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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 13:15 Uhr

Diebstahlschutz per künstlicher DNA

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2013 | 05:13 Uhr

Warin | "Mecklenburg-Vorpommern ist in der Sache hintenan. Da wartet man wohl erst die Erfolge in Bremen und Brandenburg ab", meint Axel Matz von der Firma "spectrum-distribution" aus Calau bei Cottbus. Seit Montag ist der 41-Jährige zusammen mit vier Mitarbeitern dabei, den kurz hinterm Ortsausgangsschild in Richtung Mankmoos befindlichen Solarpark Warin mit künstlicher DNA zwecks Diebstahlsicherung zu markieren. Es ist die erste so gesicherte Anlage in MV überhaupt. Gestern wurde zudem das Gelände in kurzen Abständen mit unübersehbaren Warnschildern versehen, abwechselnd "in deutscher, englischer, polnischer und rumänischer Sprache".

Ende der Woche wollen Matz & Co. in der 3,3-Megawatt-Anlage fertig sein, die seit 2012 am Netz ist. Deren Besitzer, die "Finro-GmbH" - eine bayerische Investorengruppe - lässt die DNA-Sache auch gleich noch bei ihrer halb so großen Anlage in Steinhausen bei Wismar vornehmen. Matz: "Das hier ist die Premiere in MV überhaupt, demnächst kommt noch ein Solarpark in Anklam hinzu."

Fast jeden Tag, wenn man Solar- und Windenergie zusammennehme, erfolge deutschlandweit ein Einbruch. "Allein in Brandenburg wurden in den vergangenen zwölf Monaten 60 größere Solaranlagen heimgesucht. Der Schaden geht in die Millionen. Der jüngste Fall passierte in Pritz walk, bei einem entstehenden Solarpark wurden 500 Module entwendet." Doch auch um MV macht die professionelle Klauerei keinen Bogen, so wurden Ende Juli beim fast fertigen Solarpark in Groß Stieten 36 Module gestohlen.

Die straff organisierten Banden handelten auf Bestellung - und da stört es auch nicht, wenn der Solarpark unter Strom steht. Das Diebesgut gehe laut Erfahrung von Axel Matz "zumeist nach Tschechien und Ungarn". Wachschutz, Videokameras, Bewegungsschlaufen oder ein Übersteigschutz am Zaun helfen nur bedingt. "Was weg ist, ist weg", meint nicht nur die Polizei. "Doch keiner der Täter will mit DNA in Berührung kommen. 97 Prozent unseres Konzeptes sind darum auch auf Abschreckung ausgerichtet", verkündet Matz, der beim britischen Weltmarktführer "SelectaDNA" der Vertreter für die fünf neuen Bundesländer ist.

Wie das Ganze im Detail funktioniert, gibt der Lausitzer natürlich nicht preis. Nur so viel: "Wir setzten die verschiedensten Flüssigkeiten mittels Aerosol-Treibmittel ein. Je nachdem, ob der entsprechende Gegenstand hoher Sonneneinstrahlung oder etwa Dauerfrost ausgesetzt ist. Manche Mittel sind bis zu 1000 Grad hitzebeständig und können so auch noch in der Asche nachgewiesen werden", erklärt Matz. Die im Wariner Solarpark eingesetzten Mittel hielten bis zu 400 Grad aus. Zudem ist die künstliche DNA - einmal aufgebracht - noch nach über 20 Jahren nachweisbar. Und bei der Firma, für die Axel Matz seit zwei Jahren arbeitet, steht in England eine zentrale Datenbank. "Jede Sache hat ihre ganz spezielle Codierung."

Meckpomm sei bei der ganzen Angelegenheit derzeit "noch ein bisschen isoliert. Warum, das weiß keiner", so Matz, der auf Erfolge in seinem Bundesland hinweist. "Wir haben in Brandenburg mittlerweile fast 3000 Landmaschinen mit künstlicher DNA codiert, und die Diebstahlquote ist hier im zurückliegenden Jahr um 60 Prozent zurückgegangen."

Eigentlich betreibt Axel Matz seit ein Dutzend Jahren eine Firma zur Fortbildung im kaufmännischen Bereich und für Personalleiter. "Vor zwei Jahren kam ich bei einem Unternehmerstammtisch mit einer Führungskraft der Brandenburger Polizei ins Gespräch, der sprach das Thema künstliche DNA an. So kam ich auf die Idee. Zumal im Fortbildungsbereich die Mittel immer weiter gekürzt werden." Künstliche DNA als längst jetzt schon ein Markt mit großer Zukunft.

Einsatz der künstlichen DNA

Das Verfahren mit der künstlichen DNA wurde in den 90er-Jahren in England entwickelt. Weltmarkfführer ist „SelectaDNA“ mit Niederlassungen in inzwischen 36 Ländern.

Eingesetzt wird die Diebstahlsicherung per künstlicher DNA von Privathaushalten bis hin zur Großindustrie (RWE, Vattenfall, ThyssenKrupp). Auch sind inzwischen die Polizei in Bremen und Brandenburg sowie der Bundesgrenzschutz mit UV-Lampe und Mikroskop ausgerüstet, um so die aufgesprühte DNA aufzuspüren bzw. die Codierung unterm Mikroskop zu entziffern.

Künstliche DNA als Diebstahlschutz wird u.a. eingesetzt: Computertechnik, Flachbildschirme, Kunst und Antiquitäten, Schmuck, Privat-Pkw, Fahrräder, Boote, Landmaschinentechnik, Wind- und Solarparks, Kabel- und Schienenstränge sowie als Präventivmaßnahme mittels Sprühvorrichtung in Banken. Bei Letzterem markiert eine Lösung den potenziellen Bankräuber, bei dem noch 14 Tage nach der Tat in der Haut entsprechendes DNA-Gel nachweisbar ist. In Polen werden bereits seit Ende der 90er sakrale Gegenstände etwa in Kirchen mit künstlicher DNA markiert.

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