Alten Hafen in Wismar : Die „Wissemara“ sticht in See

Das Auftakeln ist in vollem Gange. Werner König von der Crew, sowie Dieter Stüdeman und Fred Christoph (v. links) beim Leinenbereitstellen an Deck.
Das Auftakeln ist in vollem Gange. Werner König von der Crew, sowie Dieter Stüdeman und Fred Christoph (v. links) beim Leinenbereitstellen an Deck.

Mittelalterschiff aufgetakelt / Heiratswillige geben sich auf dem Segler das Ja-Wort

svz.de von
07. April 2015, 11:46 Uhr

Was für ein Hingucker am Wismarer Alten Hafen: Spaziergänger blieben spontan stehen und an Bord eines vorbeiziehenden Fahrgastschiffes kamen Foto- und Videokameras zum Einsatz. Der Grund: Der wuchtige Rahbalken mit dem Großsegel und dem weithin leuchtenden Wismarwappen im Tuch bewegte sich Meter um Meter am Koggenmast der „Wissemara“ in die Höhe.

Nach einem halben Tag war das Mittelalterschiff komplett aufgetakelt und damit fit für die kommende Saison. Was Außenstehende nicht erlebten, war der engagierte Einsatz zahlreicher Koggenfreunde, die zum Auftakeln teilweise aus der Ferne angereist waren. Höhepunkt nach dem Anschlagen des großen Rahsegels bildete der achtköpfige Manneskraft-Einsatz am so genannten Bratspill. An dieser hölzernen Riesenrolle galt es, ein dickes Tauwerk „aufzuspulen“, um so die tonnenschwere Last von Rahbalken und angehängtem Großsegel etappenweise in die Höhe zu hieven. „Erlebte Seemannschaft auf den Spuren des Mittelalters“, so nennen es die derzeit mehr als 45 Bordaktiven der fast 300 Koggen-Fördervereinsmitglieder.

Auch Fred Christoph aus Kröpelin gehört zu denen, die sich gern und freiwillig für diese ganz besondere Art der maritimen Traditionspflege engagieren. „Ich habe damals eher per Zufall die Kogge entdeckt, bin dann ‚inkognito’ mitgefahren, um mir alles anzuschauen und die Crew kennenzulernen“, erinnert sich der 68-jährige einstige Chiefmate aus der Handelsschifffahrt. Inzwischen gehört er seit mehr als drei Jahren zum festen Bordstamm und versieht dort als Steuermann seinen Dienst.

Bereits Wochen zuvor begannen die vorbereitenden Arbeiten für den Saisonstart. Neben technischen Wartungsarbeiten war das viele Holz der Kogge, bis hinauf zur Mastspitze, zu konservieren. Erst kurz vor dem Auftakeln war noch ein wuchtiger Decksbalken auf dem Vorschiff zu ersetzten. „Alles hat sehr gut geklappt, das Engagement der zahlreichen Helfer, die wieder von überall her angereist kamen, ist ungebrochen“, so das erste Fazit von Koggenkapitän Peter Samulewitz. Der sieht die „Wissemara“ für den Saisonstart terminlich gut aufgestellt.

Auf seine Crew wartet allerdings noch ein großer erster Höhepunkt, eine umfangreiche Ausbildungsfahrt. Der fünftägige Törn startet ab dem 25. April und beinhaltet solche Trainingselemente wie Segelmanöver, Brandschutzübungen, Simulation von Mann über Bord-Situationen. „Also das gesamte vorgeschriebene Programm, um so weiterhin für die Sicherheit unserer Bordgäste gerüstet zu sein“, so der Kapitän.

„Dass es unseren Koggenleuten längst in den Fingern kribbelt um bald wieder gemeinsam mit Gästen Seeluft schnuppern zu können, ist kein Geheimnis“, weiß auch Joachim Müller von Koggenvereins-Vorstand. Deshalb wird ebenso erwartet, dass sich die Kogge nach dem aufwändigen Frühjahrsputz topp seetüchtig und im frischen mittelalterlichen Charme präsentiert. Besonders gefragt sit das Schiff für Trauungen. Insgesamt 14 Termine wurden für diesen ganz besonderen Anlass im großen Gesellschaftsraum unter Deck bereits gebucht.

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