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Bauernregel-Kampagne : „Dieses Bild ist grober Unfug“

vom
Aus der Onlineredaktion

Bundesagrarminister Christian Schmidt über die Bauernregel-Kampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wollte mit ihren „Bauernregeln“ die Bürger zum Nachdenken über die Zukunft der Landwirtschaft anregen. Darüber sprach Tobias Schmidt mit Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU).

Was ist verwerflich an der Kampagne Ihrer Kollegin?
Schmidt: Ich kann nicht erkennen, wie diese Kampagne ein Sachbeitrag zur Zukunft der Landwirtschaft sein soll. Indem man diejenigen, die es tatsächlich betrifft, durch den Kakao zieht, wird nichts besser. Ich kann verstehen, dass viele Menschen auf dem Land sich durch diese Sprüche auf den Schlips getreten fühlen. Im Grunde bedient Frau Hendricks hier das alte Klischee einer zurückgebliebenen Landbevölkerung, die grobschlächtig mit Tieren und Natur umgeht. Dieses Bild ist grober Unfug.

Die Reime machen auf die Probleme von Massentierhaltung und Monokulturen aufmerksam. Ist eine nachhaltigere, grünere Landwirtschaftspolitik nicht auch Ihr Anliegen?
Mein Einsatz für eine zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft steht außer Frage. Wir können aber bitte nicht so tun, als wäre die Landwirtschaft ein einziger Schadensfall. Auch jeder Klimaretter braucht am Ende des Tages etwas zu essen. Deshalb ist und bleibt die Nahrungsmittelversorgung die Kernaufgabe der Landwirtschaft. Wenn ich etwas bewegen will, muss ich mich aktiv mit den Landwirten auseinandersetzen. Mein Weg sorgt vielleicht für weniger Schlagzeilen, bringt uns in der Sache aber weiter voran, wie z.B. bei der Antibiotikareduzierung oder dem staatlichen Tierwohllabel.

Sie haben einen Stopp der Kampagne verlangt. Die Umweltministerin ist dazu nicht bereit. Erwarten Sie jetzt ein Machtwort der Kanzlerin?
Für mich ist nicht entscheidend, ob diese Nummer bei städtischen Meinungseliten in Berlin als pfiffige Idee wirkt, sondern ob sie die Angesprochenen verletzt. Und genau das ist hier passiert. Ich erwarte, dass man sich vorher Gedanken über Kampagnen macht. Die breite Kritik, auch aus den eigenen Reihen, wie von Niedersachsens Ministerpräsident Weil, sollte zu denken geben. Was helfen teure Plakate mit Schüttelreimen am Flughafen Berlin-Tegel Natur, Umwelt, Tieren und Bauern? Wenn man wirklich einen Beitrag leisten will, dann muss man deutlich machen, dass die gesellschaftlich geforderten immer höheren Ansprüche an die Landwirtschaft auch von uns Verbrauchern bezahlt werden müssen.

Der Eindruck entsteht, Ministerin Hendricks treibe Sie in Sachen Agrarreform vor sich her.
Ich habe vielmehr den Eindruck, dass die Landwirtschaft dauernd zum Sündenbock gemacht wird, weil auf anderen Feldern wenig vorangeht. Auch das Umweltministerium kann die Augen nicht vor der Realität verschließen: Wir beginnen nicht auf einem weißen Blatt Papier. Jede Entwicklung muss im laufenden Betrieb erfolgen. Die Landwirtschaft lässt sich nicht für ein paar Monate anhalten und umbauen wie ein Fließband. Bei jeder Entscheidung mache ich mir auch Gedanken um die rund viereinhalb Millionen Arbeitsplätze im Agrarsektor.

 

Parteiübergreifende Kritik an Kampagne mit „Neuen Bauernregeln“

 Mit ihrer Werbekampagne „Neue Bauernregeln“ für eine nachhaltige Landwirtschaft hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nicht nur Landwirte, sondern auch Politiker gegen sich aufgebracht. „Ich halte die Kampagne für platt, gefährlich und kontraproduktiv“, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern zu der in der Vorwoche von seiner Parteikollegin in Berlin gestarteten Aktion. Der CDU-Landesvorsitzende und Innenminister Lorenz Caffier sprach gar von einer Diffamierung der Landwirte.

Beifall kam vom Naturschutzverband WWF Deutschland, nach dessen Meinung die Kampagne „entscheidende und tiefgreifende Probleme“ in der konventionellen Landwirtschaft benennt.

Backhaus beklagte jedoch, dass damit die Bauern unter Generalverdacht gestellt und Leistungen der Landwirte für den Umwelt- und Tierschutz ausgeblendet würden. Nichts sei zwar schon so gut, dass man es nicht noch verbessern könne, räumte er ein. „Schuldzuweisungen und Polemik können aber nicht die Basis für einen konstruktiven Dialog sein“, mahnte der Minister und warnte davor, einen hart arbeitenden Berufsstand öffentlich herabzuwürdigen.

Für  Caffier ist bereits ein gravierender Imageschaden entstanden. „Mit der Kampagne hat Frau Hendricks alle Landwirte und deren Familien als Umweltverschmutzer und Subventionsnutznießer pauschalisiert und in der breiten Öffentlichkeit auf populistische Weise an den Pranger gestellt“, konstatierte der Unionspolitiker. Er forderte die Bundesumweltministerin auf, gemeinsam mit den Bauernverbänden und den Landwirten an einvernehmlichen Lösungen beim Umwelt- und Naturschutz zu arbeiten.

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