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Tag gegen Lärm : Dort, wo sich der Verkehrslärm ballt

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Rund 12 000 Fahrzeuge sind täglich auf der Langestraße durch Bützow unterwegs. Das ergab eine Verkehrszählung vor rund einem Jahr, die das Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie Güstrow in der Warnostadt durchführte.

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erstellt am 24.Apr.2012 | 07:15 Uhr

Bützow/Güstrow | Rund 12 000 Fahrzeuge sind täglich auf der Langestraße durch Bützow unterwegs. Das ergab eine Verkehrszählung vor rund einem Jahr, die das Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (Lung) Güstrow in der Warnostadt durchführte. Mehr als sechs Prozent davon sind Schwerlastfahrzeuge, ergab die Untersuchung. Welche Geräuschkulisse diese 12 000 Fahrzeuge verursachen, darüber soll ein Lärmkarte Aussagen treffen. Bis Ende Mai, Anfang Juni sollen die Daten dafür aufbereitet und in einer Lärmkarte ausgewiesen sein, sagt Katja Pliquett, Sachbearbeiterin im Lung.

Eine solche Lärmkarte übergibt Pliquett heute bereits im Teterower Rathaus. Teterows Lärmkarte gehört mit denen von Wismar, Wolgast und Mirow zu den ersten im Land. Sie ist ein Ergebnis einer Langzeituntersuchung auf der Grundlage einer EU-Umgebungslärmrichtlinie von 2002 (siehe Hintergrund). "Mit ihr ist ein Konzept festgelegt worden, um schädliche Auswirkungen durch Umgebungslärm, einschließlich Belästigungen, zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern", erläutert Hermann Lewke, Dezernent Lärmschutz im Lung. Denn das Lung hat bei Umfragen ermittelt, dass sich fast 60 Prozent der Bevölkerung durch Verkehrslärm belästigt fühlen. Etwa zehn Prozent der Bürger sind extrem starkem Verkehrslärm ausgesetzt.

Maßnahmen schwer umzusetzen

In Teterow wurden die B 104 und B 108 untersucht, in einer ersten Studie bereits vor fünf Jahren. Katja Pliquett: "Die Verkehrszählungen ergaben für die Poggestraße, hier treffen die B 104 und B 108 zusammen, Verkehrszahlen von ca. 12 400 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden. Damit ist der Ausgangswert von 8000 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden überschritten und der Abschnitt musste kartiert werden."

Um die Lärmprobleme und Lärmauswirkungen zu regeln, sind zum 18. Juli 2013 durch die Kommunen für die kartierten Bereiche bei erheblichen Konflikten und hoher Lärmbetroffenheit Lärmaktionspläne aufzustellen. Um Geräusche zu mindern, geht es u.a. um verlegte Verkehrsströme, lärmarme Straßenoberflächen, Fahrbahneinengungen und Geschwindigkeitsbeschränkungen bis zur Verkehrs- und Stadtentwicklungsplanung. Die Öffentlichkeit sei einzubeziegen, so Pliquett. Für Teteow wird das empfohlen: Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkw auf 30 km/h, Lkw-Fahrverbot in der Nacht, verbesserter Verkehrsfluss, Steuern der Lichtsignalanlagen für eine konstante Geschwindigkeit der durchfahrende Kraftfahrzeuge, Hinweisschilder wie "bei 50 km/h grüne Welle" oder Geschwindigkeitsanzeigetafeln sowie finanzielle Unterstützung beim Einbau von Lärmschutzfenstern und Lärmschutzlüftern für Wohnhäuser.

Allerdings sind die Lung-Mitarbeiter und Birgitt Hohenegger Realisten. Gerade wegen des ständig zunehmenden Verkehrs sei das Problem nur äußerst schwer in den Griff zu bekommen. Lewke: "Initiativen, den Verkehrslärm nachhaltig zu verringern, sind mühsam, da sie mit erheblichem finanziellen Aufwand und der Änderung von Lebensgewohnheiten verbunden sind." Katja Pliquett bezeichnet das, was bis jetzt ermittelt wurde, als "Spitze des Eisbergs". Allerdings müsse man ja irgendwann anfangen, dieses Problem anzupacken.

Lkw-Verkehr nach Güstrow nervt Bützower

Zumal die gemessene und die gefühlte Belastung durch zunehmenden Lkw-Verkehr sicherlich sehr unterschiedlich sind. Seit dem Navaro mit seinem Bio-Energie-Park in Güstrow in Betrieb gegangen ist, klagen Bützower über den starken Lkw-Verkehr, vor allem auch in den Nachtstunden, so u.a. am Rostocker Tor und in der Langestraße. Deshalb wird man in Bützow mit Spannung auf die Lärmkarte warten.


Hintergrund

• Lärmkarten fassen zusammen, welche Lärmquellen es gibt, welche Lärmbelastungen von ihnen ausgehen, wo Grenzwerte überschritten werden und wie viele Menschen davon betroffen sind. Damit werden die Lärmprobleme und deren Ursachen sichtbar gemacht.
• Der EU-Beschluss basiert auf der Erkenntnis, dass das Bekämpfen des Verkehrslärms eine der wichtigsten Herausforderungen der Umweltpolitik der nächsten Jahre ist.
• Nach dieser Richtlinie sind bis 30. Juni 2012 alle Hauptverkehrsstraßen mit einem jährlichen Verkehrsaufkommen von über drei Millionen Kraftfahrzeugen sowie Ballungsräume mit Einwohnerzahlen von über 100 000 Einwohnern zu kartieren. Das betrifft in Mecklenburg-Vorpommern etwa 1400 Kilometer Bundesautobahnen, Bundes- und Landesstraßen sowie Rostock. Das Lung erarbeitet die Lärmkarten.


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