Gebrauchtwagen kaufen : Dieselprämie: Wir machen den Test

Bevor sich Diesel-Fahrer ein neues Auto kaufen, sollten sie unbedingt die Preise vergleichen. /dpa
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Bevor sich Diesel-Fahrer ein neues Auto kaufen, sollten sie unbedingt die Preise vergleichen. /dpa

Wer sich für die „Umweltprämie“ interessiert, muss Geduld und Hartnäckigkeit mitbringen

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06. September 2017, 11:45 Uhr

Die Dieselkrise hat zu rosigen Zeiten für Autokäufer geführt. Die Rabatte für Neuwagen seien mit den von den Herstellern ausgelobten Umweltprämien durch die Decke gegangen, berichtet das Car-Center der Universität Duisburg-Essen in seiner regelmäßigen Rabattstudie. Der seit 2010 auf dem deutschen Automarkt erhobene Rabattindex sei im August auf einen absoluten Höchstwert gestiegen.

In Kombination mit anderen Preisaktionen könnten Käufer eines neuen Skoda Octavia oder eines VW Passat bis zu 46 Prozent des Listenpreises sparen, wenn sie einen mehr oder weniger schrottreifen Alt-Diesel abwracken, schilderte Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer einschlägige Angebote des besonders preis-aggressiven VW-Konzerns.

Bei manchen Herstellern würden Teile anderer Preisnachlässe mit den beworbenen Umweltprämien verrechnet, so dass beispielsweise beim Hyundai i20 gerade einmal 292 Euro zusätzlicher Diesel-Rabatt herauskämen.

Das Institut rechnet mit deutlichen Marktanteilsgewinnen für die VW-Konzernmarken. „Kurzfristig gibt es einen kräftigen Impuls, der aber mit deutlich schlechteren Margen, Rabatt-Gewöhnungs-Effekten und Reaktionen der Wettbewerber verbunden sein wird“, meinte Dudenhöffer. Insgesamt werde der Automarkt durch die Preisaktionen nach dem „Dieselgate“ ins Ungleichgewicht gebracht. Vor allem die Preise für junge Diesel-Gebrauchtwagen stehen unter starkem Druck. Unser Volontär Armin Kung  machte den Test.

Volkswagen

Meine erste Station ist ein großes VW-Autohaus in Schwerin. Ich behaupte, einen alten 3er Golf Diesel zu besitzen und dass ich gerne ein Angebot mit dieser „neuen Prämie“ hätte, von der derzeit viel geredet wird. Der VW-Verkäufer redet nicht um den heißen Brei herum. Sofort klickt er auf seiner Tastatur herum und zeigt mir am Bildschirm die Liste mit Rabatten.

Ich wähle die Variante Trendline ohne viel Zubehör. Nach einer Fragestunde über Zubehör und Sonderpakete legt er mir eine lange Liste vor. Der Originalpreis läge bei 21 557,75 Euro. Die Umweltprämie bringt mir nochmal 5000 Euro Ersparnis, wenn ich meinen alten Diesel verschrotten lasse. Der Händler hält sich an die Vorgaben des Herstellers. Wie selbstverständlich und ohne weitere Nachfrage bekomme ich auch einen kleinen Händlerrabatt. Nochmal 1657,75 Euro gespart. Insgesamt macht das 14 900 Euro für einen neuen Golf.

Fazit

Der VW-Händler bietet mir einen Golf-Neuwagen für 14 900 Euro an. Das macht eine Ersparnis von insgesamt 31 Prozent, ohne dass ich nachbohren musste. Das nenne ich kundenfreundlich.

VW Golf Trendline 1.0 TDI

Originalpreis: 21 557,75 Euro
Händler-Rabatt: 1657,75 Euro
Umweltprämie: 5000 Euro
Preis: 14 900 Euro
Ersparnis: 31 Prozent

BMW

Bei einem BMW-Autohaus in Rostock möchte ich herausfinden, ob die Umweltprämie auch für Gebrauchtwagen gilt. Bei einem Verkäufer gebe ich vor, mich für einen Vorführwagen zu interessieren. Er schickt mich zu dem Gebrauchtwagenverkäufer, der in einem weißen Containerhäuschen auf dem Gelände sitzt.

Ich gebe vor, einen alten BMW Diesel zu besitzen und frage nach der Umweltprämie. Der Verkäufer ist skeptisch, grübelt und klickt sich lange durch seinen Computer. Nach etwas unverständlichem Gebrabbel bietet er mir eine Prämie von 1500 Euro an. Ich muss mir das Lachen verkneifen, ernsthaft? 1500 Euro klingt mager, bei einem Preis von 25 950 Euro für den jungen Gebrauchtwagen. Wie diese Zahl zustande kommt, frage ich nach. „Das hat was mit den CO2-Werten bei jungen Gebrauchten zu tun”, sagt er knapp.

Doch dann wird es merkwürdig. „Schicken Sie mir doch mal den Kilometerstand ihres alten Wagens, dann schauen wir mal“, sagt er. Wozu der Kilometerstand? Die Autohändler verpflichteten sich, die alten Diesel nachweislich zu verschrotten. Nur BMW nicht? Tatsächlich muss die Verschrottung bei den meisten Herstellern nachgewiesen werden, so wurde es nach dem „Dieselgipfel“ zwischen Industrie und Bundesregierung verkündet.  BMW dagegen macht nicht mit. Der Verkäufer bietet mir an, den alten EURO 3 Diesel wiederzuverkaufen.

Fazit

Wenn Sie sich für einen „jungen Gebrauchtwagen” interessieren, fällt die Umweltprämie verschwindend gering aus. Außerdem verschrottet BMW die Fahrzeuge nicht. So kommen die alten Diesel nicht von der Straße.

BMW 218i Active Tourer
Originalpreis: 24 950 Euro (gebraucht)
Händler-Rabatt: 0 Euro
Umweltprämie: 1500 Euro
Preis: 23 450 Euro
Ersparnis: 6 Prozent

Opel

Zu Besuch bei einem Opel-Händler im Landkreis Rostock. Ich erkundige mich in der Verkaufshalle nach einem neuen Opel Astra. Der Verkäufer zeigt mir einen braunen Neuwagen. Benziner, 5-Türer in der Variante „Active“. Preis: 22 080 Euro. Von selbst bietet er mir keinen Rabatt an. Ich hake nach. „Umweltprämie“?

„Bei dem hier bekommen Sie 5000 Euro“, sagt der Verkäufer. „Keinen zusätzlichen Händlerrabatt?“ Der Verkäufer schüttelt den Kopf. „Das Autohaus muss die Umweltprämie alleine tragen, da kann ich nicht noch mehr drauflegen.“

Kaum zu glauben. Wenn das stimmt, dass das  Autohaus die Umweltprämie zahlt, dann ist der angebliche neue Nachlass nur ein klassischer Händlerrabatt unter neuem Namen. Noch auf dem Autohaus-Gelände rufe ich beim Mutterkonzern Opel in Deutschland an. Ich möchte wissen, wer die 5000 Euro trägt: der Hersteller oder die Autohändler? Nach einer Wartezeit bekomme ich die Antwort: „Zu den geschäftlichen Details zwischen Hersteller und Händler äußern wir uns nicht.“

Fazit

Das mit der Dieselprämie bei Opel stinkt zum Himmel. Der Preisnachlass von 5000 Euro ist zwar in Ordnung, doch Opel zahlte bereits früher Händlerrabatte bis zu 20 Prozent. Hat Opel dem Rabatt einfach einen neuen Namen gegeben?

Opel Astra Active 1.4 Ecotec

Originalpreis: 22 080 Euro
Händler-Rabatt: 0 Euro
Umweltprämie: 5000 Euro
Preis: 17 080 Euro
Ersparnis: 22 Prozent

Honda

Meine letzte Station ist ein Honda-Autohaus im Schweriner Umland. In der Verkaufshalle spricht mich sofort ein Mitarbeiter an. Ich frage nach einem Honda Civic und ob es eine Umweltprämie dafür gebe. „Ich habe erst gestern so eine Mail vom Hersteller bekommen, wir können ja mal reinschauen.“ Gestern? Die Umweltprämie wurde Anfang August verkündet.

Am Schreibtisch nennt er mir den Rabatt: 2000 Euro. Nicht viel für einen neuen Civic mit einem Gesamtpreis von 25 255 Euro. Der Verkäufer rät mir, dass ich meinen alten Diesel lieber verkaufen sollte, dabei spränge mehr für mich heraus. Unabhängig davon könnten wir über Händlerrabatt reden. Auf diese Weise würde ich mehr Geld sparen. Ich hake nach, ob man die 2000 Euro Umweltprämie nicht mit einem weiteren Händlerrabatt kombinieren könne. „Nein, entweder oder“, ist die Antwort.

Fazit

Welchen Sinn hat die Umweltprämie, wenn mir der Händler rät, den alten Diesel zu verkaufen statt ihn zu verschrotten? Was erstmal entgegenkommend klingt, bedeutet übersetzt: Die Prämie hat keinen Wert.

Honda Civic

Originalpreis: 25 255 Euro
Händler-Rabatt: 0 Euro
Umweltprämie: 2000 Euro
Preis: 23 255 Euro
Ersparnis: ca. 8 Prozent

Audi

Ein Audi-Zentrum im Landkreis Rostock. Lange sitze ich auf schwarzen Ledersesseln, bis ich einen Verkäufer zu sehen bekomme. Erst nachdem ich jemanden anspreche und betone, mich für einen Neuwagen zu interessieren, geht es voran. Der Verkäufer bietet mir Kaffee und Wasser an. Ich möchte von ihm den Preis für einen Audi A3 mit Umweltprämie und einem Händlerrabatt wissen. Nun beginnt ein Verkaufsmarathon. Wir gehen in einen „Medien-Raum“, wo mir ein Wagen zusammengestellt wird. Auf einer großen Leinwand sehe ich in Echtzeit, wie ein 3D-Modell des Autos entsteht. Das dauert. Der Verkäufer exerziert mit mir das gesamte Verkaufsgespräch nach Schulbuch durch. Das ist gut, doch  dann versagt auch noch die Technik. Kann passieren, aber braucht Zeit.  Nach einer kleinen Ewigkeit ist der 3D-Audi fertig. Die Animationen sind hübsch, doch ich will endlich konkrete Zahlen wissen. Am Schreibtisch rechnet er mir vor: Der Audi kostet 28 115 Euro. Die Umweltprämie ist vergleichsweise schmal mit 5000 Euro, wie bei einem Golf. Hinzurechnen muss man auch noch Zulassungskosten und eine Überführungspauschale.

Fazit

Wer bei Audi einen Preis haben möchte, sollte Zeit mitbringen. Der Besuch dauerte inklusive Wartezeit fast vier Stunden. Außerdem negativ: kein Händlerrabatt.

Audi A3 Sportsback 1.5

Originalpreis: 28 115 Euro
Händler-Rabatt: 0 Euro
Umweltprämie: 5000 Euro
Preis: 23 115 Euro
Ersparnis: ca. 17 Prozent

Alter Rabatt mit neuem Namen

Wer sich für die „Umweltprämie“ interessiert, muss Geduld und Hartnäckigkeit mitbringen. Kundenfreundlich ist der neue Rabatt nicht, eine Wiedergutmachung schon gar nicht.

Eines sollte jeder Kunde wissen: Noch bis Ende 2015 lieferten sich die Autokonzerne mit Händlerrabatten über 30 Prozent eine Preisschlacht. Diese Zeiten scheinen  längst Geschichte. Mein Eindruck war, dass die Verkäufer darauf spekulieren, dass ihre Kunden die alten Neuwagenrabatte vergessen haben. Nur das beste Angebote von VW erreicht annähernd die früheren Prozente. Auch wenn einige Händler die Umweltprämie anstandslos anbieten: Wer einen Wagen mit Dieselbonus kaufen will, spart - besser gesagt - zahlt genauso viel wie immer.

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