Deswegen ist er ja hauptsächlich hier. Nur an dem Problem der weiteren Finanzierung des Landes kommen wir nicht vorbei. Da müssen neue Ideen kommen."

Fast ein Affront: Nahezu zeitgleich als Schäuble mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras zusammenkam, gab es etwa 200 Meter weiter im benachbarten Präsidialgebäude ein Treffen von Staatspräsident Karolos Papoulias mit dem Chef der Oppositionspartei, Alexis Tsipras, und dem Widerstandskämpfer während des Zweiten Weltkrieges, Manolis Glezos. Die beiden linken Politiker informierten den Staatspräsidenten über den Stand der Dinge in Zusammenhang mit griechischen Reparationsforderungen für Zerstörungen der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Die griechische Presse wertete dies als einen symbolischen Akt.

Denn Papoulias hatte Schäuble schon einmal heftig kritisiert. Im vergangenen Jahr empörte sich der heute 84-Jährige über die harte Haltung Deutschlands und anderer großer Geldgeber. "Ich akzeptiere es als Grieche nicht, dass mein Land von Herrn Schäuble beleidigt wird", polterte Papoulias damals. "Wer ist denn Herr Schäuble, der Griechenland beleidigen kann", schimpfte der Präsident.

Weil für den Besuch Schäubles das Zentrum aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde, herrschte Verkehrschaos auf den Straßen rundherum.Viele schimpften lautstark. Die Opposition reagierte wütend auf das allgemeine Demonstrationsverbot im Zentrum. "Schäuble ist unerwünscht", erklärte die populistische Partei der Unabhängigen Griechen (AN.EL.).

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