Prora : Dokumentationszentrum rückt näher

Blick auf Block 5
Blick auf Block 5

Privatinvestoren bauen Prora zu einem Wohn- und Ferienzentrum um. Die Geschichte des Ortes soll dennoch keine Nebenrolle spielen.

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24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Der Betrieb eines modernen Dokumentationszentrums zur NS- und DDR-Geschichte von Prora auf der Insel Rügen rückt näher. Eine gestern in Stralsund vorgestellte Machbarkeitsstudie bescheinigt einem solchen Ausstellungs- und Bildungszentrum im Block 5 der einst von den Nationalsozialisten als „Seebad der 20 000“ konzipierten Anlage einen wirtschaftlichen Betrieb. Vorausgesetzt werden dafür unter anderem ein hoher Fördersatz bei der Sanierung des entsprechenden Gebäudeteils sowie jährlich 55 000 bis 140 000 Besucher.

Prora sei eine Stätte von nationaler Bedeutung, sagte die Bundestagsabgeordnete der Linken, Kerstin Kassner. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen geht davon aus, dass sich Bund und Land an der Sanierung beteiligen. Vor dem Baustart – möglichst bis 2021 – müssten aber noch rechtliche Hürden ausgeräumt und die Finanzierung gesichert werden. Frühere Schätzungen gingen von Baukosten von fünf Millionen Euro aus.

In Prora wollten die Nationalsozialisten ein gigantisches Seebad mit 20 000 Betten errichten. Der 1936 begonnene Bau der 4,5 Kilometer langen Anlage wurde 1939 mit Kriegsausbruch eingestellt. Nach Kriegsende wurde das Gelände militärisch genutzt.

Nach der Wende entstanden zwei Ausstellungszentren: Das Dokumentationszentrum, das den Fokus auf die Sozialgeschichte des NS-Regimes legt, und das Prora-Zentrum mit dem Schwerpunkt DDR-Geschichte. Sie hatten 2017 den Dachverein Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora gegründet.

Das neue Dokumentationszentrum soll über alle sechs Stockwerke im Mittelteil des 450 Meter langen Blockes entstehen. Geplant sei zudem eine Dachterrasse.

Von den fünf komplett erhaltenen Blöcken der denkmalgeschützten Anlage hat der Bund seit 2006 vier Blöcke an Privatinvestoren verkauft. In ihnen entstanden bereits hunderte Ferien-, Eigentums- und Mietwohnungen.

Der fünfte Block ist der letzte in öffentlicher Hand. Er gehört dem Landkreis Vorpommern-Rügen. In einem Drittel des 450 Meter langen Gebäudes ist seit 2011 eine Jugendherberge beheimatet, nachdem dieser Abschnitt für 16, 4 Millionen Euro saniert worden war. Nun will sich der mit der Finanzierung einer Bildungsstätte überforderte Kreis von zwei Dritteln des Gebäudes trennen.

Der Mittelteil mit der künftigen Ausstellung soll an einen Eigentümer gehen, der auch nach einem hohen Fördersatz öffentliche Unterstützung erhalten müsse, sagte Landrat Ralf Drescher (CDU). Entsprechende Gespräche liefen.

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