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Bundespolitik in Jamel : „Dörfer nicht vergessen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Integrationsbeauftragte des Bundes, Aydan Özogus, bei Mecklenburger Künstlerpaar Lohmeyer

Rosarot blühen die Beetrosen bei frühlingshaftem  Winterwetter auf dem alten Forsthof von Jamel. In dem kleinen Dorf bei Wismar, gelegen am Ende einer Sackgasse, trotzt das aus Hamburg zugezogene Künstlerpaar Birgit und Horst Lohmeyer seit Jahren Anfeindungen von Rechtsextremisten. Der Ort wird von Neonazis dominiert, etliche Familien haben sich angesiedelt, die ihre rechte Gesinnung offen zur Schau tragen.

Zur „Rückenstärkung“ besuchte gestern nun die Integrationsbeauftragte des Bundes, Staatsministerin Aydan Özoguz, die Eheleute Lohmeyer.„Die Dörfer, die dürfen wir nicht sich selbst überlassen“, sagte Özoguz. „Wir dürfen Rechtsextremen nicht die Räume überlassen, in denen sie Hass und Terror schüren und ihre menschenverachtende Strategie der nationalen Dörfer umsetzen können. Wenn das passiert, ist unsere freiheitlich demokratische Kultur in Gefahr“, erklärte die SPD-Politikerin.

Das Ehepaar Lohmeyer veranstaltet jeden Sommer das Musikfestival für Demokratie und Toleranz „Jamel rockt den Förster“. Im August hatten Die Toten Hosen spontan ein Sonderkonzert gegeben, nachdem die reetgedeckte Scheune auf dem denkmalgeschützten Forsthof einem Brandanschlag zum Opfer gefallen war. Von den Brandstiftern fehlt noch immer jede Spur. „Der Anschlag war rechtsextremistisch motiviert“, sagte Birgit Lohmeyer. Ein Wiederaufbau als Kulturscheune sei geplant. Die Öffentlichkeit solle öfter als nur einmal im Jahr zum Musikfestival ins Dorf geholt werden. Mehr politische Bildung auch mit Mitteln der Kunst sei ein Weg gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. „Wir dürfen uns nicht ausruhen, das erledigt sich nicht von alleine“, warnte Horst Lohmeyer.

Das Ehepaar wünscht sich vor allem mehr Kommunikation zwischen Politik und Bürgern. Staatsministerin Özoguz schlug vor, auf dem Forsthof Jamel regelmäßig Veranstaltungen mit Jugendlichen aus der Region durchzuführen, um besser miteinander ins Gespräch zu kommen und etwa Flüchtlingsfragen zu diskutieren. Am Abend traf sich Özoguz noch beim Hilfsverein „Das Boot Wismar“ mit Flüchtlingen aus Eritrea, anschließend war eine Podiumsdiskussion geplant.  

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