zur Navigation springen

Talk im Funkhaus : Doppelpass mit dem NDR

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Norddeutsche Rundfunk lud zum „Talk im Funkhaus“

Es ist ein bisschen wie beim „Doppelpass“, dieser kultigen Fußball-Sendung bei der privaten Konkurrenz. Auf der Bühne sitzen die wichtigen Leute; die Experten und Entscheidungsträger, die auch vor steilen Thesen nicht zurückschrecken. Und natürlich das Publikum, willens unterhalten zu werden, das Getränk fest mit den Händen umschlungen, vielleicht können sie sich sogar einbringen? Der Unterschied: Es geht nicht um Fußball. Der NDR hat eingeladen, um über sich selbst zu sprechen. Der „Talk im Funkhaus“.

Das Foyer des Landesfunkhauses füllt sich schleppend. Eine Dame aus der Regie, verkabelt am ganzen Körper, weist trotz freier Platzwahl die Gäste auf die Plätze. Am besten nach vorne sollen sie gehen, sagt sie, „dann sieht das Fernsehbild besser aus.“ Ein Teil der letzten Reihe wird komplett abgebaut. Am Ende sind es 31 Zuschauer, durchweg des älteren Semesters. Sie wollen mitreden, den Doppelpass mit dem NDR spielen. Ihre Fragen haben sie schon lange vor der Gesprächsrunde an ihren Heimatsender geschickt: der Schlager, die Rundfunkgebühr, das Fernsehprogramm.

Es dauert nur ein paar Minuten. Funkhausdirektorin Elke Haferburg zwingt sich zu einem Lächeln. Sie hat gewusst, dass es kommt.

Die Sache mit dem Schlager, nun ja: Er polarisiert ungemein, sagt sie. Haferburg versucht es mit Studien. Eine Analyse hätte gezeigt: Läuft beispielsweise auf NDR 1 Radio MV Helene Fischer, schalten viele Hörer weg. Und oft kämen sie dann nie wieder zurück. Der Schlager als Totengräber des NDR?

Ernste Mienen im Publikum. Drei Leute klatschen. Die Mischung, erklärt Haferburg, ist ein Kompromiss, und mitnichten ein schlechter: Kein Sender in MV bedient sich an einem größerem Fundus, eine Vielfalt, genährt aus 1400 Liedern. Alles schön und gut, erwidert ein Gast, aber er als Stammhörer müsse einfach mal etwas loswerden: Wie gerne hätte er eine Stecknadel, um diese 99 Luftballons zu zerstechen! „Oder kennt irgendwer einen, der diesen Zug nach Pankow aufhalten kann?“

Wieder eine Meldung. „Aber dass Helene gar nicht mehr gespielt wird, ist auch nicht gut!“ Zustimmendes Nicken. Haferburg grätscht dazwischen: „Wollen wir den Schlager erstmal zurückstellen?“ NDR-Intendant Lutz Marmor ist auch da. Bei jedem seiner Sätze gestikuliert er mit den Händen, der Blick nicht in die Fernsehkamera, sondern zum Publikum gerichtet. Er brennt für den NDR. Rund 60 Cent pro Tag, rechnet er vor, mehr kostet der Rundfunkbeitrag nicht. Klingt besser als 17,50 Euro im Monat. Über die Höhe beschwert sich aus dem Publikum niemand. Vielmehr scheint der Beitrag für die Zuschauer ein Versprechen, frei nach dem Motto: Wer Geld bezahlt, kann mitbestimmen.

Dass Nordmagazin, die erfolgreichste Regionalsendung Deutschlands, könnte bei den Dorfgeschichten doch mal bitte in die schönen Ostseebäder auf den Darß kommen! Wie wäre es mit Firmenportraits, Mecklenburg-Vorpommern hätte viel zu bieten. Überhaupt, das Nordmagazin: mehr davon wäre schön. Und, ach ja: Wenn über den Tag verteilt die Nachrichten im Radio immer gleich sind, sei das nicht gut, quasi langweilig. Mehr Abwechslung bitte.

Viele, viele Wünsche.

Am Ende geht es beim „Talk im Funkhaus“ dann doch noch um Fußball. Lutz Marmor findet, einem Intendanten ginge es manchmal wie dem Bundestrainer Joachim Löw, der sich vor lauter gutgemeinter Ratschläge gar nicht retten könne. „Jeder glaubt zu wissen, wie es am Besten geht.“



 

zur Startseite

von
erstellt am 17.Mai.2017 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen