Schulen in MV : Doch kein Lehrermangel?

Unterrichtsausfälle wegen fehlender Lehrer und unqualifizierte Vertretungen - das ist auch in diesem Jahr Alltag an vielen Schulen.
Unterrichtsausfälle wegen fehlender Lehrer und unqualifizierte Vertretungen - das ist auch in diesem Jahr Alltag an vielen Schulen.

Vor allem im ländlichen Raum lässt sich Unterrichtsausfall an Schulen schwerer kompensieren

23-48119646_23-66107919_1416392375.JPG von
16. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Fakt ist: Nur 60 von rund 11  000 Lehrstellen im Land sind nicht besetzt. Fakt ist auch, dass zum 1. August dieses Jahres 360 Lehrstellen ausgeschrieben waren, jedoch sogar 408 Lehrkräfte eingestellt wurden. Das teilte das Bildungsministerium mit. „Einen Lehrermangel haben wir nicht“, betont der Sprecher Henning Lipski. Fakt ist aber auch, dass es an vielen Schulen in MV trotzdem immer wieder zu massiven Unterrichtsausfällen kommt.

So auch an der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg David-Franck. Seit Schuljahresbeginn bekämen die Schüler der sechsten Klassen hier keinen Physikunterricht, beklagte sich eine Mutter Anfang November gegenüber unserer Lokalredaktion in Sternberg. Der zuständige Lehrer sei seit mehreren Monaten langzeiterkrankt.

Das Problem: Auf mehrere Ausschreibungen hin, konnte kein geeigneter Vertretungslehrer gefunden werden. Das könnte zum einen an der Fachausrichtung und zum anderen an der ländlichen Lage Sternbergs liegen, sagt Lipski und räumt ein: „Wir können uns nicht davon freisprechen, dass alle Stellen besetzt sind. Aber die Mangelsituation ist eher punktuell.“

Lehrer für Naturwissenschaften zu finden, sei nicht nur an der Sternberger Schule ein Problem. Auf Stellenausschreibungen meldeten sich oft Absolventen, die Sozialwissenschaften studiert haben. „Von ihnen gibt es mehr Bewerber als Plätze“, so Lipski. Allein im Wintersemester 2016/17 schrieben sich an MVs Hochschulen laut Statistischem Amt 2536 Studenten für ein geisteswissenschaftliches Lehramtsstudium ein. Für ein naturwissenschaftliches interessierten sich hingegen nur 678 Studierende.

Und dann gibt es noch das Problem der Lage: Zwar habe das Land für alle Schularten Stellen für Vertretungskräfte eingerichtet, jedoch müssen die Lehrer für die Anreise an die jeweilige Schule selbst aufkommen. Der CDU-Ortsverband von Sternberg hat daher am Mittwoch einen Antrag gestellt, einen Teil der Fahrtkosten für einen Vertretungslehrer aus dem Haushalt der Stadt zu bezahlen. Ähnliche Forderungen wurden auch auf der Studentischen Lehramtskonferenz (SLK) der Universität Rostock laut. Da es für Lehramtsstudenten nicht genug Praktikumsplätze in der Hansestadt gebe, sei es sinnvoll, eine Fahrkostenrückerstattung einzuführen (wir berichteten).

Auch Simone Oldenburg fordert unverzüglich Maßnahmen, um Unterrichtsausfall möglichst zu vermeiden „Die Landesregierung nimmt billigend in Kauf, dass einzelne Fächer überhaupt nicht unterrichtet werden können“, so die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Wir fordern die Landesregierung auf, bei den Schulen die unbesetzten Lehrerstellen abzufragen.“

Immerhin: Durch die Berichterstattung in der Lokalausgabe der SVZ in Sternberg konnte eine Quereinsteigerin als Vertretungslehrerin für den Physikunterricht an der David-Franck-Schule gefunden werden. Außerdem könne die Stelle voraussichtlich ab dem 1. Februar neu besetzt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen