Berlin : Diskussion mit dem Bundespräsident

Große Vorfreude: Die Schüler der Beruflichen Schule Wirtschaft und Verwaltung und der Beruflichen Schule Technik vor dem Filmstart.
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Große Vorfreude: Die Schüler der Beruflichen Schule Wirtschaft und Verwaltung und der Beruflichen Schule Technik vor dem Filmstart.

Schüler reisen zur „Elser“-Sondervorführung mit Joachim Gauck.

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24. April 2015, 11:45 Uhr

Nach dem Abspann war da zunächst nur betroffene Stille im Zoo-Palast. Es dauerte einige Augenblicke, bis 650 Schüler aus ganz Deutschland sich gesammelt hatten und der Diskussion mit Bundespräsident Joachim Gauck und den Filmemachern stellen konnten.

Auch die 18 Abiturienten der Schweriner Beruflichen Schulen für Wirtschaft und Verwaltung und für Technik hatten viel zu verarbeiten, als sie am späten Abend im Bus nach Hause fuhren. Auf Einladung unserer Zeitung waren sie gemeinsam mit Schülern aus Neumünster nach Berlin gereist, um sich „Elser – Er hätte die Welt verändern können“ gemeinsam mit dem Staatsoberhaupt und Lebensgefährtin Daniela Schadt anzuschauen. Zum Fragenstellen kamen zwar wegen der auf eine halbe Stunde angesetzten Runde nur wenige. Dennoch zeigten sich die Schüler beeindruckt.

„Wir haben zwar in Geschichte viel zur Nazizeit gemacht, aber Georg Elser war uns fremd“, hatte Leni Czirpka noch auf dem Weg nach Berlin gesagt. Auch ihre Klassenkameraden waren gespannt. „Wir freuen uns, dass wir Joachim Gauck sehen und hören werden“, erklärten Tom Kay und Lidwina Käber. In Büchern sei Geschichte oft gut erklärt, „aber bei einem Film bleibt viel mehr hängen“.

Schon nach wenigen Filmsequenzen waren die Schüler dann gefesselt, blickten gebannt zur Leinwand. „Ich musste mir zwischenzeitlich die Augen zuhalten“, sagt Lidwina nach dem Film. „Ich habe auch geweint. Nicht nur die Folterszenen waren sehr brutal“, erklärt Leni Czirpka. Trotz der Härte und des emotionalen Tiefgangs – die Schülerin würde sich ihn noch einmal anschauen. „Der Film hat wirklich zum Nachdenken angeregt und die Eindrücke werden noch eine Weile nachhallen.“ Nachdenklich fragt sich Antonia Block: „Musste er so hart sein? Ich sage Ja. Sonst wäre es nicht authentisch und würde nicht zeigen, wie grausam es wirklich war.“ Auch ihr kullerte manche Träne über die Wangen: „Einige Stellen waren nur schwer auszuhalten. Etwa als die Frau mit dem Schild um den Hals als Freundin eines Juden schikaniert wurde.“

Beeindruckt waren die Schüler von der Nazi-Sekretärin. „Gauck hat gesagt, sie war ein kleines Rädchen. Es reichte nicht für den großen Widerstand, aber für kleine Hilfen“, so Lisa-Marie Pressentin. „Diese Ohnmacht war bedrückend.“ Gauck stellte klar, der Film mache keine Reklame für politische Attentate. Auf Fragen zum Rechtsruck in der Gesellschaft ermunterte er, „dass überall, wo die Rechtsradikalen auftreten, 10-mal und 20-mal mehr Menschen da sind, die gegen sie stehen.“ Einige Schüler fanden danach, Gauck sei „cool drauf“.

Wie sie selbst gehandelt hätten? Die Frage beschäftigte die Jugendlichen noch lange. „Wahrscheinlich wären wir auch nur ein kleines Rädchen gewesen. Auf keinen Fall wie Georg Elser. Aber der Film macht auch mutig – mutig, sich den rechten Strömungen entgegenzustellen“, sagt Lidwina Käber. Richard Hundt fand neben Hauptdarsteller Christian Friedel auch die Rolle des Chefermittlers Arthur Nebe (Burghart Klaußner) beeindruckend. „Der Film hat so viel zu sagen, das muss man erst einmal verarbeiten. Viele Fragen sind geblieben.“ Elser wird nun nochmals im Unterricht behandelt, kündigte Lehrer Jens Leder an. Er hatte mit zwei weiteren Kollegen die Schüler begleitet. „Ob wir nun Gaucks Wunsch nachkommen und einen Aufsatz schreiben, das weiß ich nicht. Aber unsere Sichtweise hat sich definitiv geändert“, versichert Laura Jaacks.

"Elser" – Der Film

Erzählt wird die Geschichte des Widerstandskämpfers Georg Elser (Christian Friedel), der es am 8.  November 1939 durch einen Anschlag im Münchner

Bürgerbräukeller beinahe geschafft hätte, Adolf Hitler zu töten. Allerdings  hatte Hitler 13 Minuten zu früh sein Rednerpult verlassen und der Anschlag auf den Führer missglückte. Acht Zivilisten wurden bei der

Explosion getötet. Durch einen eher ungeschickten Umstand wird Georg  Elser verhaftet. Bei sich trug er die Zeichnungen für den  Bau der Bombe und die Planung des Anschlags. Elser wird  tagelang von Kripo-Mann (Burghart Klaußner) und Gestapo-Chef (Johann von Bülow) verhört und gefoltert.  Erst, als man auch seine große Liebe Elsa in Sippenhaft nimmt,  gesteht er. Doch die Nazis können nicht glauben, dass ein Mann allein zu so einer Tat fähig ist. Sie

wollen an die Hintermänner. Doch die gibt es nicht. Immer wieder  erzählt Elser, wie die Nazis sein schwäbisches Heimatdorf vereinnahmt haben, er und seine Freunde

darunter gelitten  haben. Elser kam ins KZ. Nur wenige Tage vor Kriegsende wird Elser 1945 im Konzentrationslager Dachau auf Hitlers Befehl ermordet.

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