zur Navigation springen

Einzigartig in MV : Dobbertins doppeltürmige Kirche

vom
Aus der Onlineredaktion

Umbau des Gotteshauses wurde vor 160 Jahren verändert und ist in Mecklenburg einzigartig geblieben

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2017 | 16:04 Uhr

Die Klosterkirche in Dobbertin ist in Mecklenburg etwas Besonderes: Sie ist die einzige doppeltürmige Kirche im Land und mit einer Höhe von mehr als 50 Metern unter den Dorfkirchen eine imposante Erscheinung. Am 11. Oktober jährt sich zum 160. Mal die Wiedereinweihung der Kirche nach ihrer Umgestaltung im 19. Jahrhundert.

Mit dem Bau der ersten Backsteinkirche hatte man im Kloster Dobbertin am Jawir-See, dem heutigen Dobbertiner See, vor 740 Jahren begonnen. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde in der Kirche die Nonnenempore eingefügt. In Mecklenburg ist es die letzte erhaltene Nonnenempore aus alten Klosterzeiten. Noch Mitte des 19. Jahrhundert war das Kloster Dobbertin eines der reichsten und größten Wirtschaftsunternehmen im Land Mecklenburg.

Nur die mittelalterliche Klosterkirche machte einen sehr verfallenen Eindruck – etwas Neues musste her. Junge Architekten, erfahrene Baumeister und Handwerker des Landes sollten den angedachten Umbau ausführen, doch die Landesherren zögerten auch damals schon.

Dobbertins Klosterkirche wurde vor dem Verfall gerettet und beeindruckt mit ihren beiden Türmen.
Dobbertins Klosterkirche wurde vor dem Verfall gerettet und beeindruckt mit ihren beiden Türmen. Foto: Achim Bötefür
1825 erhielt dann der junge Georg Adolph Demmler, der spätere Schweriner Schlossbaumeister, den Auftrag zum Turmbau und der kompletten Umbauung der alten Kirche. 1829 begann der Bau der Doppelturmanlage, die Ziegel lieferten die klostereigenen Ziegeleien in Mestlin, Lähnwitz und Lohmen. Der Turmbau wurde nach acht Jahren vollendet, die äußere Umbauung 14 Jahre später abgeschlossen.

Weil Demmler ein engagierter Sozialdemokrat war, entließ ihn Großherzog Friedrich Franz II. 1851 aus dem Staatsdienst. Auch an der Dobbertiner Klosterkirche gab es für den Architekten keine Arbeit mehr. Der Innenausbau des Gotteshauses war jedoch längst noch nicht fertiggestellt. Die Landesherren drängelten und schlugen den Berliner Oberbaurat August Stüler vor. Doch die Klostervorsteher wollten keinen Preußen: So kam der Wismarer Baumeister Heinrich Thormann zum Zuge. Die Baukonferenzen leitete der Schweriner Hofbaurat Theodor Krüger, der für den Kirchenbau in Mecklenburg verantwortlich war. Als denkmalpflegerischen Beirat hatte man aus Schwerin den Konservator für historische Kunstdenkmäler, den Geheimen Archivrat Dr. Friedrich Lisch, berufen.

In den Baukonferenzen der folgenden Jahre hatten es die Klostervorsteher mit Thormann nicht immer einfach, denn der Baumeister konnte anfangs kein klares Konzept vorlegen. Häufiger gab es Zank und Streit zu schlichten. So wurde der Orgelbauer Ernst Sauer von Thormann als Grobschmied beschimpft und der Geheime Archivrat Lisch bezeichnete Thormanns Entwürfe sogar als Wirtshausdekoration. Erst im entscheidenden Jahr 1857 besann man sich wieder auf eine konstruktive Zusammenarbeit.

Besonderes Augenmerk legte man auf die bildliche Ausschmückung der Kirche, so beim Altar, der Kanzel, der Orgel und den Buntglasfenstern im Chorbereich. Das Altarbild malte der Schweriner Hofmaler Gaston Lenthe. Die Predella mit dem Abendmahl stammt vom Historienmaler Prof. Gustav Stever. Die Glasmalereien in den Chorfenstern des Gotteshauses schuf der Schweriner Porzellan- und Glasmaler Ernst Gillmeister. Die Entwürfen lieferten Lenthe und Stever.

Die Figuren der vier Evangelisten auf den Stelen im Chor modellierte der in Dobbertin geborene spätere Bildhauer Gustav Willgohs, sein Vater war der Klosteramtsarzt. Willgohs’ Originale stehen heute in der Schweriner Schlosskirche.

Die feierliche Wiedereinweihung der Dobbertiner Klosterkirche erfolgte am 11. Oktober 1857. Auf dem Klosterplatz vor der Kirche hatten sich fast 1000 Menschen aus den umliegenden Klosterdörfern mit ihren Dorfschulzen und Pastoren sowie Dobbertiner und Goldberger Bürger versammelt. Unter Glockengeläut kamen die 32 Damen des klösterlichen Konvents und die Klostervorsteher mit den oberen Geistlichen zur Kirche. Vor den geschmückten Kirchentüren der mächtigen Doppelturmanlage standen alle am Bau beteiligten Künstler und Handwerker. Dort übergab Baumeister Thormann den Kirchenschlüssel an die Bauherren, den Provisor Landrat Hans Dietrich Wilhelm von Blücher und den Klosterhauptmann Julius Otto Freiherr von Maltzan.

Im Kircheninnern war man von der im einfachen Stil durchgeführten Restaurierung sehr beeindruckt. Die kirchliche Feier endete mit voller Orgelbegleitung und Glockengeläut. An der neuen Sauer-Orgel spielte damals der Schweriner Hoftelegrafist Burmeister.

Nach 28-jähriger Bauzeit war an und in der Dobbertiner Klosterkirche unter geschickten Händen der Gesellen, Baumeister und Künstlern Vorzügliches für den Kirchenbau geschaffen worden. Nun bauen die Landesherren an ihrer 1990 vor dem Einsturz geretteten, im Landeseigentum befindlichen Kirche schon wieder 27 Jahre. Man wünscht ihnen, dass sie die innere Restaurierung bis zur 800-Jahr-Feier des Klosters Dobbertin im Jahre 2020 schaffen. Bis dahin sollten in der Klosterkirche wieder eine Orgel spielen und auch die drei Glocken läuten können.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen