Fritz-Reuter-Bühne Schwerin : Dissen Penner kann hulpen warden

Michel (Christoph Reiche) landet bei Katrin (Kerstin Westphal, r.) und Sarah (Anna Reinhard, M.).·
Michel (Christoph Reiche) landet bei Katrin (Kerstin Westphal, r.) und Sarah (Anna Reinhard, M.).·

Erfolgreiche Premiere der Fritz-Reuter-Bühne Schwerin mit „Noch mal von vörn“

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18. Januar 2018, 12:00 Uhr

Mit einer Komödie startete am Dienstagabend die Schweriner Fritz-Reuter-Bühne ins plattdeutsche Theaterjahr 2018. Im – wie immer – gut besetzten Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters hatte „Noch mal von vörn“ Premiere, ein von Gesa Retzlaff ins Niederdeutsche übertragenes Stück des Franzosen Antoine Rault.

„Noch mal von vörn“ soll nämlich der alkoholaffine Obdachlose Michel (Christoph Reiche) sein bis dahin desaströses Leben beginnen und es diesmal richtig in den Griff kriegen. So zumindest hat es die taffe Karrierefrau Katrin (Kerstin Westphal) beschlossen, die den Penner ausgerechnet Heiligabend vor ihrer Haustür aufgesammelt hat. Dabei hat sie beruflich genug zu tun und liegt außerdem im permanenten Kleinkrieg mit ihrer upsternatschen Teenager-Tochter Sarah (Anna Reinhard). Komplikationen sind also programmiert.

In einer von Bühnenbildnerin Katja de Vries gestalteten pastellfarbenen Wohnung gehobenen Mittelstandes nimmt das Geschehen seinen Lauf – ohne große Überraschungen, vorhersehbar wie die Regenschauer in der letzten Woche. Regisseur Klaus Engeroff steuert trotzdem sein französisches Komödien-Schifflein sicher durch das nur sanft plätschernde und nicht besonders tiefe Gewässer dieses Geschehens und umschifft dabei erfolgreich die drohenden Sandbänke des Sozialkitschs.

Seine dreiköpfige Crew spielt tapfer gegen die Unzulänglichkeiten des Stoffes an. Christoph Reiche bewältigt die Wandlung des von mangelndem Selbstwertgefühl gebeutelten und trinkfreudigen Clochards Michel zum wieder auf eigenen Beinen stehen könnenden IT-Techniker in bewährter Weise; wiewohl der Zuschauer gar nicht erfährt, wie das eigentlich zugegangen sein könnte. Anna Reinhard gibt bei ihrem niederdeutschen Debüt bei der Reuter-Bühne die aufsässige Sarah: rotzig, frech, egoistisch, zickig und zugleich auch verletzlich in ihrem Liebeskummer. Sie wird beim Publikum wohl in Erinnerung bleiben, wenn vielleicht auch nur, weil man sich freut, ein solches Exemplar wie die Sarah nicht in der Familie zu haben. Ja, so gut ist das gespielt.

Kerstin Westphals unterkühlte Erfolgsfrau Katrin sieht die Resozialisierung des Penners zunächst nur als ein Projekt der eigenen Karriere, aber ihr Eispanzer beginnt zu bröckeln, und sie entdeckt, dass „dat Gefäuhl“ auch seinen eigenen Wert haben kann.

Diese Wandlung spielt sie eindrucksvoll. So sieht man dann frei nach Tucholsky „...noch in ihre Lippen den Helden seinen Schnurrbart stippen...“ Vorhersehbar – Komödie eben, vom Premierenpublikum mit viel Beifall bedacht. Etwas ist noch nachzutragen: Fast jeder Szenenwechsel wird begleitet von der sonoren und rauchigen Stimme des unvergessenen Leonard Cohen. Göttlich!

Die nächsten Vorstellungen

E-Werk Schwerin:

  • 25. 1. - 19.30 Uhr;
  • 28. 1. - 18 Uhr;
  • 3. 2. - 19.30 Uhr;
  • 28. 2. - 19.30 Uhr


Stadthalle Parchim:

  • 14.2. - 19.00 Uhr

Ernst-Barlach-Theater Güstrow:

  • 17. 2. - 19.30 Uhr

Volkstheater Rostock:

  • 21. 2. - 19.30 Uhr

Helmut Schultz


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