zur Navigation springen

Herzogliche Sammlung : Donata will mehr Kunst zurück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Herzogin zu Mecklenburg möchte Gegenstände im Wert von 500 000 Euro vom Land. Gericht gab ihr recht. Finanzministerium sperrt sich

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Der Streit zwischen Herzogin Donata zu Mecklenburg-von Solodkoff und dem Land Mecklenburg-Vorpommern um weitere Kulturgüter ist noch lange nicht beendet. Nachdem die Enkelin von Friedrich Franz IV. vor zwei Jahren große Teile der herzoglichen Kunstsammlung, über die 17 Jahre lang verhandelt wurde, an das Land verkauft hat, machte sie nun weitere Ansprüche geltend. Aber das Land will die Stücke nicht herausrücken.

Es geht um einen Streitwert von 500 000 Euro – Bücher, Musikinstrumente, Münzen, Medaillen und die ehemalige Kunstsammlung Wiligrad. „Das Verwaltungsgericht Greifswald hat geurteilt, dass die Gegenstände der Herzogin zurückzugeben sind“, sagt ihr Kieler Anwalt Prof. Karsten Witt. „Dem widersetzt sich das Land.“

Tatsächlich differieren die Rechtsauffassungen der Herzogsfamilie und des Finanzministeriums, in dem nach der Auflösung des Amtes für offene Vermögensfragen, verbleibende Restitutionsansprüche aus Enteignungen nach 1945 bearbeitet werden. Das Land ist der Auffassung, dass die Fristen zur Beantragung der Vermögensrückführungen bzw. Entschädigungen für die Herzogin nach dem Ausgleichsleistungsgesetz wie vereinbart 1995 abgelaufen war. Der Anwalt der Herzogin vertritt die Meinung, dass mit einer Formulierung in deren damaligen Rückübertragungsantrag weitere Ansprüche, die damals den Antragstellern selbst noch nicht bekannt waren, dezidiert offen gelassen wurden. „Wir haben immer deutlich gemacht, dass weitere Kulturgüter beansprucht werden“, sagt Karsten Witt.

Seiner Auffassung ist Ende Februar das Verwaltungsgericht in Greifswald gefolgt. Zudem wurde in dem Urteil eine Revision nicht zugelassen. Das heißt, das Land muss die Gegenstände zurückgeben. Mit einer Nichtzulassungsbeschwerde will jetzt das Finanzministerium dennoch eine Neuverhandlung am Oberlandesgericht erreichen. „Wir haben die Pflicht, das Vermögen des Landes zu bewahren“, sagt Stefan Bruhn, Sprecher des Ministeriums.

Vor zwei Jahren hatte das Land für 9,5 Millionen Euro 252 Kunstwerke, die der Herzogin zurückgegeben worden waren, angekauft. Die „Sammlung Christian Ludwig“, die als „Sammlung Herzogliches Haus Mecklenburg-Schwerin“ im Ludwigsluster Schloss zu sehen ist, besteht vor allem aus Gegenständen, mit denen Friedrich Franz IV. seit 1920 das Schloss in Ludwigslust einrichtete; meist Dinge aus den anderen Schlössern, die die Familie nach ihrer Entmachtung 1918 dem Staat überlassen musste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung beschlagnahmt, aber 1997 wieder der Familie zu Mecklenburg zugesprochen. Zur Sammlung gehören zahlreiche Portraits der Fürstenfamilie aus dem 18. Jahrhundert, gemalt vom Hofmaler Georg David Matthieu.

Ob mit dem Vertrag alle Ansprüche der Familie gegenüber dem Land endgültig vom Tisch sind, wollte Donata zu Mecklenburg vor zwei Jahren nicht beantworten. Damals erhoffte sich das Land, dass die Herzogin im Zuge der Weltkulturerbebewerbung Schwerins eine Stiftung für Forschungen zum Thema an der Hochschule Wismar unterstützt. Dazu ist es durch den neuerlichen Rechtsstreit nicht gekommen. Donata zu Mecklenburg sagte unserer Redaktion: „Von der Stiftungsprofessur habe ich nichts mehr gehört.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen