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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 04:55 Uhr

AOK : Digitale Akte für die Gesundheit

vom
Aus der Onlineredaktion

AOK will Netzwerk für Versicherte ausbauen

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Schöne, neue Digital-Welt: Mit einem Pilotprojekt, an dem rund 8 000 Versicherte in der Region Vorpommern-Greifswald teilnehmen sollen, will die AOK erste Schritte auf dem Weg zu einer elektronischen Patientenakte gehen und damit den Grundstein für ein bundesweites Angebot legen. „In dieser Akte können die teilnehmenden Patienten ihre vom behandelnden Arzt in Praxis oder Klinik bereitgestellten Gesundheitsinformationen jederzeit einsehen oder anderen Ärzten zur Verfügung stellen“, teilte der AOK-Bundesverband gestern in Berlin mit.

Das neue Portal im Nordosten soll im November starten, ein weiteres Modellprojekt zum Jahreswechsel in Berlin. „Die Zeit ist reif für solche Angebote“, so Martin Litsch, Chef des AOK-Bundesverbandes. Ziel ist es unter anderem, teure Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden, für mehr Sicherheit bei Arzneimittelverschreibungen zu sorgen und den Informationsaustausch zwischen behandelnden Ärzten zu verbessern. Das Gesundheitsnetzwerk soll Schritt für Schritt auf andere Bundesländer ausgeweitet werden und von allen rund 26 Millionen AOK-Versicherten genutzt werden können.

Hintergrund sind die stockenden Bemühungen um die Digitalisierung des Gesundheitssystems und die elektronische Patientenkarte. Wie das Ende 2015 beschlossene „E-Health-Gesetz“ des Bundes vorsieht, müssen bis 2018 alle Arztpraxen und Krankenhäuser an ein bundesweites Netz angeschlossen werden. Bis Ende kommenden Jahres sollen Daten der Patienten wie Arztbriefe, Notfalldaten oder Angaben zu Medikationen in einer elektronischen Akte für die Patienten bereitgestellt werden.

Die AOK betonte gestern, ihr Projekt stehe „nicht in Konkurrenz“ zur gesetzlich vorgeschriebenen Telematik-Infrastruktur. Es sei „anschlussfähig“. Bei der Entwicklung würden technische Standards berücksichtigt, die einen Datenaustausch ermöglichten.

Die Krankenkasse sieht sich bestätigt durch neue Umfragen, wonach es inzwischen 82 Prozent der Befragten für sinnvoll halten, medizinische Daten in einer digitalen Krankenakte zu speichern. Allerdings: Die elektronische Gesundheitskarte, die bisher Kosten von rund 1,7 Milliarden Euro verursacht hat, bleibt hochumstritten und immer wieder wird über ein Aus für das Projekt spekuliert.

An dem AOK-Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern sollen das Ärztenetz „HaffNet“, in dem 45 niedergelassene Mediziner organisiert sind, sowie zwei Kliniken der Ameos-Gruppe in der Region teilnehmen. Welche es sein werden, wollen die Macher erst im November bekanntgeben. Das Unternehmen betreibt im Nordosten vier Krankenhäuser, in Ueckermünde, Anklam und Pasewalk.

Das Portal soll zum Start vier konkrete Anwendungen ermöglichen: Zunächst geht es um das Aufnahme- und Entlassmanagement, also um Informationen und Befunde, die für Weiterbehandlungen nach einem Klinikaufenthalt erforderlich sind. Darüber hinaus ist über das Gesundheitsnetzwerk ein Austausch von Berichten zwischen beteiligten Kliniken und niedergelassenen Ärzten möglich. Außerdem können Patienten eigene Dokumente wie Organspenderausweis oder Mutterpass hochladen und selbsterhobene Vitaldaten etwa aus sogenannten Wearables bereitstellen, die regelmäßig Blutdruck, Bewegung oder Puls messen.

Laut AOK entscheiden die Patienten, welcher Arzt welche Informationen abrufen darf. Die Daten sollen nicht zentral gespeichert werden, sondern grundsätzlich dort, wo sie erhoben worden sind – in der Klinik oder in der Praxis eines niedergelassenen Arztes. Zur Übertragung der Informationen wird das Netzwerk der Kassenärztlichen Vereinigungen genutzt. Patienten können online auf die Plattform zugreifen, müssen sich vorher jedoch eine Transaktionsnummer aufs Handy schicken lassen.

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