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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 23:37 Uhr

Horst : „Dieses Lager muss weg"

vom

In dem Amt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten leben im Moment etwa 300 Flüchtlinge. Eigentlich sollte die Nutzung des Lagers längst Geschichte sein. Aktivisten demonstrierten für die Schließung des Amtes.

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2012 | 07:05 Uhr

Horst | An den Zäunen flattern Luftballons, Kinder pusten Seifenblasen und malen mit Kreide, Musik dröhnt aus Lautsprechern. Aus der Ferne wirkt die Szenerie im Wald vor dem Aufnahmelager für Asylbewerber wie ein Volksfest. Doch an der Zufahrt stehen Polizeiwagen und das schwere Eisentor an der Wache bleibt für Besucher an diesem Sonnabend geschlossen. Als die Musik verklingt, greift Franz Forsmann vom Flüchtlingsrat Hamburg vor dem Zaun zum Mikro und macht deutlich, warum die vielen Menschen heute hier sind. "Das Lager muss geschlossen werden. Die Menschen hier sind isoliert, verlieren ihre Eigenständigkeit. Sie können nicht selbst kochen und haben keine Möglichkeit, ihre schulpflichtigen Kinder in die Schule zu schicken." Seine Kritik richtet sich auch an die Asylpolitik der Stadt Hamburg. Denn eigentlich sollte die Nutzung des Lagers längst Geschichte sein, so Forsmann. Die schwarz- grüne Koalition in Hamburg war Anfang 2011 übereingekommen, den Vertrag mit Mecklenburg-Vorpommern zur Erstaufnahme der Hamburger Flüchtlinge im September 2012 auslaufen zu lassen. Doch der jetzt geführte Senat denke offenbar anders und plane die Fortsetzung der Unterbringung, so Forsmann. Laut Norbert Smekal von der Hamburger Ausländerbehörde soll es Gespräche mit Mecklenburg-Vorpommern über die weitere Nutzung geben. Angesichts der Flüchtlingszahlen könne man nicht auf das Lager verzichten, hieß es.

In dem Amt für Migration und Flüchtlingsangelegenheiten (AMF), früher Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST), leben im Moment etwa 300 Flüchtlinge. Darunter viele aus Afghanistan, Syrien, dem Iran, Irak, Serbien und Mazedonien. Die ehemalige NVA-Grenzkaserne im Wald ist der erste Anlaufpunkt für Flüchtlinge in Deutschland. Hier bleiben sie drei Monate bevor sie auf Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber im Land verteilt werden. Katayoun aus dem Iran lebt mit ihrer neunjährigen Tochter in so einem Heim in Jürgenstorf im Landkreis Demmin. Auch sie war drei Monate in Horst. "Der erste Schritt zur Integration ist die deutsche Sprache", sagt sie. "Ich habe hier aber kein Deutsch gelernt. Und wir bekommen jetzt auch kein Deutschunterricht in Jürgenstorf. Deutsch lerne ich am Computer oder vorm Fernseher." Seit mehr als einem Jahr wartet die 44-Jährige in Vorpommern auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. "Das Warten macht uns krank. Im Heim sind viele depressiv. Sie nehmen Medikamente, kommen kaum raus und sitzen nur vor dem Fernseher." Deshalb ist sie heute nach Horst zurückgekommen. "Es ist der einzige Weg, um auf unsere Lage aufmerksam zu machen." Im Flüchtlingsheim selbst kann man die Vorwürfe gegen die Horster Einrichtung nicht nachvollziehen. Wie ein Mitarbeiter an der Wache gegenüber SVZ erklärt, gebe es sehr wohl Deutschunterricht für Kinder. Vormittags und nachmittags, von Montag bis Freitag. Aus seiner Sicht seien die Kinder hier in Horst noch gar nicht grundschulfähig, weil sie kein einziges Wort Deutsch sprechen können.


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