Lübesse : Drachenboote für WM in Kanada

Jan Ullrich befestigt einen Drachenkopf in der Firma Boots- und Kunststoffbau (BuK) in Lübesse an einem Rennboot.
Jan Ullrich befestigt einen Drachenkopf in der Firma Boots- und Kunststoffbau (BuK) in Lübesse an einem Rennboot.

Vor den Toren Schwerins hat sich eine Firma etabliert, die modernes Gerät für den Sport liefert: Boote aus Kunststoff

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13. August 2015, 11:45 Uhr

Sein Rennen hatte Andreas Stankewitz schon gewonnen, noch ehe bei der Drachenboot-WM im kanadischen Welland der erste Startschuss gefallen ist. Die von ihm und seinem Partner Bernd Hocker geführte Bootsbaufirma BuK stellt die Rennboote für die Titelkämpfe her, die am 19. August am Ontario-See unweit der Niagara- Wasserfälle beginnen. Das in Lübesse bei Schwerin ansässige Unternehmen mit seinen knapp 30 Mitarbeitern hat dabei mächtige Konkurrenz aus dem Feld geschlagen. „Der Wettbewerb um die prestigeträchtige Lieferung der Boote ist extrem hart. Chinesische Mitbewerber drängen mit Macht auf den Markt, der mit dem weltweit wachsenden Zuspruch für diese Trendsportart ja auch lukrativ ist“, erklärt der Bootsbauexperte.

Seit 1993 beschäftigt sich BuK mit der Herstellung moderner, widerstandsfähiger und dazu schneller Drachenboote aus Kunststoff. So erfolgreich, dass die mit dem typischen Drachenkopf geschmückten Boote im Hongkong-Stil aus Mecklenburg den Standard maßgeblich mitbestimmten, den der Weltverband des Drachenbootsports IDBF vorgab.

Um Materialschlachten wie in anderen Sportarten zu verhindern, fahren bei Meisterschaften alle Teams sämtlicher Nationen die gleichen, mit 12 oder 22 Sportlern besetzten Boote, die jeweils vom Veranstalter gestellt werden.

Die Kanadier gaben, wie viele Ausrichter zuvor, BuK den Zuschlag. „Das war für uns enorm wichtig. Denn fast die Hälfte der etwa 100 Drachenboote, die wir jedes Jahr fertigen, gehen in den Export.

Nordamerika ist dabei einer unserer wichtigsten Märkte“, sagt Stankewitz. Er schweigt aber über den Preis, zu dem er die 36 Boote für die WM-Läufe lieferte. Der Listenpreis je Boot: etwa 10 000 Euro. „Sich dabei auch gegen Mitbewerber aus China, dem Mutterland der Drachenboote, durchzusetzen, das will was heißen“, hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bei einem Firmenbesuch jüngst gelobt.

Doch nicht nur bei internationalen Wettkämpfen , sondern auch bei Wettbewerben des Nationalen Deutschen Drachenboot-Verbandes (DDV) und bei volkssportlichen Veranstaltungen sind die Boote aus Lübesse am Start. „Ob Hamburg, Berlin, Potsdam, Hannover oder Duisburg, in vielen Regionen haben sich Drachenboot-Rennen etabliert. Und auch im Süden Deutschlands gewinnt der Sport immer mehr an Zulauf“, berichtet DDV-Präsidentin Ute Becker-Frenzel. Ihren Angaben zufolge zählt der Verband inzwischen bundesweit fast 3500 Mitglieder.

Und nicht zuletzt verweist die in Schwerin tätige Verbandschefin auf jährlich drei Drachenboot-Feste in der Landeshauptstadt. Zu den traditionellen Wettkämpfen auf dem Pfaffenteich vom 14. bis 16. August werden erneut Hunderte Teilnehmer und Tausende Schaulustige an den Ufern erwartet. Für Becker-Frenzel stehen im August aber die Welttitelkämpfe in Kanada im Vordergrund, an denen sie als Steuerfrau auch aktiv teilnimmt. Drei WM-Titel hatten deutsche Teams zuletzt gewonnen. „Mindestens einen davon wollen wir verteidigen“, sagt sie.

Weit gelassener kann Stankewitz den Weltmeisterschaften im fernen Kanada entgegensehen. Die schlanken Rennboote sind längst vor Ort – und sein Job damit getan. In der Firma zu Hause beanspruchen andere Projekte derzeit seine ganze Aufmerksamkeit. Neben den Drachenbooten und der Herstellung hochwertiger Sportboot-Rümpfe für einen Kooperationspartner in Mainz baut BuK an einem dritten wirtschaftlichen Standbein. „Wir haben in diesem Jahr mit der Produktion eines schwimmfähigen Wohnanhängers begonnen“, berichtet der Firmenchef. Das etwa vier Meter lange und 1,70 Meter breite Gefährt „Sealander“ sei von einem Kieler Ingenieur entwickelt worden, der einen Hersteller gesucht und diesen bei BuK gefunden habe.

Der Wagen biete vier Personen Platz, könne von der Anhängerkupplung sofort ins Wasser gelassen und mit einem Außenborder ohne Führerschein über Seen gesteuert werden. „Ein wirklich tolles Konzept“, meint Stankewitz.

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