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Ministerium hat Förderung abgesagt : Dömitz probt den Aufstand

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Die Bürgermeisterin der Stadt wähnte sich vor der Landtagswahl in der Hoffnung, dass der Schwerlastverkehr und landwirtschaftliche schwere Technik aus der Stadt über eine Entlastungsstraße umgeleitet werden könnten.

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2012 | 12:22 Uhr

Dömitz | Die Bürgermeisterin der Stadt Dömitz probt den Aufstand. Renate Vollbrecht kann sich dabei einer breiten Unterstützung der Einwohner sicher sein. Sie wähnte sich vor der Landtagswahl in der vielversprechenden Hoffnung, dass der Schwerlastverkehr und landwirtschaftliche schwere Technik aus der Stadt über eine Entlastungsstraße umgeleitet werden könnten. Doch diese Hoffnung wurde vor kurzem in einem Gespräch zwischen dem Stadtoberhaupt und dem Referatsleiter Alfred Kohlenberger vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern zerstört. Der für eine Verkehrsberuhigung in Dömitz wichtige Brückenbau auf der L 04 besitzt nicht mehr die Priorität, um schnell in Angriff genommen zu werden. Das dürfte das Aus auf Jahre bedeuten, ärgert es Bürgermeisterin Renate Vollbrecht (kleines Foto).

Doch die Vollblut-Kommunalpolitikerin gibt so schnell nicht auf. Mit der Unterstützung aus der Amtsverwaltung startet eine Unterschriftenaktion, deren Listen am morgigen Donnerstag überall in öffentlichen Gebäuden, fast allen Geschäften und lokalen Treffpunkten ausliegen. "Wer seine Unterschrift auf den Listen abgibt, der hilft, der Stadt mehr Ruhe zu geben", bittet Renate um die Kraft der Dömitzer Einwohner.

Das Problem von Lärm und Erschütterungen ist in Dömitz kein unbekanntes und war bereits im Jahr 2008 in aller Munde. Einwohner aus der Innenstadt hatten damals bereits eine Unterschriftenaktion initiiert, die allerdings im Sande verlief. Als Initiatorin informierte Bärbel Fuhrmann über den Verkehrslärm und die Erschütterungen, die der Schwerlastverkehr verursacht, sprichwörtlich den Putz aus den Fugen holt. "Die Pflasterung der Fritz-Reuter-Straße, die in den 90er Jahren aufgebracht wurde, verstärkt bis heute die Lärmentwicklung. Durch diesen unebenen Fahrbahnbelag scheppern Türen und Fenster, Lampen wackeln, wenn Brummis, Linienbusse und Traktoren an den Häusern vorbeirollen. Die Tempo 30-Schilder werden fast ausnahmslos ignoriert - es kontrolliert ja auch niemand", rügt Bärbel Fuhrmann noch heute. "Die Dömitzer Altstadt steht auf einer Insel, die auf einem schwammigen Untergrund ruht. Deshalb muss der Verkehrsfluss im Kern des Stadtgebietes für die Erhaltung der Gebäude beruhigt werden. Fast alle Häuser unterliegen dem Denkmalschutz. Man kann gar nicht so schnell sanieren, wie der Verkehr wieder alles zerstört. Wo sollen wir Hausbesitzer all das Geld hernehmen?", fordert und fragt sich nicht nur Hausbesitzerin Fuhrmann.

Obwohl der damaligen Unterschriftenaktion eine fundierte Verkehrsdatenerfassung beigefügt worden war (SVZ berichtete), kam es lediglich zum Aufstellen der Beschilderung "Tempo 30". Jetzt werden sogar Stimmen in der Bevölkerung laut, die bereit wären, eine Demo anzumelden und eine Sitzblockade auf der Bundesstraße in der Innenstadt zu veranstalten.

Die Lösung könnte der Ausbau der L 04 - von der B 191 aus - über die so genannte Hohe Brücke sein. Die ist aber marode und seit Jahren gesperrt. Es brodelt offensichtlich hinter den Kulissen der Landesverwaltung: Die im Volksmund als Europastraße bezeichnete Straßenführung von der Bundesstraße 191 benötigt die Querung, die allerdings in Hoheit einer anderen Behörde liegt. Da stellt sich wohl die Frage: Wer zahlt wann, warum und wie viel, um die Einwohner einer Stadt im ländlichen Bereich zu entlasten?

Die SVZ fragte beim Referatsleiter Kohlenberger nach: Der sah einen möglichen Baubeginn für die Hohe Brücke nun für Ende 2013, da sich die derzeitigen Planungen verändert hätten. Eine verbindliche Aussage konnte er hingegen nicht abgeben. Was Ende 2013 sein wird, das wisse er nicht.


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