Eichenschädling zerstört Alleen in MV : Dieser kleine Spinner macht krank

Verbreitet sich massenhaft: der Eichenprozessionsspinnerdpa
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Verbreitet sich massenhaft: der Eichenprozessionsspinnerdpa

Sie sind klein, stark behaart, fressen einzelne Bäume, aber auch ganze Waldbestände kahl und werden für Menschen zur Gefahr: In MV machen sich die Spinner breit. Die gefährlichen Raupen breiten sich im Norden aus.

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04. Mai 2012, 07:04 Uhr

Schwerin | Sie sind klein, stark behaart, fressen einzelne Bäume, aber auch ganze Waldbestände kahl und werden für Menschen zur Gefahr: In MV machen sich die Spinner breit. Die gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinner breiten sich in Norddeutschland aus - auch in Wohngebieten, Parks, auf Spielplätzen oder an Alleebäumen.

Rund um Ludwigslust, zwischen Hagenow und Lübtheen, Dömitz, nahe Boizenburg in Westmecklenburg, südlich von Neubrandenburg: "Die Befallsgebiete des Eichenprozessionsspinners nehmen seit 2007 zu", beobachtet Nadine Bräsicke vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Braunschweig: "Einen Rückgang der Populationsdichten beobachten wir bislang kaum." Besonders trockene, warme Jahre bieten Bräsicke zufolge für dem Forstschädling günstige Entwicklungsbedingungen. Auch 2012 müsse mit dem Auftreten der Raupen gerechnet werden.

In Westmecklenburg sind sie längst da: "Es ist die Seuche", meint Joachim Vietinghoff vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock. Wirksame Bekämpfungsstrategie: Fehlanzeige. "Das ist ein Problem in Deutschland, das gelöst werden muss", meint Vietinghoff. Nahe Dömitz versuchten diese Woche Pflanzenschutztrupps per Hubschrauber an einer 1,5 Kilometer langen Allee mit einem Bio zid gegen die Raupen vorzugehen. In der Region war zuvor ein äußerst hoher Befall festgestellt worden. Je zehn laufenden Meter Zweig waren 53 Eiergelege gezählt worden, bei 30 anderen Baumproben in Mecklenburg-Vorpommern nur bis zu ein Eiergelege. Bundesweit sind zehn Länder von der Spinner-Invasion betroffen, ermittelte das Julius Kühn-Institut - vor vier Jahren waren es sieben.

Die Gefahr steigt: Experten schätzen das gesundheitsschädigende Potenzial des Eichenschädlings als sehr hoch ein, urteilt u. a. das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR). So seien verstärkt gesundheitliche Probleme bei Forst- und Gartenarbeitern, Anwohnern und Spaziergängern festgestellt worden. Die Larve des Eichenprozessionsspinners schlüpft Anfang Mai. Gefährlich für den Menschen sind vor allem die so genannten Brennhaare - feine, 0,3 Millimeter lange Haare mit Widerhaken - drei bis vier Nester je Baum mit etwa 400 Rauben, je Larve mit etwa 630 000 Härchen. Bei Kontakt können Hautirritationen, Augenreizungen und Atembeschwerden auftreten - rote Flecken, Quaddeln und Pusteln. Werden die Haare eingeatmet, können sie Husten, Bronchitis oder Asthma hervorrufen. Besonders lästig: Die Brennhaare verlieren ihre giftige Wirkung über Jahre nicht.

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