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Häufiger Antibiotikaeinsatz bei Hähnchen und Puten : Doping im Hühnerstall

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Das kann nicht gesund sein: Masthähnchen in Mecklenburg-Vorpommern werden in ihrem 40 Tage zählenden Leben vom Brutschrank bis zum Schlachthof mindestens alle 20 Tage mit Antibiotika behandelt.

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erstellt am 22.Nov.2011 | 08:25 Uhr

Schwerin | Das kann nicht gesund sein: Masthähnchen in Mecklenburg-Vorpommern werden in ihrem 40 Tage zählenden Leben vom Brutschrank bis zum Schlachthof mindestens alle 20 Tage mit Antibiotika behandelt. Stichproben hätten ergeben, dass in den Beständen "deutlich über zwei Behandlungen je Mastdurchgang" erfolgen, kritisierte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gestern einen zu hohen Medikamenteneinsatz in den Geflügelbeständen. Puten sind nicht besser dran: Den Untersuchungen zufolge bekommen die Tiere alle 17 bis 20 Tage in der 17 bis 20-wöchigen Mastzeit Arzneimittel verabreicht. "In Putenmastbetrieben wurden mitunter bis zu sieben unterschiedliche antibiotikahaltige Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen eingesetzt", erklärte Backhaus gestern in einer Anhörung im Agrarausschuss des Landtages. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung gehöre auf den Prüfstand, forderte die umweltpolitische Sprecherin und Obfrau der Linksfraktion im Agrarausschuss, Mignon Schwenke, gestern nach der von ihrer Fraktion beantragten Ausschuss-Sondersitzung. "Dabei kann es nicht nur um die Hähnchenmast gehen, es muss die gesamte Tierhaltung betrachtet werden." Die gesamte Haltungskette vom Küken bis zur Schlachtung müsse überprüft werden. "Gesunde Tiere in gesunder tiergerechter Stallhaltung brauchen keine regelmäßigen Medikamentengaben", meinte sie.

In der Geflügelbranche macht sich der Dopingverdacht breit: Nach einer erstmals in Deutschland erarbeiteten Studie hat der Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast alarmierende Ausmaße. Dem Gutachten zufolge werden in Nordrhein-Westfalen mehr als 96 Prozent der Tiere mit Antibiotika behandelt. "Das Ergebnis verursacht bei mir dauerhafte Übelkeit", hatte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) bei der Veröffentlichung der Studie erklärt.

Das System der Massentierhaltung sei nicht mehr tragbar, kritisierte die stellvertretende Vorsitzende des Agrarausschuss, Ursula Karlowski (Bündnis 90/Die Grünen), den Medikamenteneinsatz. Die Vergabe von Antibiotika in der Hähnchenmast sei auch in MV an der Tagesordnung. Die Methode trage "in sich das Risiko, dass sowohl resistente Keime als auch die Antibiotikarückstände über die Fäkalien in die Umwelt gelangen können und so zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem werden", meinte Karlowski.

Der Medikamenteneinsatz zieht indes Kontrolleure in die Ställe. Bei 445 Kontrollen in den tierärztlichen Hausapotheken und bei Tierhaltern seien in diesem Jahr u. a. fünf Verstöße gegen die Nachweispflicht festgestellt, 50 ordungswidrigkeitsverfahren eingeleitet und sieben Strafanzeigen gestellt. 61 Fleischproben in Masthähnchenbetrieben seien indes ohne Befund geblieben, teilte Backhaus mit. Dennoch: "Auch wenn im Fleisch keine Rückstände nachgewiesen werden, muss die Anzahl der Behandlungen und damit die Menge der eingesetzten Antibiotika deutlich eingeschränkt werden." Er kündigte den Einsatz einer Strategiegruppe und den Aufbau eines Eigenkontrollsystems für Tierhalter an. Ab 1. 1. 2012 solle in ausgewählten Betrieben ein Überwachungssystem eingeführt werden.

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